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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. Seite 157

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
Date
1926-01-01
Page
Seite 157 (sequence 3)
Language
German
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157 und mit mehr Ehren als früher überhäuft. Der biedere Mann aus Toledo beschließt seine Aufzeichnungen mit Erinnerungen aus dem Leben des großen Lehrers, die zwar nicht gerade allzuviel Kritik und Klarheit verraten, aber doch nicht ganz übersehen werden sollten. Für uns fragt es sich nur, was von dem Brief zu halten ist. Er ist selbstverständlich nicht echt. Aber es handelt sich um eine zeitgenössische Fälschung1. Der Tradent des Briefes hat ihn nicht verfaßt, sondern tatsächlich unter dem Namen des Moses b. Maimon in Fez vorgefunden, wie sich noch zeigen wird. Seine biographischen Daten stehen in Einzelheiten im Widerspruch zum Inhalt des Briefes2. Der aktuellen Bedeutung des Briefes scheint er sich nur halb bewußt zu sein; er vergißt über der Erinnerung an den großen Mann die erwartete Erlösung. Die Prophetien des Abraham b. Chija und des Johannes avendehut waren ihm offenbar unbekannt. Sonst hätte er sie bei der Erwähnung seines Aufbruches aus Toledo im kritischen Jahre 1186 oder später berührt. Um so bedeutungsvoller sind die Daten, die bei ihm gelegentlich genannt werden. Als Moses b. Maimon nach seiner Darstellung die Antwort des aus Ispahan zurückkehrenden Boten erhält, beginnt Saladin den Krieg gegen die Kreuzfahrer. Das war Anfang Juli 1187. Anderthalb Jahre vorher, also im Jahre 4946 d. W. hatte sich der ״Heerführer des Messias“ zum zweiten 1 Zwanzig Jahre später wäre es sinnlos gewesen, einen solchen Brief mit einem Hinweis auf vergangene politische Ereignisse zu erfinden, nachdem es sich herausgestellt hatte, daß die daran geknüpften Hoffnungen sich nicht erfüllt hatten. Wenn dem Schreiber der Biographie überhaupt an solchen Dingen gelegen hätte, würde er wenigstens mit einem Wort auf die nicht hoffnungslose, weitere Entwicklung der Kämpfe in Palästina hingewiesen haben. Man darf nicht ein wenden, daß ein solcher Brief zu jeder Zeit sinnlos gewesen wäre, daß man ja doch damit nichts habe ausrichten können. Derartige Briefe wurden in früheren und späteren Jahrhunderten geschrieben, oft unter viel weniger aussichtsreichen Verhältnissen; man teilte einander die scheinbar sichtbar gewordenen Zeichen der Erlösung mit, um sich vor Verzweiflung und Abfall zu schützen. Man vergleiche die im Kobez al jad Bd. IV (Mekize Nirdamim) veröffentlichten Briefe (auf die durch die Schrift von G. Scholem, המקובל ר׳ אברהם בן אליעזר ד,לוי Jerusalem 1925, Sonderabzug aus קרית ספר, neues Licht fällt), die am Anfang des 16. Jahrhunderts in einer sehr ähnlichen Situation von Jerusalem aus verschickt wurden. Das Besondere an unserem Brief ist nur die (fromme) Fälschung auf einen berühmten Namen. (Inhaltlich sind andere Briefe dieser Art viel leichtgläubiger.) Aber später gab es keine Autorität vom Range des Maimonides, wahrscheinlich auch keine, die den Prophezeiungen gegenüber so zurückhaltend war, daß es einer Fälschung bedurft hätte. 2 Der nach Ispahan entsandte Bote des Moses b. Maimon ist nach dem Brief dessen Bruder David; dieser ist nach Angabe des Biographen (S. 179) schon 1179 gestorben. (In Wirklichkeit ist auch dieses Datum zu spät.) Daneben steht freilich eine Notiz des Biographen, nach der es aussieht, als ob David noch 1189 gelebt hätte (S. 178). — Andererseits weiß der Verfasser des Briefes offenbar richtig, daß Saladin 1187 in Syrien weilte, und läßt den K a t i b in seinem Namen mit Maimonides verhandeln; nach dem Biographen residiert der Herrscher 1189 in Kairo, was nicht richtig ist. — Absolut Riehtiges darf man weder vom Verfasser des Briefes noch von den biographischen Notizen verlangen. Aber in dem Brief haben wir bewußte, in sich geschlossene Fälschung, in der Biographie konfuse, leichtgläubige Wiedergabe verbreiteter Legenden. (Die Sage von dem Aufenthalt des Maimonides in der Höhle findet sich nicht in dem Brief.)

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