Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Textkritische Bemerkungen
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 7)
- Language
- German
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129 auf die zweite לעוץ ופשע מחל (z. 6) und לעון חטאימו חטא (z. 8). Daß הכל in Z. 5 nicht richtig sein kann, erkennt man auf den ersten Blick; Es paßt zu מודים ועוזבים weder als Subjekt noch als Objekt. ,,Verzeihe allen, die bekennen“ heißt nicht הכל מודים, sondern כל המודים; ,,Verzeihe denen, die alles bekennen“ ist geschmacklos. Und war der Verfasser um ein ה in Verlegenheit, so hätte er ja סלח נא המודים ועווכים schreiben können. Dazu kommt, daß סלח mit ל konstruiert wird, gleichviel ob die Verzeihung der Person oder der Sache gilt. Man sagt סלח לי und sagt ebenso סלח לעוני. Die dichterische Freiheit gestattet wohl, das ל vor der zu verzeihenden Sünde wegzulassen, aber sie geht nicht so weit, auch die Person, der Vergebung zuteil werden soll, in den Akkusativ zu setzen1. Es ist sicher, daß der Verfasser nicht הכל, sondern הבל geschrieben hat: ,,Verzeih die Torheit derer, die bekennen und sich bessern gemäß deiner Vorschrift“. Ich fand diese Berichtigung vor Jahren in einer alten, wenn ich nicht irre, russischen Ausgabe der Festgebete und muß mich wundern, daß sie bisher so wenig Beachtung gefunden hat. — In Z. 17, die mir in Vergleich mit den anderen Zeilen etwas zu kurz geraten scheint, ist vermutlich hinter סלח נא ein mit פ beginnendes Wort ausgefallen, was darum nicht bemerkt wurde, weil ja auch פן mit diesem Buchstaben anfängt. Der Vers dürfte ursprünglich סלח נא פשעם פן יענשו ממרומך'gelautet haben. Was schließlich die beiden ^Ausnahmen der zweiten Vershälfte betrifft, so ist die erste, לעוץ ופשע מחל (Z. 6) unter dem Zwange des Akrostichons entstanden. Es fand sich kein mit ו beginnender Ersatz für den Namen Israel. ועודיך war dem Verfasser entweder nicht geläufig oder nicht angemessen. Ob wir der Gleichmäßigkeit wegen (משום לא פלוג) auch hier לעוץ statt des einzig richtigen pÜb lesen müssen, möchte ich bezweifeln2. In der Aussprache des Verfassers war der Unterschied nicht so hörbar wie in der unsern. Er hat hier wahrscheinlich ausnahmsweise לעץ im Sinne gehabt, wie er in Z. 8 vermutlich nicht חפאימו, wie unsere Ausgaben lesen, sondern חמאימו gemeint hat, so daß auch in dieser Strophe wie durchweg im ganzen Bußgebete (bis auf Z. 6) auf לפון eine Be- Zeichnung der um Vergebung Bittenden folgt. ,,Tilge die Missetaten ihrer Sünden“ klingt ohnehin nicht gut — viel besser: ,,Tilge die Missetaten ihrer Sünder“. (Schluß folgt.) 1 Ich lese daher in der mit אמנם כן beginnenden סליחה (der zweiten dieses Abends nach norddeutschem Ritus) das letzte Wort des 9. Verses (טוב וסלח מחל וסלח אשמים) nicht אשמים, sondern אשמים. ® Völlig unverständlich ist mir, daß sämtliche Gebetbücher am Schluß der Hymne מד. נורא מעשיך im Morgengebet des Versöhnungstages שומע ש1ע1ת punktieren, ebenso נשים בשועות und כורעיך השועות in dem Hoscha‘na- Gebete שרעות .אל למושעות klingt zwar ungewohnt; aber der st. constr. hat doch hier schon gar keine Berechtigung mehr, nicht einmal die Entschuldigung des Reimes, des Akrostichons oder auch nur der Gleichmäßigkeit ואם קבלה היא לא נקבל. Monatsschrift, 70. Jahrgang. 9