Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2829132-2829935-2829938-2833130--46786-2833211- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
118 gregabit exercitus facietque bellum secus ripas aquarum, in quo tanta strages efficietur, quod impetus effusi sanguinis undis excrescentibus adaequabitur. (Pro certo autem sciatur, quod futura coniunctio mutationes regnorum, excellentiam Francorum, dubietatem et ignorantiam inter Judaeos, Sarracenicae gentis destruccionem et Christi legis pietatem maiorem et exaltationem maximam et eorum, qui postmodum nascentur, prolixiorem vitam significat, si Deus voluerit.) Dieser Brief soll nach Grauert und Hommel auf ein arabisches* mit hebräischen Buchstaben geschriebenes Original zurückgehen, aber in seiner gegenwärtigen Gestalt von einem Christen in Spanien oder Frankreich überarbeitet worden sein1. Nun, was der Christliehe Redaktor hinzugefügt hat, nämlich der letzte Absatz, läßt sich leicht abtrennen. Dann aber bleibt die uns bekannte jüdische Prophetie, allerdings in stark verkürzter und entstellter Form übrig. Das Hauptmotiv vom Erdbeben ist noch wörtlich zu lesen, nur hat der Redaktor die große Liste ihm uninteressanter Städtenamen an vierter Stelle mit dem Sammelbegriff Babylon abgeschnitten, der in den späteren Versionen an die Spitze der nun völlig mißdeuteten Städtenamen getreten ist. Von den Vorzeichen des Messias sind Reste des zweiten und vierten erhalten; auch der Fluß, an dem die Kämpfe der Endzeit geführt werden, ist erwähnt, aber ohne Nennung des Namens, der doch gestanden haben muß, denn ein ,,bellum secus ripas aquarum“ bleibt unverständlich. Neu ist ein Zug, der sich in einer (im übrigen mit unserem zweiten Text ziemlich übereinstimmenden) Version bei dem englischen Chronisten Roger v. Wendower2 zum Jahre 1229 findet. Hier heißt es zum Schluß: et erunt terrae motus universalis ... et mortalitas et contradictio gentium et regnorum ad invicem, ita quod maximus imperator morietur. Grauert hat Wert darauf gelegt, festzustellen, daß dieser Satz sich in keiner Version vor 1229 findet. Nach seiner Ansicht wurde er damals eingefügt, als sich das Gerücht von dem Tode des Staufers Friedrichs II. in Europa verbreitete3. Es ist aber möglich, daß sich hier ein altes eschatologisches Motiv4, ein Fragment der ursprünglichen Prophetie erhalten hat. Wichtiger ist, daß die astronomischen Daten der Prophetie durch unseren an zweiter Stelle mitgeteilten Text in überraschender Weise ergänzt werden. Denn der 5. April 1186 war der 14. Nissan, der 22. April war der 1. Ijar des jüdischen Kalenderjahres 4946. Das Hauptdatum war der 29. Elul 4946 oder nach anderen Versionen der 16. September5 1186, d. i. der 1. Tischri 4947. Um die Jahres- 1 Grauert S. 309. p;{ 2 Qrauert S. 166 f. Aehnlich bei dem Italiener Richard v. S. Germano. Auf die übrigen unwesentlichen Abweichungen dieses Textes braucht hier nicht eingegangen zu werden. * Grauert S. 171 f., 220 f. 4 Als solches erkennt es auch Kampers, Vom Werdegange der abendländischen Kaisermystik, 1924, S. 91. 5 Grauert S. 193. Gr. hat mit Hilfe von Fachleuten festgestellt, daß den Berechnungen etwa für den 16. September tatsächlich astronomische Beobachtungen zugrunde lagen. Beim Uebertragen der Prophetie a.uf spätere Jahre behielt man die alten Monatsdaten. Auf diese weitere Geschichte der