Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Malkizedek
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 20)
- Language
- German
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112 Sem in seiner eschatoiogischen Rolle belassen. Es wäre dann aber unbegreiflich, wie der bekannte, geläufige Melchisedek von dem unbekannten Kohen-Zedek verdrängt werden konnte. Man muß sich also notwendig für Kohen-Zedelc als die ursprüngliche Lesart entscheiden* 1, der eben wegen seiner Unbekanntheit dem geläufigen Melchisedek weichen mußte. Wer ist aber Kohen-Zedek? Friedmann, der sich mit dieser Frage beschäftigt, gelangt zu dem Ergebnis: Kohen-Zedek ist Pinhas2. Er kommt damit der Wahrheit nahe — bis auf eine Entfernung von zwei Geschlechtern, denn Kohen-Zedek ist kein anderer als Ahron selbst, der Großvater des Pinhas. Dies erfahren wir aus folgender Agada: ,,Die zwei Söhne des Oels" (Sach 414) sind Ahron und der Messias. Nun weiß ich aber nicht, wer von beiden der wichtigere ist? Da heißt es an einer anderen Stelle ,,der Ewige hat geschworen und läßt sichs nicht gereuen: ,,Du bist Priester für ewig" על דברתי סלבי צדק (Ps 1104). Daraus erkennst du, daß der König-Messias wichtiger ist als Kohen-Zedek"3. Hier ist es also ganz deutlich: Kohen-Zedek Ahron. Ueber den Ausspruch R. Simon b. Gamliels, besonders über die Ableitung seiner Behauptung aus dem Psalmverse wird an anderer Stelle gehandelt werden. Hier soll nur die Lehre selbst hervorgehoben werden: Der Messias steht höher als das Priestertum. Messianische Rolle an wies“. Er hat die ,,sieben Hirten“ übersehen. Daß aber Sem, der Gerechte, der Weise, Prophet und Lehrer Abrahams, Isaaks und Jakobs [vgl. oben S. 95 oder unten S. 103) für die Agada mindestens so bedeutend ist, wie Seth und Methuselach, braucht nicht erst betont zu werden. Ginzberg fährt fort: ,,wir dürfen vielmehr mit Sicherheit behaupten, daß in Melchisedek ein symbolischer Name für den messianischen Hohenpriester vorliegt, wie auch den beiden Messiasen solche symbolische Namen beigelegt werden“,wozu in der Anmerkung: ,,Der Messias hat eine große Anzahl solcher Namen, vgl. Sanh. 98b“! Dies ist aber eine Vermutung ohne jeden Anhaltspunkt. Wenn irgend jemand mehrere Namen hat, so beweist dies nicht, daß auch ein anderer mehrere Namen haben muß. — Namen des Messias noch Threni rabbathi zu 1, 15, פרקא דרכינו הקדוש ed. Schönblum 36a. 1 Wahrscheinlich geht auch der in gaonäischer Zeit übliche Name Kohen Zedek auf unsere Agada zurück. Absolut sicher ist dies aber nicht, denn wir finden in dem Piut zum Tischgebet bei der Beschneidung, daß Eiiah Kohen Zedek genannt wird, auf Grund der geläufigen Agada, daß Eiiah identisch ist mit Pinljas. Vgl. die Stellen bei Friedmann, Einleitung zu Seder Eiiah, S. 6 ff. Vgl. noch Pirke R. Elieser Kap. 40 und Lurja z. St. Anm. 33, Jon. Deut 33n: Bothe Midraschoth ed. Wertheimer IV 32, Pentateuch-Raschi ms. München bei Epstein, Moses ha־Darschan, S. 33 f. Vgl. Aptowitzer, Monatsschrift 1907, S. 245, Ginzberg, Monatsschrift 1914, S. 419, 423 f., 428 Anm. Ueber den Ursprung dieser Identifizierung an einer anderen Stelle. Krauss, ha־Zofeh ed. Blau V, S. 219, vermutet richtig in dem Namen Kohen- Zedek Messianisches. Da ihm aber die Agada und der erwähnte Piut sowie die erwähnte Literatur darüber unbekannt sind, tappt er im Finstern. 2 1. c. S. 8 f. Also genau wie der Paetan, mit dem Unterschiede, daß Friedmann die Identität Elias mit Pinhas nicht anerkennt. Da trifft aber sein Vorwurf nicht den Paetan, sondern die Agada. 3 Aboth R. Nathan 1 Kap. 34: כיוצא בו אלה שני בכי היצהר העומדים טל אדון כל הארץ (זכריה ד' יד׳) זה אהר־ן ומשיח ואיני יודע איזה מהם חביב כשהוא אומר כשבע ה׳ ולא ינחם אתה כהן לעולם על דברתי מלכי צדק. (תחלים קי׳ ד׳) הוי יודע שהמלך המשיח חביב יותר מכהן צדק. Die Beziehung des Sacharjaverses (414) auf Ahron und David (= Messias) findet sich auch in Sifra צו Perek 18 Anfang. Threni rabbathi zu 1,16 und Num. r. XVIII16, aber die Frage, wer von beiden der bedeutendere sei, kommt in diesen Quellen nicht vor.