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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 111

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Malkizedek
Date
1926-01-01
Page
Seite 111 (sequence 19)
Language
German
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111 Heiligen Geistes gewesen1. Wir haben aber gesehen, daß dieser /Geburtsschein dem ersten Melchisedek ausgestellt wurde. Aber auch die anderen Kirchenschriftsteller, die von den Melchisedekiten und ihren Lehren sprechen, kennen bloß den Melchisedek, von dem in der Schrift die Rede ist. Es scheint daher, daß die späteren Melchisedekianer selbst Melchisedek I, den Ausgangspunkt ihrer Lehre, vergessen und ihre Theorien an den Melchisedek der Schrift geknüpft hatten. Für uns aber ist diese Frage von untergeordneter Bedeutung. Es genügt, daß die Kirchenväter Melchisedek I nicht kennen, um es um so verständlicher zu machen, warum Epiphanius genötigt war, die von ihm mitgeteilte Behauptung der Juden auf den Melchisedek der Schrift zu beziehen. Im rabbinischen Schrifttum ist von jener Sage keine Spur vorhanden. Die jüdischen Gelehrten hatten für Melchisedek I, den seine Anhänger selbst bald nach seiner Geburt ins Paradies gebracht und außer Berührung mit der Welt gesetzt und später vielleicht auch ganz vergessen hatten, kein Interesse. Im Volke aber, das für derben Spott mehr Verständnis hat, hat sich jene Sage bis zur Zeit des Epiphanius erhalten. 4. Melchisedek, Vorläufer des Messias? In der Agada werden die ,,vier Schmiede“ (Sach 23) auf Messias und seine Vorläufer gedeutet: Messias aus dem Stamme David, Messias aus dem Stamme Josef, Eiiah und Melchisedek2. So mehrere Texte3. Andere Texte bieten anstatt Melchisedek: Kohen Zedek4. Es ist nun die Frage, welche Lesart als die ursprüngliche anzusehen ist. Sachlich läßt sich gegen Melchisedek nichts einwenden, da auch in einer anderen Agada vorabrahamitische Patriarchen in der Eschatologie eine Rolle spielen. Es werden nämlich als die ,,sieben Hirten“ (Micha ö4) bezeichnet: David (Messias) in der Mitte, Adam, Seth und Methuschelach zu seiner Rechten, Abraham, Jakob und Moses zu seiner Linken5. So könnte man auch den Melchisedek- 1 Epiphanius, Haer. LVII 3. Vgl. Friediänder REJ. V, S. 4, 14 f. 2 מאן כינהו ארבעד. חרשים אמר רב חנא בר ביזכא אמד ר' שמעון חסידא משיח בן דוד ומשיח בן יוסף ואליהו ומלכי צדק. Sukka 52b, Gant. r. 11 12 (ed. Wilna s. 17c), Pesikta ed. Buber 51a, Pesikta rab. Kap. 15 (ed. Friedmann 75a). 3 Die erwähnten Midraschim und im Talmud Raschi und ms. München. In den jüngeren Texten lautet das Stichwort bei Raschi fälschlich כהן צדק nach dem Texte der Ausgaben. Friedmann, Einleitung zu Seder Eiiah S. 4, und Ginzberg, Monatsschrift 1914, S. 419, setzen voraus, daß Raschi Kohen Zedek erklärt, ohne zu. bedenken, daß Raschi in seiner ausführlichen Erklärung kein Wort dafür hat, warum Sem Kohen-Zedek genannt wird. Raschis Erklärung kann nur auf einen Text מלבי צדק sich beziehen und das Stichwort כהן צדק ist spätere Korrektur in Raschi. 4 Edd. und R. Ghananel Sukka 1. c., Jalkut Sacharja § 568. פדקא דרביכו הקדוש ed. Schönblum 24 b, Seder Eiiah rabba Kap. 18 (ed. Friedmann S. 96). Ginzberg a. a. O. Anm. 2 verweist für Kohen Zedek auf Jalkut ha־Machiri Micha, S. "33. Das ist ungenau. Denn in der angegebenen Stelle kommt das Zitat nicht vor. Dagegen in Jalkut ha־Machiri zu Sach 23 S. 19 aus Cant. r. מלבי צדק. 5 Sukka 1. c. ומאן כינהו שבעה רועים דוד באמצע אדם שת ומתושלח מימינו אברהם יעקב ומשה בשמאלו. Dasselbe Gant. r. zu VIII 10 (ed. Wilna 40d). Ginzberg a. a. O., S. 420: ,,Aber wollte man auch annehmen, daß מלבי צדק die ursprüngliche Lesart in den Midraschim ist, so folgt daraus noch lange nicht, daß die Haggadah diesem vormosaischen" Priester eine

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