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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 128

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Textkritische Bemerkungen
Date
1926-01-01
Page
Seite 128 (sequence 6)
Language
German
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128 daß Satanow, Fürstenthal und all den anderen die von Raschi (zu Gen 259) zitierte und durch ihn in die weitesten Kreise gedrungene Talmudstelle (Baba Batra 16b), nach der Ismael noch bei Lebzeiten Abrahams Buße getan hat, unbekannt geblieben ist? Der Despot, der auf seine Beute lauert, ist selbstverständlich unser Bruder E s a u — die Anspielung auf Gen 2528 ist in צודה בצידיו kaum zu verkennen — der Mann aber der seine Auflehnung bereute — ואיש נוחם על מר־דיו — kein anderer als unser Oheim Ismael. Der heuchlerische Jäger, der mit listiger Schmeichelrede den blinden Vater umgarnte, er genieße die Frucht seiner Taten; sein würdiger Schwiegervater — Feuerzunge verzehre seine Nachkommen1; verbrennen mögen beide, Edom und Ismael miteinander, wie Unrat verbrennt. Nicht ohne Absicht läßt der Dichter den unbußfertigen Esau selbst die Strafe in der Unterwelt erdulden, während er beim reumütigen Ismael nur die Nachkommen verwünscht, die unserm Volke nicht viel weniger Leid als Rom gebracht haben. 16. םלח:נא אשמות Die erste סליד־וה im Abendgebet des Versöhnungstages beginnt mit den Worten: סלח נא אשמות ופשעי לאמך. Die Gebetbücher schwanken zwischen אשמ1ת und אשמות. Da sich in der Bibel kein Beispiel für zwei im st. constr. mit 1 verbundene Wörter findet, kann es zweifelhaft sein, ob in solchem Falle bei beiden oder nur beim zweiten Worte die Verkürzung eintritt. In klassischem Hebräisch müßte es heißen: סלח נא אעומות לאמך ופשעיהם. Es steht aber nun einmal אשמות ופשעי לאמך da, und diese Wortfolge ist durch den im ganzen Gedichte festgehaltenen und virtuos durchgeführten Reim bedingt, also unabänderlich. Die meisten Ausgaben, auch die neuesten und zuverlässigsten, haben sich für אשמ1ת entschieden; Einige aber geben אשמ1ת den Vorzug. Mit Recht. Die angefochtene Wortstellung hat schon vor vielen hundert Jahren Bürgerrecht im Neuhebräischen erlangt, und man sagt seither z. B. statt ראשי חדור ומנהיגיו gewöhnlich und anstandslos ראשי ומנהיגי הדור, aber nicht ראשים ומנהיגי הדור. Demnach sollte man, wenn ein Feiertag auf Sabbat fällt, sowohl in der T’filla als im Kiddusch שבת ומועדי קדשך sagen, da sich קדשך unstreitig auch auf שבת bezieht. Die Gebetbücher lesen indessen bis auf sehr wenige Ausnahmen samt und sonders שבת ומועדי קדשך. Das in Rede stehende Bußgebet ist so angelegt, daß in der ersten Vershälfte jeder Strophe auf פלח נא in alphabetischer Reihenfolge irgend ein Ausdruck für Sünde oder Verirrung folgt, in der zweiten auf לעוץ eine wechselnde Bezeichnung des Volkes Israel. Eine Ausnähme bilden hinsichtlich der ersten Vershälfte פלח נא הכל מודים ועוזבים כרשומך (Z. 5) und פלח נא פן יענשו ממרומך (Z. 17), infBezug 1 כדים (eigentlich Zweige, Sproßjlinge) wird in den Piutim häufig im Sinne von Nachkommen gebraucht. So schon von Kalir לבדיה תעכד כיום זכירה (im Anfänge der K’robot für das Morgengebet des ersten Neujahrstages) für ihre Kinder trete sie ein am Tage des Gedenkens.

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