Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Malkizedek
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 13)
- Language
- German
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105 eine so schwere Bestrafung. Abraham aber hat die priesterliche Funktion bei der Akeda ausgeübt, einfach aus dem Grunde, weil Sem wegen seines hohen Alters in jener Zeit dazu nicht mehr fähig war. R. Ismael aber kann dies nicht akzeptieren, weil dies gegen seinen Standpunkt in der — Halacha ist. In der Halacha nämlich gilt folgende Bestimmung: Priester werden nur durch körperliche Gebrechen für den Dienst untauglich, nicht aber durch Jahre1, das heißt: sie dürfen bis in das hohe Alter hinein ihren Dienst ausüben. Ist aber das hohe Alter erreicht, so müssen sie aus dem Dienste scheiden. So eine Baraitha im Babli und in der Tosefta2: עד שיזקין. Im Sifre Numeri aber, der aus der Schule R. Ismaels stammt3, heißt es: Priester dürfen ihren Dienst ausüben bis in die Ewigkeit: עד עולם, das heißt wohl: bis an das Lebensende. Nach R. Ismael konnte also Sem trotz seines Greisenalters sein Priestertum ausüben. Es bleibt also als Antwort auf die Frage, warum Sem nicht bei der Akeda fungiert hat, nichts anderes übrig, als daß das Priestertum dem Sem genommen und direkt auf Abraham übertragen wurde4. Es sagt nun R. Ismael: ,,Gott wollte das Priestertum schon mit Sem beginnen lassen, da er aber als Priester, 1 מעיים־במומין פסולים בשנים כשרים, Rubin 24a, Sifre Num. §63. 2 Tosefta Hullin I 16. 3 Zuletzt Horovitz, Einleitung zu seiner Sifreausgabe (Leipzigl917), S. VI f. 4 Im Babli Hullin 24b wird als Zeichen des für den Priesterdienst untauglich machenden Alters das Zittern der Hände erklärt עד שירתת. Nun ist es aber eine weit verbreitete Anschauung der Agada, daß vor der Erkrankung Jakobs Erkrankung und Schwäche unbekannt waren: Wenn die Zeit des Menschen gekommen ist, aus der Welt zu scheiden, starb er plötzlieh, ohne vorher auch nur einen Augenblick krank zu sein. Jakob aber hat mit Rücksicht auf Zwistigkeiten in der Familie des Verstorbenen von Gott sich Krankheit erbeten. Jakob hat also das Erkranken erfunden יעקב חדש חולי. B. Mezia 87a, Synhed. 107b, Gen. r. LXV 9, Tanchuma ed. Buber 5 § חיי. Pirke R. Elieser Kap. 52. Aber in der Agada finden wir auch die gegenteilige Ansicht. So heißt es im Talmud: Ein Edelstein hing am Halse Abrahams, von der Eigenschaft, daß jeder Kranke, der ihn anschaute, sofort von seiner Krankheit geheilt wurde. אבן טובה היתה תלויד. בצוארו שד אברהם אבינו שבל חולה הרואה אוהל. מיד מתרפא. b. Bathra 16 b. Dann heißt es in öen. r. XXXIX 11: Abraham betete für Unfruchtbare, und sie wurden mit Kindern bedacht; für Kranke, und sie wurden geheilt. Es genügte für den Kranken auch bloß Abraham zu sehen, um gesund zu werden. אברהם היה מתפלל על עקרות והן נפקדות, על החולים ומתרפאים. רב הונא אמר לא סוף •דבר אברהם הולך אצל החולד אלא חולה רואהו ומרויח Es hat also schon zur Zeit Abrahams Krankheiten gegeben. Dasselbe folgt auch aus einer anderen Agada, nach welcher Noah infolge seiner Mühe in der Arche herzkrank wurde. Baraitha der 32 Normen 2, Gen. r. XXXII 23, Tanchuma 9 § נח (ed. Buber §§ 3, 14). Vgl. noch Sebachim 102a. Daß es Krankheiten vor Jakob gegeben auch Gen. r. LIII 13, wo gesagt wird, daß Ismael infolge des Wassermangels in eine hitzige Krankheit verfiel; dasselbe Jonathan zu Gen 205נ. Vgl. noch Tosafoth B. Bathra 16b voce שכל; Riskuni zu Gen 2114, Pentateuchtosafoth und Minchat Jehuda ad locum (Da‘ath Zekenim 9a und 10b). Vielleicht nun hängt unsere Kontroverse zwischen R. Ismael und R. Akiba mit dieser agadischen Meinungsverschiedenheit zusammen, so daß R. Ismael vor Jakob keine Krankheit existieren läßt, während es nach R. Akiba auch vor Jakob Krankheit und Schwäche, also auch Altersschwäche gegeben hat. In der Tat ist es in dieser Beziehung sehr beachtenswert, daß der Urheber des Satzes von der Heilkraft des Edelsteines am Halse Abrahams R. Simon b. J 0 c h a i ist, der treueste Schüler R. Akibas.