Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Malkizedek
Date
1926-01-01
Page
Seite 100 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829935-2829938-2833129--46766-2833193
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

100 der das Priestertum dem Sem verhieß? Und wäre nicht Melchisedek so ungeschickt gewesen, den Abraham früher zu begrüßen als Gott, so wäre das Priestertum bei den Kanaanäern geblieben! Israel verdankt also das Priestertum einer Ungeschicklichkeit oder Taktlosigkeit des Kanaanäers Melchisedek! Konnte dies je ein Jude gesagt haben und ein jüdischer Gelehrter, der selbst der Sohn eines Hohenpriesters war1?! Und welchem Zwecke sollte diese schwere Herabwürdigung des ahronidischen Priestertums und Beleidigung des gesamten Judentums dienen? Um zu sagen, daß Melchisedek nicht immer Priester war? Und dies alles in einer Polemik gegen die Herabsetzung des ahronidischen Priestertums?! 3. R. Ismael macht mit seiner Behauptung, daß Sem das Priestertum genommen wurde, vollen Ernst, da er sie auch in einer Erörterung verwendet, bei der der Verdacht einer Polemik gar nicht aufkommen kann. Wir finden nämlich in bezug auf die Frage, wie Abraham die Art ergründete, wie die Beschneidung vollzogen werden soll, folgende Kontroverse zwischen R. Ismael und R. Akiba. R. Ismael meint: Abraham war ein Hohenpriester; so wußte er, daß die Beschneidung an einem Körpergliede zu vollziehen ist, wo die Verminderung durch die Entfernung der Vorhaut keine Verstümmelung bedeutet, die ihn für das Priesteramt untauglich machen würde. Daher konnte er weder die Vorhaut des Ohres, noch die des Mundes, noch die des Herzens beschneiden. Dasselbe sagt R. Akiba, nur meint er, Abraham habe deshalb eine Verstümmelung seines Körpers vermeiden müssen, weil ihm Gott gesagt hat ,,sei vollkommen“ (Gen 17!)2. Beide Gegner sind also in der Hauptsache einig, daß für Abraham die Erhaltung seiner körperlichen Unversehrtheit maßgebend war; woher nun die Verschiedenheit in bezug auf den Grund für die Erhaltung der körperlichen Vollkommenheit? Daß R. Ismael die Ansicht R. Akibas ableimt, ist begreiflich, da תמים Gen 17! dem einfachen Wortsinn nach moralische Vollkommen- 1 Vgl. Tosefta Haila I 10. Bacher, Ag. Tan. I 267 Anm. 4. Schon früher Frankel, Darche ha-Mischnah 106 Anm. 9. R. Ismael Sohn eines Hohenpriesters Aboth R. Nathan Kap. 38. Vgl. Mid. Ps. 9 § 13, Beth ha־Midraseh ed. Jellinek II 66, VI 20. In den letzteren Quellen, sowie im handschriftlichen Aboth R. Nathan bei Schechter 57b wird auch Ismael selbst als Hohenpriester bezeichnet. 2 Gen. r. XLVI 5: ר׳ ישמעאל. (Gen 17h ואתנה בריתי ביני ובינך ור׳ עקיבא. ר" ישמעאל אומר אברהם״כהן גדול היה, שנאמר נשבע ה׳ ולא יגחם אתה ונאמר להלן ונמלתם את בשר ערלתכם (Ps 1104) בהן לעולם עלדברתי מלכי צדק אם ימול מן האזן אינו כשר להקריב, מן הפה אינו כשר להקריב, מן הלב אינו ,(Gen 1("ל כשר להקריב, מאיכן ימול ויהא כשר להקריב, הוי אומד זו ערלת הגוף. ר׳ עקיבא אומר. ונאמר ערלה בפה, (Jer 610) ארבע ערלות הן. נאמר ערלה באוזן, שנאמר הנה ערלה אזנם ,(.Ter 925) ונאמר ערלה בלב, וכל בית'ישראל ערלי לב ,(Ex 63n) הן אני ערל שפתים אם ימול מן האוזן אינו תמים, מן הפה ,{Gen 1ונאמר לו התהלך לפגי והיה תמים (3ל אינו תמים, מן הלב אינו תמים, מאיכן ימול ויהא תמים, הוי אומר זו ערלת הגוף• Lev. r. XXV 6. Vgl. noch Tan. 16 § לך. — In dem Ausspruche R. Akibas findet Weiß, Zur Geschichte der Jüd. Tradition II 112 Anm. 1, und — wie es scheint — auch Bacher, Ag. Tan. I 300 Anm. 6, eine polemische Spitze gegen das Christentum, das die Beschneidung verwirft. Dies ist in demselben Sinne richtig, wie die Behauptung, daß das Rezept eines Arztes eine Polemik gegen die Naturheilmethode sei. Dann aber könnte dasselbe auch von dem Ausspruche R. Ismaels gesagt werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.