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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. Seite 164

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
Date
1926-01-01
Page
Seite 164 (sequence 10)
Language
German
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164 vor Augen gehabt. Die Schlacht von al־Babain, die Belagerung von Alexandria und das Blutbad von Bilbais sind auch in dem arabischen Text angedeutet1. Ein dreimaliger Brand von Kairo gehört dort zu den eschatologischen Zügen2. ,,Man darf — so schreibt Ranke in seiner Weltgeschichte3 — bei diesen Dingen länger verweilen, denn sie bieten nicht allein die letzte Aussicht für die Sache des Königreichs Jerusalem, sondern auch die größte für die der christlichen Welt gegenüber dem Islam im allgemeinen dar. Das historische Ereignis ist, daß der Einbruch der Franken nur durch den Gegensatz des abbasidischen und fatimidischen Chalifates möglieh wurde, daß das koloniale Reich sich hielt, so lange dieser Gegensatz bestand, aber untergehen mußte, so bald er wegfiel.“ Die geschilderten Verwickelungen brachten Saladin zur Macht; bald sollte sein Siegeszug beginnen, der Entscheidungskampf zwischen Christentum und Islam zum Austrag kommen. Ist es undenkbar, daß eine Ahnung davon einen jüdischen Augenzeugen in Kairo ergriff?4 Den Visionen der Endzeit entreißt sich der Apokalyptiker von neuem, um von dem Kampf um Akko in den Jahren 1189—1191 zu sprechen5: ,,Darauf führen die Kinder Ismaels Krieg mit den Edomitern in der Ebene von Akko, und sofort kommen die Assyrer6 über sie und nehmen sie gefangen, denn es heißt: Wie lange noch, so führt dich Assur in Gefangenschaft (Num 2422). Und Schiffe von der Seite der Kittiter7 her (Num 2424). Das sind die Edomiter, die am Ende der Tage aufstehen werden. Und wenn sie fortgehen, ziehen sie wie Diebe ab, denn es heißt: Sind Diebe über dich gekommen? (Ob 15)8. Sie führen Krieg mit den Kindern Ismaels und töten viele von ihnen. Man versammelt sich nach dem Lager von Akko, und das Eisen zertrümmert den Ton und die Schenkel zerbrechen die Zehen9, und sie fliehen nackt ohne Pferde. Und es verbinden sich mit ihnen Truppen von Edom, und sie kommen und führen Krieg in der Ebene von Akko, so daß die Pferde bis zur Hüfte in Blut versinken . . .“ Hier sind wirklich wesentliche Züge des weitgeschichtlichen Ringens wiedergegeben. Christen und Mohammedaner kämpfen um Akko, indem König Guido von Jerusalem im 1 Hartmann S. 96. 2 Hartmann S. 102. 3 Leipzig 1887, VIII, 229. 4 Die andere Möglichkeit, daß hier eine wirre Wiedergabe aufgegriffener Notizen vorliegt, ist sehr unwahrscheinlich, wegen des Stiles dieser und der folgenden Aufzeichnungen wie auch wegen der Tatsache der messianischen Bewegung, welche die Juden in den folgenden Jahren ergriff. Vielleicht aber sind die Zeilen, vom Standpunkt des folgenden aus, während des 3. Kreuzzuges aus der Erinnerung niedergesclirieben. 5 Jellinek IV, 122, Zeile 18 f. 6 Mit den אשורים sind wieder Stämme der Mohammedaner gemeint, da die nach dem weiter zitierten Bibelvers von ihnen unterworfenen Keniter wie oben im Sinne von Edomitern zu verstehen sind. 7 Das ist hier offenbar wörtlich im Sinne von Cypern zu verstehen. 8 Die Anwendung paßt nicht ganz, denn das Bibelwort ist gegen Edom gewandt. 9 Dan 240 f. Der Apokalyptiker übernimmt die Auslegung Saadjas, nur mit anderer Reihenfolge der Reiche, und entwickelt das biblische Bild in freier Weise. Die Ergänzung von עד vor לאצננעתא, die Jellinek vorschlug, beruht auf einem Mißverständnis.

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