Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 6)
- Language
- German
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160 und die Zerstörung Sedoms und Amoras durch die Gestirne und nicht durch die Sünden der Menschen und den Willen Gottes hervorgerufen worden sei!1 Was für pseudoprophetische Schriften in den Händen der jemenitischen Juden waren, läßt sich aus den angeführten Worten nicht schließen. Jedenfalls ging ihr Inhalt doch etwas über Abraham b. Chija hinaus und näherte sich der Prophetie des Johannes avendehut; und wie wir noch sehen werden, hatten die Jemeniten auch alte Apokalypsen von gleicher Art, gegen die R. M. b. M. kämpfen mußte. Aber zunächst noch einige Worte über den unechten Maimonides-Brief des Toledaner Reisenden! In seinem Tatsachengehalt wird er durch den Iggeret Teman nicht widerlegt, sondern ergänzt, und überdies findet er als zeitgeschichtliches Dokument in einem andern Brief des R. M. b. M. eine eigenartige Beglaubigung. In seinem an die Gelehrten der Provence gerichteten Sendschreiben über Astrologie2 * spricht Maimonides nämlich von auf seinen Namen gefälschten Aeußerungen, die in Fez verbreitet wurden und in denen von einem im Orient auftretenden Messias die Rede war. ״Was den Messias betrifft, dessen ihr gedachtet, über den euch Aeußerungen in meinem Namen zugetragen wurden, so verhielt sich die Sache nicht so, wie ihr gehört habt, und sie ereignete sich nicht im Osten, sondern im Jemen stand ein Mann auf — es ist etwa [. . .]s Jahre her — und sagte, daß er der Gesandte des Messias sei und den Weg für sein Kommen ebne; er sagte ihnen, daß der Messias-König sich im Lande Jemen offenbaren weide. Es schlossen sich ihm viele an, Juden und Araber, . . . und er sagte ihnen ständig: Kommet mit mir, wir wollen dem Messias entgegengehen, denn er hat mich zu euch geschickt, um ihm den Weg zu ebnen/‘ Moses berichtet darauf über seinen Briefwechsel mit den Jemeniten (er hat für sie drei Schriften über das Wesen des Messias verfaßt, wovon nur eine erhalten ist) und über das unglückliche Ende des Propheten, der auf Befehl des Königs getötet wurde; die Juden im Lande seien seinetwegen mit großen Geldbußen belegt worden. Moses schließt: ״Noch jetzt (1194) gibt es dort Unverständige, die sagen,, jetzt wird er aus dem Grabe auferstehen. — So verhielten sich die Dinge, und wenn ihr gehört habt, daß mein Brief nach Fez gelangt ist, so sind vielleicht die Worte, die ich nach dem Jemen geschickt habe, abgeschrieben und nach Fez gebracht worden“. Soweit die Worte des nichtsahnenden Gelehrten. Wir aber lesen heute noch der! Brief, den man in seinem Namen in Fez verbreitete4. Es bestätigt sich 1 J.T. Licht, fol. 5 v. Holub S. 39 f. 2 Lichtenberg II fol. 26 v. 8 Die hier stehende Zahl 22 ist nicht echt; vgl. oben. 4 Von Astrologie braucht der Brief, von dem die provenzalischen Juden sprechen, nicht gehandelt zu haben. Maimonides polemisiert in dem sog. Sendschreiben über Astrologie nicht nur. gegen־ diese, sondern gegen jede Art von Pseudoprophetien; denn alle diese Fragen sind ,,Zweige eines Baumes“. Man wendet vielleicht ein, daß die Angaben der Provenzalen doch zu wenig, Positives enthalten,, um unseren Text zu beglaubigen (obwohl dessen sachlieber Inhalt auch sonst bestätigt wird, vgl. unten). Aber jedenfalls war ein Brief in Maimonides’ Namen nach Fez geschickt worden, in dem von dem Messias im Osten die Rede war. Ist es nicht der unserige, den die Provenzalen