Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zu S. Dubnows Geschichtswerk
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2829132-2829935-2829939-2833248--46840-2833282- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
154 wenn man mit dieser neuen Einteilung ernst machen will, stößt man auf die größten Schwierigkeiten, denn die jüdische Geschichte verläuft nicht so, daß sie sich auf ganz einfache Formeln bringen läßt. In den vorliegenden zwei Bänden haben wir es mit einer Verhältnismäßig einfachen Periode zu tun, wo . die Wohnsitze der Juden sich auf wenige große Reiche beschränken. Schreitet man aber weiter fort, so wird die Einteilung immer schwieriger und die unterscheidende Bezeichnung dunkler. Es wird immerhin noch geraume Zeit erforderlich sein, bis der Leser der Geschichte sich unter ,,der Epoche der zwei Hegemonien“ sich wird ebensoviel denken können wie bisher unter talmudischer und geonäischer Epoche. Volle Zustimmung verdient der Verfasser mit seinen Ausführungen über die Unterbringung und die Abgrenzung des Stoffes. ,,In der Dar- Stellung selbst sind nach Möglichkeit überall die äußeren politischen Erscheinungen von den inneren gesellschaftlichen einerseits und den literaturgeschichtlichen andererseits voneinander zu sondern. Innerhalb eines Kapitels, das irgendein einzelnes Diasporazentrum behandelt, ist der Stoff gewöhnlich in folgender Weise geordnet: die politischen Verhältnisse, die Selbstverwaltung in den jüdischen Gemeinden, geistiges Leben und Literatur. Die Literaturgeschichte geht uns in der ,,Geschichte des jüdischen Volkes“ nur soweit an, als die eine oder die andere literarische Erscheinung auf die gesellschaftliche Dynamik Einfluß gewann oder selbst Ergebnis gesellschaftlicher Bewegungen war. Für uns kommen weniger die einzelnen literarischen Werke in Betracht als vielmehr die literarischen S t r ömungen, die für die Gesamteinstellung des nationalen Geistes bezeichnend sind. Eine Literaturgeschichte im engsten Sinne des Wortes geht hingegen über den Rahmen dieses Werkes hinaus“ (I, S. XXVIII f.). Unter politischen Verhältnissen sind, um einem früher gegen den Verfasser erhobenen Vorwurf vorzubeugen, auch die wirtschaftlichen und sozialen im weiteren Sinne verstanden. Der Verfasser hat die Geschichte ursprünglich in russischer Sprache geschrieben. Die Uebersetzung von A. Steinberg verdient volle Anerkennung, wenngleich sie nicht immer frei ist von seltsamen Wortbildungen und Redewendungen. Hingegen muß auf die auffallende Tatsache hingewiesen werden, daß bei Anführung von Bibelstellen stets die Uebersetzung des Alten Testaments von Kautzsch benutzt worden ist, obwohl sie weder wissenschaftlich und stilistisch einwandfrei noch aller judenfeindlichen Tendenzen bar ist. Auch in der Transkription hebräischer Worte versagen die vorliegenden Bände meistens, hier müßte bei einem Neudruck eine sehr sorgfältige Durchsicht vorgenommen werden. Nachschrift^ Die vorstehende Anzeige war bereits geschrieben, als ich Band 3 des Geschichtswerkes erhielt, der die ״Orientalische Periode“ abschließt und die Zeit ״vom Untergange Judäas bis zum Verfall der autonomen Zentren im Morgenlande“, d. h. ein volles Jahrtausend von 73 bis 1090 umfaßt. Schon hier ist die Schwierigkeit der neuen Stoffverteilung deutlich zu erkennen, daß die Geschichte der Juden im Abendlande während des ersten christlichen Jahrtausends vollständig ausgeschieden werden muß, obwohl sie in der