Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 8)
- Language
- German
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120 als ermüdend wirken mußte, trägt er seine von verschiedenen Ausgangspunkten immer wieder auf dasselbe Ziel zusteuernden Berechnungen vor. Im Mittelpunkt steht die Schöpfungsgeschichte als typisches Vorbild der gesamten Weltgeschichte, eine Interpretationsweise, die, in ihren Anfängen vom Judentum geschaffen, Abraham b. Chi ja in der Polemik mit den Christen von seinen Gegnern gelernt und in einer an Konsequenz wohl noch weitergehenden Weise aüsgebildet hat1. Ergänzt wird diese Methode durch historische 1 Vgl. Guttmann, Einleitung S. XIII. Dort ist der Nachweis einer direkten Benutzung des Isidor v. Sevilla überzeugender für Moses b. Nachman als für Abr. b. Ch. geliefert. Die Schrift מגלת המגלה ist voll von Elementen augustinischer Geschichtstheologie, wie sie sich auch gerade bei christlichen Zeitgenossen (Hugo v. St. Victor, Rupert v. Deutz und dem jüngeren Otto v. Freising) zahlreich finden. (Man wird wohl die Frage aufwerfen dürfen, ob nicht auch auf rein philosophischem Gebiet unmittelbare Beziehungen zwischen den Juden und Christen dieser Zeit vorliegen könnten.) Namentlich im zweiten Buch greift Abr. b. Ch. ständig Motive der christlichen Exegese auf und deutet sie in seinem jüdischen Sinne und in offenbarer polemischer Absicht um. Man möchte fast vermuten, daß er einen bestimmten christlichen Traktat benutzt hat, vielleicht die Schrift eines Zeitgenossen aus Barcelona, die nicht erhalten oder nicht ediert ist. Denn die Beziehungen zu den zugänglichen gedruckten Werken sind, soweit ich es beurteilen kann, — die Literatur über O. v. Freising ist ja hier ein zuverlässiger Führer — nicht so zusammenhängend, um ihre direkte Benutzung durch Abr. b. Ch. zu beweisen. Es ist aber auch möglich, daß er die christliche Exegese nur durch mündliche Polemik kennengelernt hat. Es sei gestattet, zur Beleuchtung der Methoden des jüdischen Polemikers noch einige. Beispiele zu den von Guttmann angeführten hinzuzufügen. Abr. b. Ch. sieht in der aus der Schöpfungsgeschichte abgeleiteten Tatsache, daß der Messias nicht in einer Zeit erscheinen kann, ,.die aus Licht und Finsternis gemischt ist“ (S. 36 בתוך ימים [רבים^ מזוגים מאור יוחשך) einen wichtigen Einwand gegen die Messianität Jesu, der nach seiner Berechnung am fünften Welttag aufgetreten ist. Man vergleiche ferner מגלת המגלה S. 29 f. mit Augustin, De civitate Dei XV, c. 119—ל (Cain possessio, קניין usw.), besonders folgende Stelle c. 19: Septimus enim ab illo (Adam) natus est Enoch, quod interpretatur dedicatio. Sed ipse est ille translatus, quouiam placuit Deo, et insigni numero in ordine generationum, quo sabbatuni consecratum est, septimo scilicet ab Adam .... Sed huins Enoch translatio nostrae dedicationis est praefigurata dilatio. Quae quidem iam facta est in Christo capite nostro, qui sic resurrexit, ut non moriatur ulterius, sed etiam ipse translatus est; restat autem altera dedicatio universae domus, cuius ipse Christus est fundamentum, quae differtur in finem, quando erit omnium resurrectio non moriturorum amplius. Dazu Abr. b. Ch. S. 30: והדור השביעי הוא חנוך כנגד היום השביעי וקרא שמו חנוך מחינוך כאדם שהוא משלים את ביתו ומחנכו♦ ומהו החינוך אשד יעשה המקום לעולמו ביום השביעי זו היא הישועה ותחית המתים ומפני זה זכה חנוך לחיי העולם הבא ולא שלטה עליו מיתה. Das Bezeichnendste ist die bekannte Stelle S. 72 f., die mir schon in ihrer allgemeinsten Grundläge, der Idee der Geschichte als eines in drei Perioden sich vollziehenden Läuterungsprozesses der Seele, in christlichem Geiste gehalten zu sein scheint. (Dasselbe gilt von den drei Zeitaltern der Prophetie S. 41 f.) Abr. b. Ch. stellt dem christlichen Dogma die in seinem Sinne jüdische Auffassung der Erlösung entgegen, und zwar handelt es sich, wie ich der Uebersicht wegen trennen möchte, um zwei Fragen: 1. Wie vollzieht sich die Erlösung der durch den Sündenfall in die Bande der niederen Triebe verstrickten Seele? Antwort: (nicht durch den Opfertod Christi und die Taufe, sondern) stufenweise durch die Flut (vgl. S. 24 f.) und die Gesetzgebung am Sinai und seitdem für jeden Juden individuell durch den Tod. 2. Wer sind die Erlösten? Abr. b, Cln konnte in den Büchern der christlichen Theologen lesen und von ihnen, in der Diskussion hören, wie sie nach dem Vorbild von Augustin sich der biblischen . Genealogien bedienten, um das allmähliche Anwachsen der civitas Dei zu erläutern. Er nahm diese Methode auf, um zu betonen, daß