Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Malkizedek
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 10)
- Language
- German
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102 Exegeten ein und daher gelangten sie, um dieses persönliche Verdienst zu erklären, zu einer überschwänglichen Verehrung Melchisedeks. So heißt es bei Philo: ,,Ferner bezeichnet Gott den Melchisedek als König des Friedens — denn das bedeutet Salem — und als einen Priester, ohne eine Tat von ihm vorher angegeben zu haben; vielmehr hatte er ihn von vornherein solchermaßen königlich, friedfertig und seines Priestertums würdig geschaffen, denn sein Name bedeutet ,,gerechter König“ . . . Aber Melchisedek darf statt des Wassers auch Wein heranbringen und die Seelen tränken und erfrischen, auf daß sie ergriffen werden von dem göttlichen Rausche, der nüchterner ist als die Nüchternheit selbst; denn er ist das priesterliehe Wort, das den Seienden als Los erhalten hat und über ihn hohe, großartige, überwältigende Gedanken hegt; denn des höchsten Gottes Priester ist er (Gen 1418), nicht als ob es einen anderen, nicht höchsten gäbe; denn Gott ist einzig im Himmel oben und auf der Erde unten und keiner ist außer ihm (Deut 439); aber ein nicht niedriges und erdhaftes, sondern hohes, über die Materie hinausgehendes und in der Höhe schwebendes Denken über Gott weckt die Vorstellung des Höchsten“1. Und bei J osephus., der Melchisedek ausdrücklich als einen Kanaanäer bezeichnet2, heißt es: ,,Da kam ihm der König von Sodom an einem Orte entgegen, der des Königs Ebene hieß, wo ihm auch Melchisedek, der König der Stadt Salem empfing. Dieser Name bezeichnet einen gerechten König, und nach dem einstimmigen Urteil aller war er des Namens würdig, weshalb er auch zum Priester Gottes ernannt wurde“3. Die palästinischen Gelehrten aber konnten diesen Weg nicht gehen. Für sie war die theologische Seite der Frage wichtiger 1 Leg. alleg. III 25—26. Cohn I 130 f.: ״Kal MsX^issäsx gaatXsa xe t/Jq sipyjvrj(; — xouxo ydp ep^sveustat — <xal> ispsa ectuzoö ׳rcercoirpcev 0 Oeo; (Geh 148ן), oüBav ep׳|׳ov aoxoc ׳rcpoB1ax׳JTCu>aa;, aXkd xo'.ooxov Ep־fa3cfy1Evo; ßaaikia xal sIpvjvaTov xal UpoiOüvYjc; äfyov'zyjs eaoxou Tcpwxov xaXeizai ך dp ßaaiXsoq; Bixaioq . . . äk־k' 6 piv MsXyigeBex avxl ubc/.xo; oi'vov ־TcpoacpEpsxiü xal 1t0T׳.^sx(1> xal dxpaxiCsxci) 60ydc, ha xaxaaysxot YevcüVTai Oeia v7]<pcAs(1)XEp« v7j<j>E0i; auxf/Q ispso; ־(dp 13x1 Xoyo; yXrjpov sy03v xov dvxa xal ücj>1qXü)<; 7cepl auxou xal b־juspo־)־xa>c xal ^sYaX07cpexcoc A.oy1Cou.svo;’ xoo ydp u(]>1ax0ü laxtv ispso; (Gen 1418), ooy oxi saxi xiq d>Aoc; ooy 5413x0!; — 6 ydp Oso; sfc a>v ״sv xqv oopaveo avw Igzl xal siel xir); ־f/jc xaxw, xal oux sgxiv sxi 7cXyjv orbxoö‘4 (Deut 439) —, dXkd xb u.7] xcacEtvcoc xai y«y1a1C7jX0J£, bTCspyiE'YsOüx; os xal tepauA.00; xal ü47]X0jc; vostv TOpi Osob su.(0o׳atv xoo 0613x00 xivst“. Deutsch von Heinemann in' Schriften der jüdischl-hellenistisclien Literatur III 110 f. — iepeo; ^0י;0ץ das Heinemann durch ״priesterliches Wort“ wiedergibt (Yergl. auch De Cherubim 17. Schriften der jüd.-hellen. Literatur III 176 Anm. 2), wird sonst ,,Priester-Logos“ verstanden. So Siegfried, Philo von Alexandria, S. 229 und besonders M. Friedländer, Synagoge und Kirche in ihren Anfängen, S. 86 f. Vielleicht hat diese Auffassung eine Stütze darin, daß in einer vorchristlichen melchisedelutischen Schrift, die vielleicht älter ist als Philo, Melchisedek das ,,Wort Gottes“ ist, also Logos. Vgl. weiter unten S. 110 Anm. 1. — Zur allegorischen Deutung des Brotes und des Weines (Gen 14ts) vgl. Gen. r. XLIII 1, wo לחם ויין die Thora oder die Vorschriften des Priestertums bedeuten. 2 Bellum VI 10. 3 Antiq. I 10, 2. Daß die Verherrlichung Melchisedelcs antinoxnistischen Ursprungs sei, wie zuweilen behauptet wird, ist mit Rücksicht auf Philo und Josephus unrichtig. Richtig ist es aber, daß der Verfasser des Hebräerbriefes die Magnifizierung des K a n aa näe rs Melchisedek im antinomistischen Sinne verwendete. Vgl. 7R, wo betont wird, daß Melchisedek nicht zur Familie Abrahams gehörte. f0 Bs YsvsaXoyoujJLsvo; e£ aüxd>v <kl>sxdxü)xsv 'Aßpaap..