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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 122

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
Date
1926-01-01
Page
Seite 122 (sequence 10)
Language
German
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122 Prophet in seinen Berechnungen folgt, haben nicht gewagt, über die Wirkungen dieser Konstellation offen zu reden, weil sie Israel Unheil bringen mußten. Noch größere Ereignisse, geradezu der Untergang des ,,Reiches der Bosheit“, werden für das Jahr 1226 erwartet1. Daß Abraham b. Chija bereits die unter dem Namen des Johannes v. Toledo verbreitete Prophetie in ihrem Wortlaut gekannt, ist nicht wahrscheinlich. Eher dürfte man bei dem Einfluß, den sein Buch in der jüdischen Literatur ausübte, annehmen, daß es entscheidend auf die Entstehung und Verbreitung der Prophetie unter den Juden eingewirkt hat. Eine der Handschriften des מגלת המגלה enthält denn auch am Schluß die Widmung des Schreibers für einen Simcha b. Salomo hakohen2 unter dem bedeutsamen Datum des 1. Nissan 4946, worauf ein freilich formelhaftes, kurzes Gebet um baldige Erlösung folgt. Aber Abraham b. Chija und Magister Johannes (oder wer sonst der Autor sein mag) stimmen in ihren astronomischen Angaben nicht genau überein. Jener erwartet für 1186 ein Zusammentreffen von Saturn und Jupiter im Zeichen des Steinbocks, dieser eine Konjunktion sämtlicher Planeten im Zeichen der Wage. Da diese Vorhersage den tatsächlichen Verhältnissen mehr entsprochen haben soll3, so könnte man das als Beweis dafür ansehen, daß unsere Prophetie den Ereignissen näher gestanden hat. Aber wahrscheinlich hat Abraham b. Chija die Entwicklung der Prophetie unter den Juden nicht ausschließlich beherrscht. Neben seinem Buch und dem Toledaner Brief wurden andere Prophetien und Flugschriften verbreitet, die, wenigstens unter den Juden des Orients eine ernsthafte messianische Bewegung entfachten. Diese soll uns im folgenden Abschnitt beschäftigen. (Schluß folgt.) 1 Die späteren Daten des Erlösungsprozesses, die Abr. b. Ch. errechnet, scheinen alle irgendwie mit der Geschichte der Messias-Idee in Europa zus am men zuhängen. 2 Den Träger dieses Namens habe ich in Spanien, Frankreich, Deutschland und Italien vergeblich gesucht. Sambari (bei Neubauer, Med. Jew. Chron. II, 133) nennt unmittelbar vor der Aufzählung der Zeitgenossen des Maimonides unter den Gelehrten von Alexandria einen R. Simcha hakohen b. R. Salomo. Jacob Mann, The Jews in Egypt and in Palestine under the Fatimid Caliphs II (1922), 317 zählt ihn unter Maimonides Zeitgenossen; wenn mit Recht, so würde dies ein weiteres Licht auf die in Abschnitt II zu behandelnden messianischen Bewegungen gerade unter den ägyptischen Juden werfen. — Hier nur ein Wort über die Juden in Deutschland: Aus dem Jahre 1187 besitzen wir die Aufzeichnungen des Eleaser b. Jehuda Rokeach über erlittene Verfolgungen (Neubauer-Stern, Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland II, S. 73); darin werden auch mit großem Interesse die gleichzeitigen Kämpfe in Palästina erwähnt. In Mainz beobachteten die Juden am 29. Elul 4947 (4. IX. 1187) eine außerordentliche Sonnenfinsternis. Als später Nachrichten über die Eroberungen Saladins nach dem Rheinland kamen, kombinierte man diese mit den beobachteten Himmelszeichen und stellte fest, daß am Tage der Sonnenfinsternis die Mohammedaner mehr als 4000 Deutsche getötet und von ihnen ein Kreuz erbeutet hatten. In der Tat war der 4. IX. 1187 der Tag der Kapitulation von Askalon, und die gleichzeitige Sonnenfinsternis war auch anderwärts beobachtet worden (Röhricht, Geschichte des Königreichs Jerusalem, 1897, S. 449). War es nicht, wenn auch um ein Jahr verspätet, das Datum der Prophetie des Johannes avendehut? 3 vgl. Grauert S. 307 f.

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