Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Malkizedek
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 16)
- Language
- German
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108 Zur Erhärtung der vorstehenden Ausführungen muß noch folgendes bemerkt werden. Zunächst im allgemeinen: Daß Legitimität, Sukzessionsrecht, Tauglichkeit von Priester und Opfer auch in vorsinaitischer Zeit erforderlich waren, wird in der Traditionsliteratur allgemein vorausgesetzt1. Im besonderen aber soll gezeigt werden, daß eine ähnliche Legitimitätsfrage wie in bezug auf Abraham und Sem eine ähnliche Sage betreffend Sem und Noah hervorgerufen hat. Eine Agada, deren Tradent oder Urheber R. Elieser, der Sohn R. Joses des Galiläers, ist, lautet: Beim Verlassen der Arche, oder schon früher in der Arche selbst, wurde Noah von einem Löwen gebissen. Dadurch wurde er für das Priesteramt untauglich, und Sem übernahm das Priesteramt2. . . . Was hat diese Sage veranlaßt? Nach dem Text in den jüngeren Quellen wäre zu schließen, daß diese Sage aus dem Wörtchen אך (Gen 923) erschlossen wurde, das eine Einschränkung bewirkt, so daß in dem betreffenden Bibelvers gesagt wird: es blieb nicht der ganze Noah, d. h. Noah blieb nicht unversehrt. Aber um der Einschränkungskraft des אך gerecht zu werden, hätte jene andere Erklärung genügt, daß Noah infolge der Anstrengung bei der Versorgung der Tiere in der Arche herzkrank wurde3. Der Löwenbiß mit seinen Folgen für Noah und Sem wird von אך nicht gefordert; das bescheidene Wörtchen ist nicht so anspruchsvoll. Aber der Agadist, für den selbstverständlich Melchisedek Sem ist, findet in dem zugleich überflüssigen und emphatischen והוא (Gen 1418), das nach agadischer Auffassung Beständigkeit und Dauer andeutet4, einen Hinweis darauf, daß Sem schon lange vor seiner Begegnung mit Abraham Priester war, also schon zu Lebzeiten Noahs. Wie kam dies? weil Noah für das Priesteramt untauglich wurde. Daher auch der Löwenbiß, da noachidische Priester nur durch ein äußerliches Gebrechen untauglich werden5. 3. Melchisedek, Sohn einer Buhlerin. Nach unseren Ausführungen erscheint die Angabe des Epiphanius, die Juden hielten Melchisedek für den Sohn einer Buhlerin, noch rätselhafter. Sonst bei auseinandergehenden Sagen bietet die Annahme von Orts- und Zeitverschiedenheit den letzten Ausweg, in unserem Falle aber versagt auch dieses Auskunftsmittel. In keinem jüdischen Kreise konnte zu irgend einer Zeit das Bedürfnis vorhanden gewesen sein,, den Melchisedek zu beschimpfen. Palästina und Alexandrien gehen wohl in bezug auf die Stammeszugehörigkeit des Melchisedek auseinander, beide aber wetteifern in seiner Verherrlichung. Daß Epiphanius die Juden mit den Samaritanern verwechselte, hat sich 1 Sebachim 112b, Bechoroth 4b, Tanchuma B. 12 ,4 §§ תולדות, Agadath Bereschith Kap. 42. Num. r. IV8, XII 1. — Gen. r. LXIII 13, Lev. r. XXII 5, Koheleth r. Y 9, Tanchuma ,12 § אחדי, Pesikta r. Kap. 5 ed. Friedmann 20b. — Abodah Zarah 5b, 51a, Sebachim 116a, Gen. r. XXX 6. Vgl. noch besonders die in der folgenden Anmerkung verzeichneten Stellen. 2 Gen. r. XXX 6, XXXVI 4, Pesikta ed. Buber 168a, Lev. r. XX 1, 'Koheleth r. IX 2, Midrasch zutta ed. Buber S. 119, Tanchuma 9 § נח (ed. Buber § 14), beide Tanch. 1 § ואתחנן. Vgl. noch Tanchuma נח ed. Buber § 3. 3 Baraitha der 32 Normen 2, Gen. r. XXXII 23, Tanchuma 9 § נח (ed. Buber §§ 3, 14). 4 Megillah 11a, Gen. r. XXXVII 3, Mid. Esther r. I 2, Mid. Ps. 105 § 2. 6 Sebachim 116a .ודלמא נח גופיה מדיפה הוד.