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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. Seite 151

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
Zu S. Dubnows Geschichtswerk
Date
1926-01-01
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 ,,in der eigenartigen Volkskultur nie verankert“ dastehen. Und doch war das die Gruppe, die der nationalen Dynastie nahestand, von ihr als die alleinige Stütze von Thron und Altar anerkannt wurde! Und die Partei der Priester, ,,des offiziellen Klerus“ (S. 310), wird nun als eine Gruppe von Freigeistern1 hingestellt; diejenigen, die sich mit der Befolgung der Thora im wörtlichen Sinne abmühten, sollen sich dagegen ausgesprochen haben, das Leben durch die Religion zu reglementieren! Darüber darf man sich ja doch keiner Täuschung hingeben, daß die Sadduzäer an der Ueberlieferung mit außerordentlicher Zähigkeit festhielten, und daß das Gesetz trotz aller späteren Umzäunungen durch die pharisäische Auslegung aufgelockert wurde, während die wörtliche Befolgung in allen Gebieten zu derselben Strenge und Starrheit führte, die im Rechtsleben für die Sadduzäer ausdrücklich überliefert ist. Im Gegensatz zu dieser Riehtung waren die Pharisäer, ,,die unmittelbaren Nachfolger der Chassidäer und Soferim“, ,,bestrebt, Judäa aus der Menge der es umgebenden Staaten herauszuheben und hier eine geistige Republik zu begründen, wo das Recht mit der Moral, mit dem göttlichen Gesetz Hand in Hand gehen, wo die religiösen, die sittlichen Heldentaten, nicht aber militärische oder politische Erfolge am höchsten bewertet werden sollten. . . . Im Judaismus als einer religiös-sittlichen und nationalen Weltanschauung erblickten sie jene schöpferische Kraft, von der alle Gebiete des Volkslebens durchdrungen werden sollten. Sie schätzten allerdings die politische Unabhängigkeit Judäas. Jedoch nur als eine zur Erhaltung des Kerns, der kulturellen Eigenart der Nation unentbehrliche Umhüllung. An der Spitze der Pharisäerpartei standen Männer, die sich durch edle, geistige Gaben, durch Schriftgelehrsamkeit, frommen Lebenswandel und sittlichen Rigorismus auszeichneten (S. 146). ,,Für die Pharisäer gingen die Interessen der Nation denjenigen des Staates voran“ — eine prachtvolle Formulierung, nur ist es sehr unwahrscheinlich, daß die alten Pharisäer sie verstanden hätten. So staats- und machtfremd, wie es nach der obigen Schilderung scheint, waren die Pharisäer denn doch nicht. Sie haben in den verschiedenen Kämpfen mit Hasmonäern und Herodianern ihren Mann gestanden und nicht nur passiven Widerstand geleistet, sondern direkt nach der Macht gestrebt. 1 S. 310 heißt es: ,,So hat sich denn auch in der Erinnerung der Nachweit die Wortverbindung ,,Sadduzäer und Boethosäer“ zur Kennzeichnung des Freidenkertums und der Assimilation erhalten können“. Von Assimilation ist nirgends die Rede, das Freidenkertum stammt aus der späteren Gleichsetzung von Sadduzäern und Karäern. Das ist nun ein Problem, auf das hätte eingegangen werden müssen. S. 478 wird von Verschmelzung ,,gewisser Elemente der Sadduzäerpartei mit den Samaritanern“ gesprochen, aber nur auf Grund des Ausdrucks ,,Kuthi“, der bekanntlich ein Produkt der kirchlichen Zensur ist; die Verwandtschaft der drei Gruppen in Riten wird nicht erörtert. Ueberhaupt leidet gerade dieser Abschnitt mitunter unter einem bedenklichen Mangel an Kritik. S. 571 wird ,,die talmudische Legende“ gerechtfertigt, die dem König Jannäus Schuld an dem Zerwürfnis mit den Pharisäern gibt — aber wir wissen aus Ber. 29 a, daß der Talmud Joh. Hyrkan und Alexander Jannai nicht, gut zu unterscheiden wußte. Ebensowenig wird beachtet, daß Sanh. 19a der Prozeß des Herodes (Jos. Ant. XIV, 94) gemeint und irrtümlich ,,Jannai“ genannt ist; die Geschichte hat mit Simcm b, Schetach (II, 197) nichts zu tun.

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