Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. Seite 161

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
Date
1926-01-01
Page
Seite 161 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829939-2833249--46849-2833289
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

161 durch den Brief an die Gelehrten der Provence, daß die Hoffnungen der Jemeniten trotz Maimonides' Warnung nicht erloschen, und es wird glaubhaft, daß sie sich einem anderen Propheten zuwandten, (von dem allerdings Moses nichts gewußt zu haben scheint), zumal, wie wir nun wissen, der jemenitische Prophet, genau wie der in Ispahan, sich in Wirklichkeit nur für den Wegbereiter des Messias ausgegeben hatte* 1. Damit schließt sich die Kette der Beweise für den Zusammenhang sowohl des unechten Briefes aus dem Jahre 1187 wie des echten, einige Jahre vorher verfaßten Iggeret Teman mit den Erwartungen, welche Juden, Christen und Mohammedaner besorgt und erwartungsvoll dem Jahre 1186 entgegenbrachten. Moses b. Maimon, in dessen unmittelbarer Nähe vielleicht die Berechnungen für das Jahr 1186 gelesen wurden2, stand den großen historischen Bewegungen seiner Zeit nicht teilnahmlos gegenüber. Die Leiden, die Israel in seiner Jugend durch die Almohaden und jetzt wieder im Jemen zu erdulden hatte, brachten ihn zu der Ueberzeugung: ,,Es ist kein Zweifel, daß dies die Wehen des Messias sind3/' Der Messias wird kommen, ,,wenn die Macht der Edomiter und Araber auf der Höhe steht und ihre Herrschaft sich in der Welt ausbreitet, wie es heute ist". Diese Zeit ist von Daniel und den Propheten vorhergesagt4. Trotz seiner Mahnungen zur Vorsicht hält Maimonides eine alte Tradition für mitteilenswert, wonach im Jahre 1216 die Prophetie wiederkehren, d. h. die Vorbereitung der messianischen Zeit beginnen werde5. Die ägyptischen Juden waren nahe Zeugen des großen Kampfes zwischen Christentum und Islam, der in der ägyptischen Expedition der Kreuzfahrer in den sechziger Jahren, im Siegeszuge Saladins und im dritten Kreuzzuge seinen weltgeschichtlichen Höhepunkt erreichte. Mitten in diese Bewegungen führt die jüngere Bearbeitung der sog. Apokalypse des Simon b. Jochai6. Daß Versionen dieser Schrift damals verbreitet meinen, dann muß es zwei derartige Briefe gegeben haben, und das würde hier zur Sache nichts ändern. Eine dritte Eventualität, daß unser Text erst auf das von den Provenzalen erwähnte Gerücht hin gefälscht worden sei, ist unmöglich; es kann sich nicht um eine wesentlich jüngere Fälschung handeln, wie ausgeführt. Will man sich aber wieder auf die schon von Maimonides geäußerte Vermutung versteifen, daß die Angaben der Provenzalen auf einem Mißverständnis beruhten, so steht man vor dem rätselhaften Zufall, daß ihre irrtümlichen Informationen doch mit den Tatsachen übereinstimmten. 1 Auch die Angaben des falschen Briefes über den Anschluß von Arabern an den jüdischen Propheten wird durch Maimonides bestätigt. Uebrigens kann man die Erzählung von der Reue und Umkehr des Königs von Aden angesichts der. durch Grauert festgestellten Erschütterung, die sich damals der ganzen Welt bemächtigte, nicht ohne weiteres in den Bereich der Fabel verweisen. 2 Vgl. Abschnitt I gegen Ende. 3 Licht, fol. 1 c. 4 Fol. 6b. 5 Vgl. Bacher, REJ. 34, S. 101. 6 Die ältere Version dieser Apokalypse bei Jellinek, Bet hamidrasch III, 78 f.; die jüngere IV, 117 f. (unbedeutendere Versionen, die hier unberücksichtigt bleiben können, bei Ch. M. Horovitz, Bibliotheca haggadica I 1881 , 51 f. und S. A. Wertheimer, בתי מדרשות II Jerusalem 1894 , 25). Es streitet niemand darüber, daß die jüngere Version Spuren aus der Zeit der Kreuzzüge trägt, nur sind sie bisher nicht näher bestimmt worden. Die ältere Version verlegt Graetz, Gesch. d. J. V, Note 16, in ihrem Hauptteil in das 8. Jahr- Monatsschrift, 70. Jahrgang. 11

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.