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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 119

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
Date
1926-01-01
Page
Seite 119 (sequence 7)
Language
German
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119 wende 4946/7, am ,,Geburtstage der Welt“, sollte die große Umwälzung beginnen, nachdem schon am Rüsttage zum Befreiungsfest die ersten Vorzeichen in der׳ Natur sichtbar geworden waren. Welche jüdische Hand — nur eine solche konnte es sein — hat die astronomischen Beobachtungen mit der alten Prophetie verbunden? Von welchem Erdenwinkel wurden die Briefe ausgesandt, um in der ganzen Welt die Menschen in Schrecken zu setzen? Denn nicht zufällig sind diese Zettel den europäischen Chronisten in die Hände geraten; andere Sendschreiben mit deutlicher ausgesprochenen Zielen zirkulierten gleichzeitig in den jüdischen Gemeinden, wie der zweite Teil der Untersuchung zeigen wird. Eine bestimmte Antwort läßt sich nicht geben. Indessen, nach Roger v. Wendower* 1 ist die Prophetie in Form eines Briefes von Magister Johannes David aus Toledo und den anderen Astronomen dieser Stadt an die Christenheit verschickt worden. In den meisten Traditionen heißt der Absender nur Magister Johannes von Toledo, in anderen ist sein Name gänzlich entstellt2. Es bestehen keine Bedenken, ihn, wie es schon Gr.3 für möglich gehalten hat, mit Johannes Avendehut, dem bekannten jüdischen4 Astronomen und Uebersetzer, der im Dienste des Erzbischofs Raimund v. Toledo (1126—1151) gearbeitet hat, zu identifizieren. Um eine bloße Figur der Legende handelt es sich schwerlich. Irgendwie dürfte der Toledaner Gelehrte an der Entstehung der Prophetie, zum mindesten an der Tradition der astronomischen Daten beteiligt gewesen sein. Dies ist um so wahrscheinlicher, als der etwas ältere Abraham b. Chija, der am aragonisch-katalonischen Fürstenhof eine ähnliche Stellung eingenommen zu haben scheint, in seiner Schrift מגלת המגלה die Konstellation von 1186 an gekündigt und eschatologisch ausgedeutet hat. Das interessante Buch, auf das schon Grauert5 in diesem Zusammenhang verwiesen hatte, sucht aus der Bibel das Datum des nahen Eintritts der Erlösung zu ermitteln, um auf diese Weise die dogmatischen Angriffe der christlichen Propaganda abzuwehren und die verzagten Brüder zum Ausharren im Glauben anzuspornen. Mit einer Zähigkeit, die auf den teilnehmenden Leser eher aufregend Prophetie, die noch öfters Beziehungen zum Judentum aufweist, kann hier nicht eingegangen werden. 1 II, 356, Grauert S. 168. Es handelt sich um eine Version aus dem Jahre 1229, der wir aber bereits oben einen echten, in der übrigen Tradition nicht vorhandenen Zug zu entnehmen glaubten. 2 Bei Roger v. Hoveden (Grauert S. 192) heißt der Absender Corumphiza. Der älteste Tradent Rigord führt das Orakel auf die ,,Weisen Aegyptens“ zurück (s. oben). Ob dem eine Bedeutung beizulegen ist? Andere jüdische Prophetien der Zeit sind wahrscheinlich in Aegypten entstanden; vgl. Abschnitt II. 3 S. 188 f. 4 Er wird gewöhnlich als getaufter Jude bezeichnet, aber bei Jourdain, Recherches crit. s. Page et Porigine des traductions latines d’Aristote, 1843, S. 449 nennt er sich selbst ״Joannes avendehut israelita“. ״Israelita46 kommt in Urkunden dieser Zeit in gleicher Bedeutung wie ״judaeus“ vor, und Avendehut war damals in Spanien ein verbreiteter jüdischer Familienname. 5 S. 212. Er stützte sich auf die Mitteilungen von Steinschneider, ZDMG., Bd. 28, S. 633. Das Buch ist inzwischen erschienen: Sefer megillat ha־megalle von Abraham bar Chija, her, von A. Poznanski, revidiert u. m. Einl. versehen von Julius Guttmann. Mekize Nirdamim, Berlin 1924.

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