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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 121

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
Date
1926-01-01
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
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121 Exegese des Daniel-Buches und durch eine astrologische Deutung des GeschichtsVerlaufs, die er von den Arabern übernommen hat. Selber inmitten der beiden aufeinander stoßenden Kulturen stehend, verfolgt er mit größter Aufmerksamkeit die Jahrhunderte währenden Kämpfe zwischen Christentum und Islam auf dem Boden Palästinas* 1. In dem letzten, astrologisch orientierten Kapitel spricht er, nach Behandlung der Konstellationen zur Zeit des ersten Kreuzzuges, — ausdrücklich, bevor er zur Prognose der Zukunft übergeht, — von der Konjunktion der Gestirne, die 30 Jahre nach der Eroberung des heiligen Landes durch die Christen eintreten wird. ,,Dieses Sternbild ist geeignet, schwere Kämpfe und großes Morden im heiligen Lande hervorzurufen . . .,so daß das Land fast den Händen Edoms zu entgehen droht . . . Aber wir haben über Ausgang und Bedeutung dieses Krieges nicht zu urteilen, weil wir damit im Begriff sind, über Zukünftiges zu reden ... In dieser Konjunktion werden die Zeichen der Erlösung anfangen sichtbar zu werden . . /‘2. Abraham b. Chija muß seine Schrift im Jahre 1129 oder wenig vorher verfaßt haben, und man möchte fast glauben, er habe von den folgenschweren Verwicklungen gehört, die sich damals im Orient anbahnten3. Die erste bedeutsame Konjunktion der Zukunft erwartet Abraham für das Jahr 1186 (4946). Sie ist geeignet, ,,Kriege und schwere Ereignisse im Lande Schinear und im Lande Israels zu erneuern . . ., und es wird großer Schmerz in den Ländern der Philister, Edoms und Israels und im ganzen Lande Schinear sein, so lange diese Konstellation andauert; es wird dazwischen keine Ruhe eintreten“4. (Aus dem Danielbuch hatte Abraham bereits das Ueberhandnehmen der christlichen Macht im heiligen Lande für 1188 erschlossen5.) Die mohammedanischen Astrologen, denen der jüdische der Zusammenhang der auserwählten Gemeinde auf körperlicher, nicht allein auf geistiger Gemeinschaft beruhe. (Das ist der Sinn des genealogischen Schemas.) ״In den Körpern seiner (Jakobs) Söhne wird sie (die reine Seele) gezeugt, aber nicht in den anderen Völkern.V Die individuelle Sühne durch den individuellen Tod gilt nur für die Nachkommen Jakobs (vgl. S. 31, 8 f.). — Jehuda hallewi, der diese Ausführungen kannte, muß sich der darin enthaltenen Polemik gegen das Christentum bewußt gewesen sein. Er verwarf den ersten Teil und übernahm den zweiten, aber indem er den Sündenfall Adams und die Verdammnis der Ungläubigen ablehnte. Das ist eine der großen Leistungen seines nicht genug gewürdigten Versuchs, dem herrschenden augustinischen Geschichtsbild seine jüdische Geschichtsbetrachtung entgegenzustellen. (So versuchte auch Geiger, Divan des Juda halevi 1851, S. 75 f. den Kusari zu charakterisieren, leider nicht mit glücklichen Worten. E. Berger, Problem der Erkenntnis in der Religionsphilosophie J. h.5s S. 38 Anm. nennt das mit Unrecht eine ״gelehrte Verkehrtheitfii.) 1 Seine geschichtlichen Kenntnisse sind zwar nicht gründlich, aber es wäre doch interessant zu wissen, woher er sie genommen hat, auch wegen des Vergleichs mit Abraham b. David. Da neben christlichen auch arabische Quellen in Betracht kommen, kann ich nichts Bestimmtes darüber sagen. 2 מכלה המגלה s. 144. S. 36 erscheint das Jahr 1136 als frühester Termin der Erlösung. 3 Im J0h.re 1127 war der Seldschlukenfürst Imadeddin Zenki in Mosul zur Herrschaft gelangt; er begann eben seine Angriffe auf Syrien, die später die Kreuzfahrerstaaten schwer bedrohen und den zweiten Kreuzzug hervorrufen sollten. 4 S. 146. 6 S. 108.

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