Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zu S. Dubnows Geschichtswerk
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
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149 religiösen Anreger der Erhebung“. — Aehnlich widerspruchsvoll sind die Bemerkungen zur griechischen Bibelübersetzung, der Septuaginta. Die alexandrinischen Juden, heißt es, glaubten ,,in ihr den Anfang zum Triumph des Judaismus zu sehen“, während ,,die Juden in Palästina, wenigstens was die spätere Zeit betrifft, der Ueben- Setzung gegenüber durchaus ablehnend sich verhielten, indem sie darin gleichsam eine Entweihung des Heiligtums erblickten“ (II, 114f.) Daraus wird dann folgender Schluß gezogen: ,,In der Urheimat der Bibel machte sich das feindselige Verhalten der national denkenden Judäer ihren assimilierten Stammesgenossen gegenüber geltend, die ein Bedürfnis nach einer ,,griechischen Thora“ empfanden und sich erkühnten, das Heilige Buch . . . dem gemeinen Verstände preiszugeben.“ — Wann war das der Fall und welches Zeugnis besitzen wir darüber? — ,,Dagegen hatte die Diaspora allen Grund, sich über das Volkstümlichwerden des nationalen Schrifttums in den breiten Massen des zerstreuten Judentums wie auch unter den anderen Völkern zu freuen; hier urteilte man klug genug: wenn das kostbare, geistige Nahrung bergende Gefäß vom Leben selbst zerschlagen werde, bleibe nichts anderes übrig, als seinen Inhalt, und sei es auch in anderer Fassung, vor dem Untergange zu bewahren“ — demnach wäre die Tatsache der Uebersetzung zu billigen gewesen. — Von dem Kampf um die Aufstellung der Bildsäule Caligulas im Tempel zu J erusalern heißt es abschließend (II, 399): ,,Die Nation feierte den Sieg der geistigen Freiheit über die rohe Gewalt. Dies war der Triumph der einzigen Nation, die für ihre Idee und ihre Ueberzeugungen zu einer Zeit kämpfte, als alle anderen Nationen des römischen Reiches sich sklavisch vor dem Götzenbild eines Irrsinnigen beugten“. Der Unterschied lag eben darin, daß die Juden für eine Idee kämpften, die ganz andere Macht über den Menschen hatte, nicht für ,,das geistige Prinzip des Monotheismus“, wie es S. 389 heißt1, sondern für das religiöse. Im § 95 wird die Hinneigung zahlreicher heidnischer Kreise zur jüdischen Religion besprochen. Zur Erklärung dieser auffälligen Tatsache heißt es: ,,Vieles an der jüdischen nationalen Kultur war der griechisch-römischen Gesellschaft gewiß fremd“ und doch muß zwei Seiten später (S. 496) gesagt werden: ,,Die Folge von alledem war eine weite Ausbreitung jüdischer religiöser Ansichten und Bräuche unter den heidnischen Massen.“ So wird zum Schaden der Klarheit und Bestimmtheit der Ausdruck ,,jüdische Religion“ nach Möglichkeit vermieden und durch die dehnbaren Begriffe ,,Judaismus“ und ,,jüdisch-nationale Kultur“ ersetzt. Als Schulbeispiel dafür, welchen Fortschritt die neue Geschichtsbetrachtung bietet, erwähnt der Verfasser (I, S. XVII) die Spaltung der Pharisäer und der Sadduzäer, ,,den bedeutsamsten nationalen Streit — den Streit über den nationalen Typus selbst, d. i. darüber, ob das Judentum eine weltliche oder geistige Nation, ein Durchschnitts- oder ein eigenartiges Glied der internationalen Familie sein soll“. Es ist zunächst wieder stark übertrieben, von 1 S. 496 heißt es ganz einfach: die Kraft, sein Leben für seine religiöse Ueberzeugung hinzugeben, die namentlich in der Abweisung des ,,Cäsaren' kultus“ unter Caligula zutage getreten war.