Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Malkizedek
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 5)
- Language
- German
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97 Sem, der Sohn Noahs1, heißt es bei Epiphanius: ,,Die Juden wiederum behaupten, dieser (Melchisedek) sei wohl gerecht und gut gewesen und Priester des Höchsten ... da er aber der Sohn einer Buhlerin gewesen sei — sagen sie — seine Mutter nicht aufgezeichnet worden und der Vater unbekannt gewesen . . .2 Die Samaritaner aber meinen, er sei Sem“3. Freilich wäre man hier versucht — und die Lockung ist allzu mächtig — die Schwierigkeit einfach dadurch aus der Welt zu schaffen, indem man erklärt, Epiphanius habe die Ansichten der Juden und der Samaritaner miteinander verwechselt. So in der Tat Ginzberg4, der dafür noch geltend macht, daß die Samaritaner in ihrem Hasse gegen Jerusalem, welches schon in alter Zeit unter Salem verstanden wurde5, die Abstammung seines ersten Königs verunglimpfen wollten. Dieses Argument ist auf den ersten Blick mächtig, glänzend, bei näherem Zusehen aber verwandelt es sich in ein Gegenargument. Wir wissen nämlich, daß die Samaritaner behaupten: Melchisedek war Priester des Tempels auf dem Berge Garizim, in dessen Nähe seine Begegnung mit Abraham stattfand6. Die Samaritaner konnten daher unmöglich die Herkunft des Mannes, den sie zur Verherrlichung ihres Heiligtums für sich reklamierten, auf solche Weise verunglimpfen. Vielmehr ist es höchst wahrscheinlich, daß sie ad maiorem templi sui gloriam dessen ersten Priester auf alle mögliche Weise zu verherrlichen suchten. Auch noch andere nationale Momente spielten dabei mit. Die Samaritaner behaupteten nämlich mit aller Bestimmtheit gegen die Juden, sie wären kein Mischvolk, sondern von rein abrahamitischer Abstammung, das echte Israel7 * * * II. Daher mußten sie alles zu vermeiden suchen, was an eine Mischung erinnern könnte, und daher identifizierten sie Melchisedek mit einem 1 III 137 D: Aiunt Iiunc esse Sem, filium Noe, et subputantes annos vitae ipsius ostendunt eum ad Isac usque vixisse. Zu letzterer Angabe vgl. oben S. 96 Anm. 3. 2 Adv. Haer. 55, 7: ,Iouocdoi rcaXiv waaxouaiv xov toioutov oixatovyisv sNat xat orfafrov xai •epsa xoo ucjdaxou ... Bia 03 xo oiov aoxov eiva׳. xopvT](;, cpaai, xrjv y1y]X3pa c/.u~oo \±7ן ys-fpacpB-at 03ן17ן tov xaxspa auxoo •pYV(l)axs38־a1. 3 Adv. Haer. 55, 6: Saaapetxai y.sv ylp xouxov vo^llCousiv sTvai iuov xoo Nojs xov 27} {J.. 4 Ginzberg, Die Haggada bei den Kirchenvätern, Monatsschrift XLIII S. 497. 5 Josephus, Antiq. I 10, 2; Bel. VI 10. Onkelos, Jonathan und Fragmententargum zu Gen 14!*. Gen. r. XLII 6 (XLIII 1), LVI 10. Mid. Ps. 76 § 3. Schon Ps 763. 6 Interpolation bei Eupolemos (Eusebius, Praep. Ev. 17, 9, 419a)// •!!־sviafHjvai x3 aoxov üko tüoXscoc tspov cApYaptC1v, u sTvai |j.s9’3pj1.r)V£üöj1svov 0p0Q : 7capd 03 xoo Mel^icsBsx hpsoo; ovxoq xou 0305 xal ßasilsuovxo^ XaßsTv Ba>pa. So auch der zum Heidentum übergetretene samaritanische Philosoph Marinos. S. Freudenthal, Hellenistische Studien I 85 f. Vgl. auch Schürer, Geschichte III3 359. 7 S. Kohn, De Pentateucho Samaritano, S. 53 f. Samaritanische Studien, S. 91 f. Auf diesem Standpunkte standen die Samaritaner den Juden gegenüber; nach außen wechselte ihre Genealogie mit dem Wechsel der Verhältnisse der Juden. Ging es den Juden schlecht, so waren die Samaritaner Fremde und wollten von einer Verwandtschaft mit den Juden nichts wissen, besserte sich die Lage der Juden, dann erklärten die Samaritaner, sie stammten von Ephraim und Menasse her. Jos. Antiq. IX 14 Ende, XI 8, 6 (Niese II 327 § 291, III 69 § 341). Monatsschrift, 70. Jahrgang. ל