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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 98

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Malkizedek
Date
1926-01-01
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
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98 der Ahnen Abrahams, und zwar mit dem vornehmsten derselben, mit Sem, wie Epiphanius sagt. Hat nun die Angabe des Epiphanius in bezug auf die Samaritaner volle Richtigkeit, so kann auch die Echtheit seiner Angabe in bezug auf die Juden nicht bezweifelt und muß als Tatsache angenommen werden. Also stehen zwei Tatsachen einander gegenüber: die eine von der Agada, Hieronymus und gewiß auch von Ephraem1 bestätigte Auffassung, Melchisedek sei identisch mit Sem, dem Sohne Noahs, und die Angabe Epiphanius'. Der Knoten ist also verworren genug. ,Ich will nun seine Lösung versuchen. Was zunächst die Talmudstelle betrifft, so haben moderne Forscher in ihr eine polemische Spitze gegen den Hebräerbrief gefunden, in dem das Priestertum des Melchisedek als Prototyp desjenigen Jesu eine bedeutende Rolle spielt2. Diese Auffassung aber, so bestechend sie auch auf den ersten Blick erscheint, ist aus mehreren Gründen unmöglich. 1. Als Polemik gegen die fragliche Stelle im Hebräerbrief ist die Spitze allzu stumpf. Dadurch, daß das Priestertum dem Melchisedek genommen und Abraham gegeben wurde, wird die be־ treffende Stelle im Hebräerbrief nicht im geringsten getroffen. Da an derselben Stelle in demselben Zusammenhang die abrahamitische Abstammung Jesu betont und bloß das Priestertum Jesu höher gestellt wird als das Ahrons3 Als Polemik dagegen hätte gesagt 1 Vgl. w. unt. Text und Anmerkungen. 2 M. Friedländer, REJ VI 191. Bacher, Ag. Tan. I 267. Goldfahn, Monatsschrift 1873 S. 265 meint, die Polemik sei gegen Ausführungen Justin Martyrs gerichtet. 3 Hebräerbrief VI 20 bis VII 18: Dahin der Vorläufer für uns ein־ gegangen, Jesus, ein Hoherpriester worden in Ewigkeit, nach der Ordnung Melchisedeks. Dieser Melchisedek aber war ein König zu Salem, ein Priester Gottes, des Allerhöchsten (der Abraham entgegen ging, da er von der Könige Schlacht wiederkam, und segnete ihn, welchem auch Abraham gab den Zehnten aller Güter). Aufs erste wird er verdolmetscht ein König der Ge־ rechtigkeit; darnach aber ist er auch ein König zu Salem (das ist ein König des Friedens); ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlecht, und er hat weder Anfang der Tage, noch Ende des Lebens: er ist aber verglichen dem Sohne Gottes, und bleibt Priester in Ewigkeit. Schauet aber, wie groß ist der, dem auch Abraham, der Patriarch, den Zehnten gibt von der eroberten Beute! Zwar die Kinder Levi, da sie das Priestertum empfangen, haben sie ein Gebot, den Zehnten vom Volk, das ist von ihren Brüdern, zu nehmen, nach dem Gesetz, wiewohl auch dieselben aus den Lenden Abrahams gekommen sind. Aber der, dessen Geschlecht nicht genannt wird unter ihnen, der nahm den Zehnten von Abraham, und segnete den, der die Verheißung hatte. Nun ist es ohne alles Widersprechen also, daß das Geringere von dem Besseren gesegnet wird. Und hier nehmen den Zehnten die sterbenden Menschen; aber dort bezeugt er, daß er lebe. Und daß ich also sage, es ist auch Levi, der den Zehnten nimmt, verzehnt durch Abraham. Denn er war ja noch in den Lenden des Vaters, da ihm Melchisedek entgegen ging. Ist nun die Vollkommenheit durch das Levitische Priestertum geschehen (denn unter demselbigen hat das Volk das Gesetz empfangen): was ist denn weiter not zu sagen, daß ein anderer Priester aufkommen solle, nach der Ordnung Melchisedeks und nicht nach der Ordnung Aarons 1 Denn wo das Priestertum verändert wird, da muß auch das Gesetz verändert werden. Denn der, von dem solches gesagt wird, ist aus einem anderen Geschlecht, aus welchem nie einer des Altars gepflegt hat. Denn es ist ja offenbar, daß von Juda aufgegangen ist unser Herr, zu welchem Geschlecht Moses nicht geredet hat vom Priestertum. Und es ist noch klarer, so nach der Weise Melchisedeks ein anderer Priester auf-

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