Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zu S. Dubnows Geschichtswerk
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 8)
- Language
- German
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152 In der (Note 2, S. 572, zum Beleg herangezogenen) Zeit der Salome Alexandra hatten die Pharisäer gar nichts dagegen einzuwenden, daß die Königin Söldner warb (Jos. Ant. XIII, 16, 2) und, wenn Aristobul zu den Sadduzäern überging, so tat er nur, was alle unbefriedigten Kronprinzen in der Geschichte getan haben, daß er bei der Opposition Zuflucht suchte. So wenig des Verfassers These bewiesen istjund sich beweisen läßt — die scharfe Trennung zwischen dem politischen und dem kulturellen Kampf (§ 35), der Hinweis auf die verschiedene Aus- Wirkung des Parteistreits in verschiedenen Zeiten wird doch anregend wirken. Einstweilen ist das Rätsel der Parteibildung, des Hervortretens des schroffen Gegensatzes zu einer bestimmten Zeit noch nicht gelöst. Soviel ist klar, daß alle alten Quellen einseitig nur einzelne Ausschnitte aus dem Leben berücksichtigen, daß es hingegen für das volle Verständnis des Schismas notwendig ist, die soziale Gruppierung und die damit zusammenhängende politische Einstellung der Parteien, ihre religiösen Grundsätze und die daraus gezogenen Schlußfolgerungen fürs Leben in Betracht zu ziehen und endlich —־ was bisher gar zu sehr vernachlässigt wurde — zu berücksichtigen, daß politische und religiöse Anschauungen und die darauf gegründete Verschiedenheit der Partei sich im Laufe von mehreren Jahrhunderten wiederholt ändern. Durch die Betonung dieser Momente hat Dubnow sich ein Verdienst erworben. Auch die Entstehung des Christentums und sein Bruch mit dem Judentum werden in der Hauptsache auf den Gegensatz zwischen nationaler und individueller Religiosität zurückgeführt. ,,In der Entwicklung des ursprünglichen Christentums sind drei verschiedene Phasen zu unterscheiden: 1. die Phase der Vorbereitung und des persönlichen Asketismus; 2. die Phase der Offenbarung und des inneren Bruches mit dem nationalen Judaismus; 3. die Phase der Propaganda und der formellen Lossagung vom nationalen Judentum“ (S. 526). Die markantesten Aussprüche der Bergpredigt sollen national-politischen Inhalt haben und ,,gegen die jüdischen Patrioten jener Zeit oder die Zeloten, die Befürworter des aktiven Widerstandes gegen Rom“ gerichtet sein (S. 580). ,,Mitten in den Brand der politischen Leidenschaften schleuderte Jesus seine schroffen Worte: ,,Folget nicht dem Gesetze der Vergeltung — Auge um Auge, Uebel um Uebel“. ,,Widerstrebe nicht dem, der dir Uebles zufügt“ war das Losungswort des politischen Quietismus. In der Plitze des Streites trieb Jesus seinen Gedanken auf die Spitze und rief aus: ,,So dir jemand einen Streich gibt auf deine rechte Backe, so biete ihm die linke auch dar“. Den zornsprühenden Patrioten rief er zu: ,,Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen usw. Denn Gott ist voll Liebe für die Leidenden, für die sowohl im politischen wie im sozialen Leben Bedrückten. . . . Den Kampf um die Freiheit hielt er nicht nur für aussichtslos, sondern auch für unnütz; diese Auffassung bedeutete eine völlige Ablehnung sowohl des aktiven wie des passiven Widerstandes, die Predigt eines politischen Indifferentismus“ (S. 53 7 f.). ״Die Spitze der neuen Lehre war jedoch vornehmlich gegen die Pharisäer gerichtet. Das pharisäische Prinzip der nationalen Religion, die Anpassung des ganzen Kultussystems an das Ziel der ״Um-