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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 109

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Malkizedek
Date
1926-01-01
Page
Seite 109 (sequence 17)
Language
German
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109;als unannehmbar erwiesen. Daß Epiphanius seine Angabe glatt erfunden hätte, darf nicht vorausgesetzt werden; es ist nicht ersiehtlieh, cui bono sive malo er eine Sage erdichtet haben sollte, die eine im Christentum so viel Ansehen genießende Persönlichkeit in solcher Weise herabwürdigt. Endlich ist auch die schon an sich höchst unwahrscheinliche Annahme, daß Epiphanius die von Celsus den Juden zugeschriebene Panthera-Sage irrtümlicherweise auf Melchisedek übertragen hat, aus dem Grunde völlig ausgeschlossen, weil •dieser Kirchenvater die Panthera-Sage garnicht kennt. Panthera ist bei ihm vielmehr ein Glied in der Kette der Jesus-Genealogie1. Die Angabe des Epiphanius ist keine Dichtung, sie kann aber auch nicht Wahrheit sein; folglich ist sie Dichtung und Wahrheit. All dies drängt zu folgender Lösung des Rätsels: Der Melchisedek, von dem die Juden behaupteten, er sei der Sohn einer Buhlerin gewesen, ist nicht der biblische Melchisedek, sondern ein anderer desselben Namens. Und ein solch anderer Melchisedek, der die von Epiphanius mitgeteilte Sage hervorrufen konnte, ja mußte, hat in der Tat existiert — in der Phantasie gewisser Kreise. In einem von Charles veröffentlichten Fragment einer meichisedekitischen Schrift wird — soweit es für unsere Zwecke nötig ist — folgendes erzählt: ,,Und Methusalem rief den Nir, den Sohn des Lamech, den jüngeren Bruder Noahs, und kleidete ihn in die Kleider des Priestertums vordem Angesichte des ganzen Volkes, stellte ihn an die Spitze des Altars und lehrte ihn all das, was er mit dem Volke machen soll. . . . Und das Weib Nirs, genannt Sopanima, war unfruchtbar und gebar dem Nir kein Kind. Und Sopanima war in ihrem Greisenalter. Und in der Zeit ihres Todes empfing sie in ihrem Mutterschoß. Nir aber der Priester hatte ihr nicht beigewohnt und sie nicht erkannt, seit dem Tage, wo der Herr ihn zum Diener vor dem Volke eingesetzt hat. Als Sopanima ihre Empfängnis erkannte, schämte sie sich und fühlte sich gedemütigt. Sie verbarg sich all die Tage, bis sie gebar, so daß keiner vom Volke etwas erfuhr. Und als 282 Tage vollendet waren und der Tag der Geburt herannahte, gedachte Nir seines Weibes, rief es zu sich in sein Haus, um mit ihm zu sprechen. Sopamia kam zu Nir, ihrem Manne. Sie war schwanger und der bestimmte Tag der Geburt nahte heran. Und Nir sah sie und schämte sich sehr und sprach zu ihr: ,,Was hast du getan, Weib! Und du hast mich beschämt vor dem Angesichte dieses Volkes. Nun aber entferne dich von mir und gehe dorthin, wo du empfangen hast die Schande deines Mutterschoßes, daß ich nicht meine Hände an dir verunreinige und vor dem Angesichte des Herrn sündige!“ Sopanima sprach zu ihrem Manne wie folgt: ,,Mein Herr! Siehe! Die Zeit meines Greisenalters und die Tage meines Todes sind gekommen und ich weiß nicht, wann die Zeit meiner Jahre vergangen ist und die (Un)fruchtbarkeit meines Schoßes begann“. Nir aber glaubte seinem Weibe nicht. ... Es geschah nun während Nir mit 1 Vgl. Zahn, Forschungen zur Geschichte des neutestamentlichen Kanons VI 267, Strack, Jesus, die Häretiker und die Christen S. 11.

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