Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Textkritische Bemerkungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829935-2829938-2833131--46796-2833220- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
127 Solche Anknüpfung müßte doch aber mit einem Worte wenigstens (etwa צו מלאכיך) angedeutet sein. Und wenn sich der Schach auf den Wortlaut in Halachot Gedolot beruft (אל חי יהי חלקנו להציל ידידות שארבו משחת למק בריתו אשר שם בבשרנו), so scheint mir dieser eher gegen ihn als für ihn zu sprechen. Gewiß ist es in dieser Form ein Bittgebet. Indessen steht dort יהי in Ueberein- Stimmung mit בריתו und שם in der dritten Person, und von irgend einem Befehle, den Gott erteilen soll, ist keine Rede. In der Fassung dagegen, in der wir das Gebet sprechen, kann צוה nur Perfektum, keineswegs Imperativ sein. Es ist kein Bittgebet, sondern ein Dankgebet an den ,,lebendigen Gott, unsern Anteil, unsern Hort“, daß er mit unserm Ahn den Bund geschlossen, dessen heiliges Zeichen er den Nachkommen Abrahams aufgesiegelt, ,,wofür er zum Lohne befohlen hat, unsere Lieblinge um seines Bundes willen vor Untergang zu bewahren“. 15.נוחם על מרדיו Der mit באשמורת הבקר beginnende Pismon (nach norddeutschem Minhag in den פליחות des vierten Tages, nach süddeutschem in denen des 5. oder 6. Tischri) enthält in seiner 4. Strophe eine Stelle, die schon manches Kopfschütteln verursacht hat. Der Dichter betet: קומם ארון ובדיו, והלבש אהרן מדיג ורודה וצורה בצידיו, יאכל פרי מעבדיו ואיש נוחם על מרדיו, לשון אש תאכל בדיו, ובערו שניהם יחדו, כאשר יבער הגלל. Wie ich dem Kommentar von R. Fürstenthal (מסיב שפה, Krotoschin 1839, S. 65) entnehme, hat Satanow sich über den Autor entrüstet, daß er einen Mann, der seine Sünden bereut, mit einem so entsetzliehen Fluche belegt. Andere Herausgeber von minder galligem Humor haben ihrer Mißbilligung den leisesten und mildesten Ausdruck gegeben, indem sie נוחם in das naheliegende מהם verbesserten(?), damit der Fluch nicht mehr den Bußfertigen, sondern den Tyrannen treffe, von dem vorher die Rede ist. Fürstenthal, der נוחם beibehalten hat, müht sich rechtschaffen, dem Dichter gerecht zu werden, ist aber im Eifer der Verteidigung leider auf einen völlig ungangbaren Holzweg geraten. Er bezieht in seinem hebr. Kommentar רודה וצודה בצידיו auf den Feind, der die Kohanim der 24 Abgaben beraubt, die ihnen die Tora zugesichert. Ihm mögen die Früchte seiner Missetaten zuteil werden. Dem Reumütigen aber gelte die Buße als Räucherwerk (בדיו soll nach Ex 3034 das Räucherwerk bezeichnen), verzehrt vom Feuer des heiligen Altars, und beide (die Sünde und das Räucherwerk) sollen dahinschwinden, wie der Zahn des Tieres das Futter vertilgt (הגלל der Zahn, nach Baba Kamma 2b unten). Demgemäß übersetzt er: ,,Stelle her die Bundeslade und Aharon im Priesterornat, auf daß der grausame Jäger seiner Taten Früchte genieße; des Priesters Räucherwerk werde samt den Sünden des reuevollen Menschen von deiner himmlischen Flamme verzehrt, *wie der Zahn die Speise vernichtet“. Aehnlich, nur noch schlechter und freier — d. h. willkürlicher — lautet die neue Uebersetzung in einer spätem Ausgabe (Krotoschin 1878): ,,Der Bedrücker möge seiner Taten Frucht genießen, doch vergib denen, die ihre Sünden ernstlich bereuen“. Ist es zu glauben ,