Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Malkizedek
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 11)
- Language
- German
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103 als die politische. Gewiß haben sie auch manche Kanaanäer als Fromme gelten lassen, so die Freunde Abrahams, Aner, Eschkol und Mamre1, besonders aber den letzteren2. Aber mochte ein Kanaanäer noch so fromm sein, Priester des höchsten Gottes konnte er nicht sein. Das Priestertum gehörte einmal dem Sem3, der ja mindestens auch ein frommer Mann war. Daher erklärten sie eben, Melchisedek war kein Kanaanäer, sondern ein Angehöriger der Familie Sems und zwar — da Sem zu jener Zeit noch am Leben war4 — kein anderer als Sem selbst. Dafür waren wohl auch folgende Momente maßgebend gewesen, wie sie Ephraem zusammenfaßt, dessen Ausführungen zum weitaus größten Teil auch in der jüdischen Agada erhalten sind. ,,Dieser Melchisedek war Sem, welcher die königliche Würde hatte und zu großem Ansehen gelangte, nachdem er der Vater von vierzehn Stämmen geworden war. Auch bekleidete er das Amt eines Hohenpriesters, welches er von seinem Vater Noe in rechtmäßiger Nachfolge empfangen hatte5. Dieser war ferner nicht nur ein Zeit- 1 Gen. r. LVIII 4. 2 Gen. r. XLII Ende, Tan. 3 § וירא, Agadath Bereschith Kap. 19. 3 Segen Noahs Gen 927. Wie ernst dieser Segen im palästinischen Judentum genommen wurde, zeigt der Ausspruch, daß im zweiten Heiligtum deshalb die Schechinah nicht gewohnt, weil es auf Veranlassung Cyrus’, eines Nichtsemiten, erbaut wurde. Joma 9b f. Gen. r. XXXVI 8. Pes. r. Kap. 35, 160a. Diese Auffassung mag wohl der Grund sein dafür, daß R. Jehuda ממלא Gen 1318, 1418 י3נ! im Gegensatz zu R. Nehemiah als Ortsname erklärt. Gen. r. XLI (XLII) gegen Ende (vgl. Onkelos und Jonathan). Er konnte es nicht gelten lassen, daß Gott dem Abraham im Hause eines Kanaanäers erschienen wäre. — Nach dieser Auffassung richtet sich Onkelos, der übersetzt ״er lasse seine Sehe China weilen in den Gotteshäusern Sems“ וישרי שכנתה במשכני דשם. Nach anderer Auffassung aber ist Japheth Subjekt zu וישכון. So in der bekannten Begründung der Zulässigkeit der griechischen Bibelübersetzung: ״die Schönheit Japheths wohne in den Zelten Sems“. Megilla 9b, Jerusch, ibidem I 11, 71b, Gen. r. XXXVI 8. In einer anderen Agada heißt es: ״Die Kinder Japhets werden wohnen in den Zelten Sems“. Vgl. Jonathan z. St. Dieselbe Verschiedenheit der Auffassung auch bei den Kirchenvätern. Vgl. Delitzsch, Neuer Kommentar über die Genesis, S. 195 f. Ginzberg, Die Haggada bei den Kirchenvätern, S. 89 f. Ephraem Syrus weiter unten S. 11 1. Philo kennt beide Auffassungen u. z. so, daß er das eine Mal die erste, das andere Mal die zweite Auffassung vorzieht. ״Wer nach dem Segen in den Häusern Sems wohnen soll, ist zweifelhaft. . . . Dieser (Jakob) war der Ursprung der zwölf Stämme, von denen das göttliche Wort sagt, sie seien ein Königspalast und Priestertum Gottes (Ex 196), in der Nachfolge von Sem als erstem, dessen Segen es war, daß Gott in seinen Häusern wohne. Denn der königliche Palast ist zweifellos des Königs Wohnung, wahrhaft heilig und einzig unverletzlich. Vielleicht aber bezieht sich der Inhalt des Segens auf Japheth in der Art, daß er in den Wohnungen Sems verweile.“ Tiva <51 iv xoTc; oixok; soysxai xoo xaxoixyjaai, axexxsov , . . Outos (Taxooß) xajy oinosxa xaxdpys 1 cpuköiv, de, 01 ypr]C|J.ot ״ßaatXstov xai tspaxsu^a 9805־“ cpaaiv. -stvou, xaxa x/,v ׳irpoc xov tc.owtov Sr/yi dxohoüücav, ou iv xou; oixon; 7jv euyj] xov 9eov 01x7}aa1. BaatXsiov yac; 6 ßaaikhoc; ibj״:out)sv olxoc, 1sp6<; ovtok xai jjiovoc aauXoc;. *Isuk; jisvxo׳ xd xyjc, soyjj־; xai s7cl xov Tdcpeli avacpsp£xo1׳, otiooc, iv xoTc; olxotc; xoü xoir\xa1 xac Btaxpißaq. De Sobrietate § 13 M. I 402. Dagegen lautet Quaestiones II § 76 die Frage: ״Warum heißt es im Gebete für Japheth: Gott mache den Japheth breit und lasse ihn wohnen.im Hause Sems? Gur pro Japheth orans dicit: dilatet deus Japheth et habitare iubeat in domo Sem?“ 4 Vgl. oben S. 96 Anm. 5. 5 Da Sem der Erstgeborene Sohn Noahs war, wie allgemein bei den Kirchenvätern. Vgl. oben S. 96 Anm. 1. Vgl. weiter unten S. 108 Anm. 1.