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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 3 · p. Seite 147

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 3
Article
Zu S. Dubnows Geschichtswerk
Date
1926-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 Einzelheiten hinein, zu entscheiden sind“ (Bd. 1, 468 f.). Das ist eine mehr gefühlsmäßige als sachliche Stellungnahme, eine nähere Begründung wird für sie kaum gegeben; denn daß der Elohist und der Jahveist (so schreibt der Verfasser regelmäßig) als Ephraemit und Judäer auseinander zu halten sind, haben die Kritiker auch bisher angenommen. Der gelegentliche Tadel Wellhausens verliert dadurch seine Berechtigung, daß Wellhausen die unerwarteten Ergebnisse der Ausgrabungen im alten Orient nicht gekannt hat und daher von heute nicht mehr zutreffenden Voraussetzungen ausgegangen ist. Dubnow besitzt den für den Historiker erforderlichen Wirklichkeitssinn. Als Voraussetzung für eine sachentsprechende Auffassung der Geschichte des jüdischen Volkes fordert er Beseitigung aller theologischen, dogmatischen und scholastischen Begriffe, die sich bisher mit dieser Geschichte verknüpft haben (Bd. 1, S. XIV). Diese Ausdrucksweise freilich erinnert ein wenig an Voltaire, und das Werk hat in der Tat viel von der Aufklärungsliteratur in sich; es wird dem Leser nicht allzu selten klar gemacht, daß es einen ״Kulturkampf“ zu führen bestrebt ist. Mit der Geschichtsschreibung der Aufklärung teilt es die Abneigung gegen die Anerkennung metaphysischer Kräfte im Weltgeschehen und entbehrt daher auch des Verständnisses für die Wirksamkeit religiöser Kräfte im Judentum, damit aber für besonders wertvolle und geschichtlich ungemein stark fortwirkende Erscheinungen der ältesten Geschichte. Man lese z. B. das Kapitel über die Entwicklung des Prophetismus: das Dämonische, das Extatische in den Propheten, das in ihrem Innern zehrende Feuer, dem sie sich nicht entziehen können, kommt nirgends recht zumAusdruck. Von Elia und Elisa heißt es 1,227: ,,Diese beiden Propheten des nördlichen Reiches hatten eine bestimmte Aufgabe auf sich genommen, von der ein jeder einen Teil zur Ausführung brachte. Elias kämpfte mit aufopfernder Hingabe gegen den Synkretismus im religiösen Kultus und gegen den Despotismus des Königs Ahab; Elischa agitierte gegen die antinationale Dynastie der Omriden, und es gelang ihm, ihren Sturz herbeizuführen“. Wenn das alles gewesen wäre, was die Zeitgenossen von diesen Männern erfahren hätten, dann wäre ihr Tun kaum überliefert und ihre Lebensgeschichte sicher nicht von Volkssagen umwoben worden. Ebenso erfährt man von Arnos nur, daß ,,ein urwüchsiger Denkergeist in ihm lebendig war“ (I, 189), aber nicht, was es für ihn bedeutete, ,,daß Gottes Geist aus seinem Munde redete“ (I, 190). Ebensowenig erfährt man etwas von dem kühnen Glauben eines Jesaia und der Bedeutung, welche der Begriff ״der Heilige Israels“ für ihn hatte. Diese Scheu vor dem Begriff Religion und dem Religiösen ist vielfach in der Darstellung leitend, sie führt zu dem verhängnisvollsten Irrtum in der Grundeinstellung des Buches. Der Verfasser hat das vollständig und allein berechtigte Bestreben, die jüdische Geschichte auf soziologischer Betrachtungsweise aufzubauen, verknüpft aber diese richtige Anschauung mit einer stark übertriebenen Schätzung des Nationalen. ״Dieser Auffassung liegt jener aus der Gesamtheit der Tatsachen unserer Geschichte folgende Gedanke zu Grunde, daß das jüdische Volk in allen Zeiten und in allen Ländern, immer und überall, ein Subjekt, ein Schöpfer seiner Geschichte, nicht nur auf 10*

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