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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 101

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Malkizedek
Date
1926-01-01
Page
Seite 101 (sequence 9)
Language
German
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101 neit bedeutet1. Warum aber will R. Akiba nicht die Ansicht R. Ismaels anerkennen? Hat er die polemische Tendenz oder den polemischen Ursprung der Behauptung seines Gegners gekannt, warum lehnt er die Deutung R. Ismaels ab? Hat er sie wieder nicht erkannt, wer hätte es sonst? Für wen hat also R. Ismael seine Pfeile abgeschossen? Dieser Weg führt also nicht zur Lösung des Problems2. Es muß also eine andere Lösung gesucht werden. Ich will es im folgenden versuchen. 1. Melchisedek ist Sem. Die älteste Quelle für diese Identifizierung ist der Ausspruch R. Ismaels. Dann wurde sie in der Agada allgemein geläufig3. Da aber R. Ismael selbst die Identität Melchisedeks mit Sem als bekannt voraussetzt, so muß die Sage älter sein. Wie ist man aber zu dieser Identifizierung gekommen? Auf dem Wege der Beantwortung exegetischer und theologischer Schwierigkeiten. Melchisedek war König von Salem, d. i. Jerusalem. Zu der Zeit aber, als die Begegnung Melchisedeks mit Abraham stattfand, waren die Kanaanäer die Beherrscher des Landes4. Ein König, und sei es auch bloß ein Stadtkönig, gehörte aber zum herrschenden Volksstamm. Demnach war Melchisedek ein Kanaanäer. Aber Melchisedek war ein Priester des höchsten Gottes. Wie konnte nun ein Kanaanäer Priester sein, wo doch das Priestertum dem Sem verheißen wurde5? Zur Lösung dieser Frage gab es zwei Möglichkeiten: entweder man beließ Melchisedek sein Kanaanäertum und erklärte sein Priestertum aus persönlichem Verdienst, oder man machte Melchisedek zum Angehörigen der Familie Sems und erklärte sein Königtum auf irgend eine Weise. Den ersteren Weg schlugen die hellenistischen 1 Vgl. Seb. 103a. 2 Israel Levi, REJ. VII S. 159 f. lehnt, ohne jedoch Gründe anzngeben, Frie^lländers Erklärung ab und gibt seinerseits zwei Erklärungen: 1. Die Identifizierung Melchisedeks mit Sem hat denselben Sinn wie die geläufigen Erklärungen in der Agada: X ist Y. 2. In der Bibel verkehrt Abraham mit Melchisedek, in der Tradition verkehrt er mit Sem, folglich — so sagten sich die jüdischen Gelehrten — sind Melchisedek und Sem eine und dieselbe Person: ,,II est bien plus probable qu’ils ont obei lä au meme besoin de simplification qui leur faisait dire que Cousch, Nemrod et Amrafel, Cyrus, Darius et Artaxerxes sont une meme personne. D’ailleurs Abraham, d’apr&s la tradition,' ayant ete en relations avec Sem, homme de Dieu, et, d’apres la Bible, avec Melchis&iec, pretre du Tres-Haut, il n’en fallait pas plus pour affirmer que ces deux personnages sont un seul homme. Aber diese beiden Erklärungen sind unhaltbar. Erstens bei den von Levi als Beispiel angeführten und bei vielen anderen ähnlichen Identifizierungen handelt es sich um Augenblickseinfälle witziger Deutung, die, für den Moment erzeugt, keine Spuren hinterlassen haben. In unserem Falle aber handelt es sich um eine weitverbreitete Sage, die daher einen tieferen Ursprungsgrund beanspruchen darf. Zweitens in der Tradition verkehrt Abraham mit Sem dort, wo er in der Bibel mit Melchisedek verkehrt; dies setzt also schon die Gleichung Melchisedek Sem voraus. 3 Aboth R. Nathan Kap. 2, vgl. Gen. r. XLIII 1. Gen. r. XLIV 7. Tan. 15 § לך (ed. Buber § 19). Gen. r. LVI 10. Mid. Ps. 76 § 3. Pirke R. Elieser Kap. 27. Jonathan und Fragmententargum Gen 14lg. Mid. Ps. 37 § 1 in edd. Handschriften bei Buber und Ja!. ha־Machiri Ps. 37 § 2. Num. r. IV 8. Pirke R. Elieser Kap. 8. Targum I Ghr. 124: שם כד,גא רבא. 4 Gen 12e; 13?. 6 Gen 927.

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