Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 113

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Malkizedek
Date
1926-01-01
Page
Seite 113 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829938-2833129--46779-2833206
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

113 *־ Dies aber behauptet der Hebräerbrief1. Der Verfasser dieses Briefes hat also selbst dort, wo er zum Vernichtungsstoß gegen das Judentum ausholt, einen jüdischen Gedanken sich zu eigen gemacht2. Melchisedek-Messias in einem Zitat aus Bereschith Rabba bei Martini, Pugio, S. 8403. Die Stelle findet sich zwar in unseren Texten nicht und auch nicht im handschriftlichen Bereschith rabbathi (ms Prag), trotzdem darf das Zitat nicht verdächtigt werden, da wir, wie wir gesehen, diesen Gedanken in einer alten authentischen Quelle finden. _ Eine jüdische Messiasprophetie auf das Jahr 1186 und der dritte Kreuzzug4. Von Fritz Baer in Berlin. I. Beschaffenheit und Herkunft der Prophetie. Vor einer Reihe von Jahren hat der verstorbene Münchener Historiker H. v. Grauert in einer Studie ,,Meister Johann von Toledo“5 die vielverschlungene Geschichte einer Prophetie geschrieben, die in enger Beziehung zum Judentum steht, in einer weit engeren, als es Grauert vermutet und angedeutet hat. Im Jahre 1179 tauchte nämlich — das sind in Kürze die für uns wichtigen Ergebnisse aus v. Grauerts Schrift — in verschiedenen Ländern der Christenheit ein Brief auf, der verkündete: es würde nach Ablauf von 7 Jahren, also im Jahre 1186, eine außerordentliche Planetenkonjunktion eintreten, der große Erschütterungen in der Natur, darunter ein gewaltiges, viele Städte zerstörendes Erdbeben, und Umwälzungen im Leben der Völker folgen würden. Französische und englische Chronisten, auch die im Elsaß entstandenen sog. Marbacher• Annalen, sprechen von dieser Prophetie und führen teilweise ihren Wortlaut in verschiedenen Fassungen an. Der Inhalt des Briefes wurde viel erörtert. Man suchte ihn zu widerlegen und fühlte sich erleichtert, als das Jahr 1186 vorübergegangen und alles beim alten geblieben war. Ernstere Naturen sahen freilich in der Eroberung Palästinas 1 Hebräerbrief 7! ff. Vgl. oben S. 98 Anm. 3. 2 Aus diesem Grunde scheint vielleicht die Behauptung: Messias ist größer als Ahron in den oben S. 112 Anm. 3 erwähnten Quellen weggelassen worden zu sein, sie erhielt sich aber in Aboth R. Nathan, einer weniger be~ kannten Quelle. ד״א מלכי צדק זד, שאמר הכתוב נשבע ח״ ולא ינחם אתה כדן לעולם על דברתי 3 מלכי צדק ואיזה זד, מלך צדיק ונושע מלך המשיח שנאמר הנה מלכך יבא לד צדיק ונושע הוא ומד. ת״ל הוציא לחם ויין כמה דאת אמי יהי פסת בר בארץ ד,היד והוא כהן לאל עליון. 4 Diese Untersuchung entstand im Zusammenhang meiner Arbeiten, die ich im Aufträge der Akademie für die Wissenschaft des Judentums mache. Die Veröffentlichung an dieser Stelle erfolgt mit Genehmigung des Instituts. Für einige Anregungen sage ich den jetzt in Jerusalem wohnenden Freunden Baneth und Scholem herzlichen Dank. Ganz besonders verpflichtet bin ich Herrn Prof. Guttmann, der mich durch seine ebenso liebenswürdige wie eingehende Kritik sehr gefördert hat. 5 Sitzungsberichte der Münchener Akademie der Wissenschaften, phil.־ histor. Kl. 1901, S. 111—325. Eine Anzeige von Gaster, Folk-lore 13 (London 1902) S. 115 f. beschäftigt sich nicht mit den hier verfolgten Zusammenhängen. Monatsschrift, 70. Jahrgang. 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.