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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 125

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Textkritische Bemerkungen
Date
1926-01-01
Page
Seite 125 (sequence 3)
Language
German
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125 seiner Erklärung dieses Segensspruches (daselbst) die Worte על כל מה שבראת nicht mit dem Schluß, sondern mit dem Anfang der Benediktion in Zusammenhang bringt. Nach ihm wäre zu übersetzen: Gepriesen seist du . . . Schöpfer zahlreicher Lebewesen und ihrer Bedürfnisse, für alles, was du erschaffen, alles Lebende damit zu erhalten. Wenn es gestattet wäre, eine Vermutung auszusprechen, die durch nichts als eine gewisse innere Wahrscheinlichkeit begründet ist, möchte ich annehmen, daß der allgemeine Segensspruch — ähnlich dem speziellen über Mehlspeisen, Obst und Wein (,על הגפן על העץ, על המחיה) — ursprünglich gelautet habe: בא״י אמ״ה על כל מה שבראת להחיות בהם נפש כל חי und daher als ברכה קצרה einer Schlußbenediktion entbehrte.בורא נפשות רבות וחסרונן war —wiederum in Uebereinstimmung mit den speziellen Segenssprüchen (בורא פרי הגפן, בורא פרי העץ, בורא מיני מזונות) — die allgemeine, dem Genüsse vorangehende Benediktion (Mischna, BTachot VI Ende). Erst nachdem sie durch das noch umfassendere שהכל נהיה בדברו verdrängt wurde, fand sie Aufnahme in den auf den Genuß folgenden Segensspruch, wodurch dieser zur ברכה ארוכה wurde und als solche die im Jeruschalmi angegebene Schlußformel erforderte, die von R. Ascher,, vermutlich aus diesem Grunde, mit שם ומלכות gesprochen wurde1. להכניסו בבריתו של אברהם אבינו.13 ,,Gepriesen seist du . . . der uns durch seine Gebote geheiligt und uns befohlen hat, ihn in den Bund unseres Vaters Abraham aufzunehmen". Wen aufzunehmen? Natürlich den Neugeborenen. Wen denn sonst? Aber von einem Knaben, auf den sich das Pronomen beziehen könnte, war bisher noch keine Rede. Den besten Schlüssel zur Lösung dieser Schwierigkeit scheint mir Maimunis Entscheidung (Hil. Mila III 1) zu bieten, nach welcher die vor der Beschneidung zu sprechende Benediktion mit למול את הבן schließt, wenn der eigene Vater sie vollzieht, mit על המילה, wenn ein anderer sie ausführt. Diese Unterscheidung findet, obgleich weder die Baraita in Schabbat 137b noch die Tosefta in B'rachot VI eine andere Formel als על המילה kennen, ihre Stütze im bab. Talmud (P'sahim 7 b). Es hat also neben על המילה auch die Wendung למול את הבן gegeben, und man kann nun, einen Schritt weiter gehend, aus dem Fürwort in להכניסו den Schluß ziehen, daß diese in älterer Zeit die alleinherrschende war und על המילה erst später Gleichberechtigung erlangte, um dann in den Tagen der Mischnalehrer allmählich den Vorrang einzunehmen und ihn schließlich zu behaupten. Für uns sehe ich, da למול את הבן nun völlig verdrängt ist, nur zwei Wege, der in להכניסו liegenden Schwierigkeit zu entgehen. Entweder wir schließen den ersten Segensspruch mit 1 In ähnlicher Weise setzt sich unser מודים דרבנן aus verschiedenen ur־ sprünglich selbständigen, später aneinander gereihten Bestandteilen zusammen (Sota 40a). Ein lehrreiches Beispiel der Erweiterung eines ursprünglieh kurzen ״Segensspruches durch Angliederung eines Zusatzes, der wieder eine neue abschließende Benediktion zur Folge hat, bietet die Mischna P’sahim X 6 und das Dankgebet in B’rachot 59 b.

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