Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 9)
- Language
- German
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163; fliehen von dort und kommen, nach Kairo1 und machen dort Gefangene und Beute und zerstören es . . Von einem jüdischen Apokalyptiker des Mittelalters ist ein noch geringeres Maß an Be-: stimmtheit der historischen Beziehungen zu erwarten, als von einem christlichen oder mohammedanischen Schriftsteller gleicher Art, da bei einem mittelalterlichen Juden Teilnahme an dem historischen Ereignis an sich überhaupt kaum zu finden ist. Aber in unserem Text darf man mit um so größerem Recht Erinnerungen an die Expeditionen Amalrichs, des Königs von Jerusalem, nach Aegypten vermuten, als diese weltgeschichtlichen Vorgänge auch in einer gleichzeitigen islamischen Apokalypse mit größerer Deutlichkeit berührt werden2. Amalrich kam, durch die Streitigkeiten der islamischen Machthaber veranlaßt, seit 1163 zu wiederholten Malen, nach Aegypten. Jm Jahre 1167 zog er den! ägyptischen Sultan Schaver zu Hilfe gegen den gleichzeitig von Norden anrückenden Kurdenführer Schirkuh. Bei al-Babain in Oberägypten wurden die vereinigten Franken und Aegypter (daher nennt sie der Apokalytiker wohl ״vermischt“) von Schirkuh geschlagen. In Wirklichkeit lagen die Verhältnisse also gerade umgekehrt, als der jüdische Text angibt. Auch das Folgende ist keineswegs realistische Geschichte. Der Sieger Schirkuh nämlich marschierte nach der Schlacht nach Alexandria und beauftragte seinen Neffen Saladin mit der Verteidigung der Stadt, die dann allerdings von den verbündeten Franken und Aegyptern belagert wurde. Dort aber fand keine Schlacht statt, sondern es kam bald zu einem Frieden, der den Status quo wieder herstellte. Im November 1168 zog Amalrich noch einmal nach Aegypten, diesmal als Feind. Bilbais wurde erstürmt, geplündert, die Bevölkerung erschlagen. Schaver selbst ließ die Vorstädte von Kairo niederbrennen, um sie nicht zu einem Stützpunkt der Franken werden zu lassen. Möglicherweise hat der Apokalyptiker diesen Brand von Kairo 1 מצרים kann hier nichts anderes bedeuten. 2 Richard Hartmann, Eine islamische Apokalypse aus der Kreuzzugszeit. Ein Beitrag zur Gafr-Literatur. Schriften der Königsberger Gelehrten Gesellschaft. Geisteswissenschaftliche Klasse. 1. Jahr (1924) Heft 3. Die im Text ausgeführte Analyse der jüdischen Apokalypse hatte ich schon im wesentliehen abgeschlossen, sie aber schließlich verworfen, weil die Stelle sich mit nicht viel weniger Erfolg oder Mißerfolg auf spätere Expeditionen der Kreuzfahrer nach Aegypten ausdeuten ließ. Die Zweifel sind jetzt durch den Paralleltext und die Abhandlung von Hartmann behoben, auf die Prof. E. Caspar mich freundlichst aufmerksam machte. Die von H. veröffentlichte Apokalypse geht von einer Planetenkonjunktion des Jahres 1166 aus, wodurch schon ein fester Anhaltspunkt gegeben ist. Im übrigen ist der Text auch keineswegs eindeutig, aber er enthält doch einige ausgesprochene Namen mehr als der hebräische. Er enthält auch einen Hinweis auf die Eroberung Jerusalems durch Saladin, doch scheint dies späterer Zusatz. Nach. H. ist das Stück um 1180, wahrscheinlich in Aegypten, entstanden und später mit Anhängen versehen. Die hebräische Apokalypse dürfte gleichfalls in Aegypten entstanden sein. Ob der 3. Kreuzzug den Ausgangspunkt gebildet hat oder ob das dahin gehörige Stück später angefügt ist, läßt sich wohl nicht entscheiden. Eine zur Zeit des 5. Kreuzzuges bei den Christen verbreitete Prophetie, deren verschiedene Texte Röhricht, Quinti belli sacri scriptores minores, Genf 189ל (Publ. de la soc. de TOrient latin, sör. hist. II) S. 205 f. veröffentlicht hat, spricht (wie Hartmanns Text) von der Eroberung von Bilbais und schilderte den dritten Kreuzzug, aber nicht so realistisch wie der jüdische. Text. 11*