Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 124

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Textkritische Bemerkungen
Date
1926-01-01
Page
Seite 124 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829938-2833131--46793-2833217
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

124 Ende der eben erwähnten Bußtagsgebete der Wunsch: Möge diese Stunde eine Stunde des Erbarmens (שעת לחמים) und eine Zeit des Wohlwollens vor dir sein. Die Gebetbücher schwanken hier zwischen עצת und שעת. Daß man von שעל keinen st. constx. שעת, etwa wie משפדות von משפחה bilden kann, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Darum haben sich auch die Herausgeber, die noch vor wenigen Jahren an שעת keinen Anstoß nahmen, in letzter Zeit zu שעת bekehrt, zu dessen Gunsten man שנת, den st. constr. von שנה anführen könnte. Aber שנה heißt arabisch s a n a t (mit kurzem a der ersten Silbe), שעה dagegen sä(at (mit langem a). Dem entspricht hebr. sch äfa mit festem, auch im st. constr. unverlierbarem ä. Mithin ist שעת לחמים zu lesen wie נןמת לעך (Deut 2326) von ר!מה. Der Stamm שוע dürfte ״verweilen“ und שעה ,,eine Weil e“ bedeuten1. Ob das nomen vom verbum oder umgekehrt dieses von jenem abgeleitet ist, mag dahingestellt bleiben. Die übliche Ausspräche s c h a a s und schaato ist nicht auf שעת und 1שעת zurückzuführen, sondern auf שעת und 1שעת nach der sog. fränkischen Mundart, die sich auch bei uns in einzelnen Wörtern noch erhalten hat, spärlichen Resten aus älterer Zeit, in der die Einflüsse, denen wir das Judendeutsch verdanken, unsere schöne heilige Sprache noch nicht so arg entstellt hatten. Auch dort, wo man nicht aus der Tora, sondern aus der Thauroh liest, lernt man doch Mischnajos und nicht Mischno jaus, sagt man Jad (יל), Chal (חל), Ghasanim (חתנים), Ksaw (כתב), Schtar (שטל), km uprat (0 ,(כלל ופרטs (אות), SofT (פוף), Koi "(0 ,(קולf (צוף), Row (לב), ScWkcha (שכחה), Stam (סתם), Stira (.סרללד), Schtika (nj5'JTW>), Chaticha (חתיכה) U.dgi.m.!2.בורא נפשות רבות ,,Gepriesen seist du... der zahlreiche Lebewesen und ihre Bedürfnisse erschaffen, nebst allem, was er hervorgebracht, um alles Lebende damit zu erhalten“. So oder ähnlich lautet die Ueber- Setzung der allgemeinen, nach dem Genüsse zu sprechenden Benediktion in den meisten der mir vorliegenden Gebetbücher. J. N. Mannheimer zieht וחסלונן zum Nachfolgenden und übersetzt: ,,der so viele Wesen hat geschaffen und für jegliches hat geschaffen seine Bedürfnisse, daß alles Lebende am Leben erhalten werde“. S. R. Hirsch wieder verbindet צל כל סל, שבלאת mit dem Schlußsatz und überträgt demgemäß: ,,Ueber alles, was du geschaffen, damit die Seelen alles Lebenden zu erhalten, sei gesegnet, du Leben aller Zeiten“. Diese Auffassung ist, wie R. Josef Karo zu Tur I 207 bemerkt, nach dem bab. Talmud, der den Schlußsatz nicht kennt, von vornherein ausgeschlossen; sie ist aber auch nach Jeruschalmi, der ihn erwähnt, zum mindesten seltsam und in der ganzen Gebet- Ordnung ohne Beispiel, weshalb ja auch der Verfasser des Tur, obwohl er mit seinem Vater für die Ansicht des Jeruschalmi ein tritt, in 1 שעשע (spielen, sich unterhalten, ergötzen) wird als Palpel von שעע (glätten) erklärt. Wenn שוע, wie ich annehme, verweilen heißt, dürfte die Herleitung aus diesem Verbum wohl näher liegen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.