Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Malkizedek
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 7)
- Language
- German
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99 werden müssen, daß das Priestertum dem Melchisedek genommen und dem A h r o n gegeben wurde. 2. Enthält unsere Talmudstelle eine Polemik gegen den Melchisedek des Hebräerbriefes, so bleibt es ganz unbegreiflich, wie der Agadist in einem Atemzuge den Melchisedek herabsetzen will und ihn zugleich im höchsten Maße auszeichnet, dadurch, daß er ihn mit Sem identifiziert. Friedländer erklärt, ohne diesen Widerspruch zu empfinden, daß die Identifizierung Melchisedeks mit Sem ein Protest ist gegen die Stelle im Hebräerbrief, in der gesagt wird, daß Melchisedek ohne Vater und ohne Mutter war und ohne Genealogie. Aber als Protest dagegen hätten Gegner nicht eine solch vornehme Abkunft für Melchisedek gesucht. Entweder hätten sie in der derben Weise protestiert, wie sie Epiphanius erwähnt und wie Friedländer selbst an einer früheren Stelle seines Aufsatzes es versteht* 1. Oder sie hätten, wenn sie schon gar nobel sein wollten, für Melchisedek irgendein unbedeutendes Elternpaar gefunden, wie es die Kirchenväter getan2. Nun könnte man folgendes sagen: Die Polemik war ursprünglieh gegen den genealogielosen Melchisedek gerichtet, später aber, nachdem er mit Sem identifiziert wurde, drang auch in die Polemik Sem an Stelle von Melchisedek ein. Aber auch diese Annahme ist unmöglich. Denn in diesem Falle sagt der Agadist, daß Gott das Priestertum von einem Kanaanäer ableiten wollte, von einem, auf dem der Fluch der Sklaverei lastete! Und wo bleibt der Segen Noahs, kommt, welcher nicht nach dem Gesetz des fleischlichen Gebotes gemacht ist, sondern nach der Kraft des unendlichen Lebens. Denn er bezeugt: ,,Du bist ein Priester ewiglich, nach der Ordnung Melchisedeks“. Denn damit wird das vorige Gesetz aufgehoben, darum, daß es zu schwach, und nicht nütze war.“ Zu dieser Stelle vgl. weiter unten Abschnitt 4 Ende. 1 REJ. V 4. Aber auch an dieser Stelle selbst weiß Friedländer, daß die Juden Melchisedek mit Sem identifizierten, und doch hält er es für wahrscheinlich, daß die Juden Melchisedek für den Sohn einer Buhlerin erklärten I Wie dies möglich war, darüber macht sich Friedländer keine Gedanken. Es ist wichtig, seine Ausführung wörtlich hierherzustellen: ״Nous. apprenons encore par Epiphane que, de son temps, les Samaritains pretendaient que Melchisedec etait identique ä Sem, fils de Noe, opinion qui est aussi tr&s;röpandue dans ha litterature talmudique, que, de plus, il y avait che z les Juifs une opinion suivant laquelle Melchisedec etait un homme honorable et pretre du Dien eleve, mais que sa mere avait ete une courtisane, et que c’etait pour cela quäl etait sans m$re ni p£re, c’est-ä-dire que sa mere et son pere n’ötaient pas nommes (ch. VII). Quoique nous ne puissions pas retrouver cette opinion dans la litterature talmudique, il n’est pas invraisemblable que ies Juifs la produisaient pour repondre ä ceux qui voulaient faire de Melchisedec le representat d’un sacerdoce eternel et de Jdsus un pretre de l’ordre de Melchisedec, ou aux Melchisedeciens qui leur montraient la ,,grande force“ incarnee dans leur Melchisedec qui n’a ni pere ni mere.“ 2 Nicht alle Kirchenväter fanden dieselben Eltern Melchisedeks: 1. Vater: Melchi, Mutter: Salem. Athanasius, M. XXVIII 523. 2. Vater: Herakles, Mutter: Astaroth. Epiphanius, Adv. Haer. LV 2. 3. Vater: H e r a c 1 i m , Sohn des Peleg, Mutter: Salat hiel, Tochter Gomers. Arabische Catena, Fabricius, Codex pseudoepigraphus V. T. I 328. 4. Vater: M a 1 a c h (Sohn des Arpachsad), Mutter: J ozadak. Schatzhöhle, S. 28/29. 5. Vater: K a i n a n , Enkel Sems. Christliches Adambuch 109, 112. 6. Vater : Josedek, Mutter: Salem. Anecdota Graeco-Byzantina ed. Vasiliev I 206. 7. Vater: Sidon, Sohn Mizraims, Mutter unbekannt. Glycas und Cedrenus bei Fabricius a. a. O., S. 325. 7♦