Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 156 (sequence 2)
- Language
- German
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156 damit sie den Rest der Leidenszeit geduldiger ertrügen. Auf die Kunde von all diesen Vorgängen hat ihm Moses b. Maimon durch einen Boten, seinen Bruder David, 18 talmudische Fragen zur Beaxitwortung vorgelegt, 15 hat er gelöst. Das ist der untrügliche Beweis der Eigenart seiner Sendung. Er hat aber erklärt, noch drei Jahre verborgen bleiben zu wollen; am 14. Marcheschwan wird er sich offenbaren. In demselben angeblichen Brief des Moses b. Maimon wird des weiteren über die Verfolgungen berichtet, welche die Juden im Jemen trafen. Zwei Jahre lang hatte der König von Aden gedroht, die Juden seines Landes zum Abfall von ihrem Glauben zu zwingen, und nur durch hohe Geldsummen war es gelungen, das Verhängnis abzuwenden. Im dritten Jahre tötete der König viele Juden und führte die übrigen, soweit sie nicht entflohen waren, gewaltsam dem Islam zu; die Synagogen und Lehrhäuser ließ er zerstören. Der Führer der jemenitischen Juden, ein gewisser R. Menachem, entfloh in ein benachbartes Land. Aber 15—18 Monate später hörte der König vom bevorstehenden Auftreten des Messias; er bereute seine Tat, rief R. Menachem zurück, gab den Juden Geld und ließ ihre Synagogen wieder aufbauen. Die Juden sandten darauf R. Menachem nach Ispahan, um sich über die von dort ausgehenden Gerüchte Aufklärung zu holen, sie erhielten die Nachricht, daß die Heilsbotschaft tatsächlich der Wahrheit entspreche. Kurze Zeit nach dem Eintreffen dieser Botschaften, so schließt׳ der Brief, kam der Katib des Königs zu ihm, dem Moses b. Maimon, mit dem Befehl des Königs, ihm Geld aus dem königlichen Schatz zu schicken, denn der König bereite sich zum Kriege vor. ,,Der König läßt euch sagen — fügte der Katib hinzu, indem er aufstand und mit erhobener Stimme sprach -—: Wisset, diese Unbeschnittenen, die aus fernen Ländern kommen, die Könige des Ostens und Westens, die kommen, um mit mir um Jerusalem und den Tempel zu kämpfen, über sie hat Gott den Geist der Verwirrung gebracht, damit sie durch mein Schwert, durch Hunger und Pest sterben, und auch mir ist es nicht beschieden, über das Reich Gottes zu herrschen, denn ich weiß, daß der König der Juden jetzt kommen und die Länder von meiner und ihrer Hand nehmen wird. Aber das ist mein guter Stern, daß der König der Juden es (das Reich) in Ruhe, ohne Kampf von meiner Hand nehmen wird; vielleicht finde ich Gunst in seinen Augen/‘ Der Kaufmann aus Toledo, dem wir die Kenntnis dieses Briefes verdanken, erklärt, den eigenhändigen Brief des Maimonides gelesen und ihn aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzt zu haben; wie er sagt, zeigte er ihn später dem R. Leon in Rom — übrigens einem bekannten, weit über seine Heimat hinaus angesehenen Gelehrten1 —, und dieser freute sich sehr damit. Der Wunsch, den Weisen von Kairo kennen zu lernen, trieb den Toledaner nach Aegypten. Er fand den Gesuchten in einer Höhle, wo er sich hatte vor seinen Feinden verbergen müssen. Erst nach Ablauf der drei Jahre, die der Vorbote des Messias als Frist für seine weitere Wirksamkeit angekündigt hatte, wurde er wieder an den Hof berufen 1 Vogelstein u. Rieger, Geschichte der Juden in Rom I, 227 und 372.