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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 92

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
Date
1926-01-01
Page
Seite 92 (sequence 18)
Language
German
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92 die Konstitution des 3. Mai. Er war gleichsam prädestiniert, die Reformen der Juden einzuleiten. Als scharfer Beobachter hatte er Gelegenheit, die jüdischen Verhältnisse in Frankreich und Polen kennen zu lernen. Nach dem Urteil Kolontajs nahm er sich ihrer an, weil die übrigen Reformen mit der jüdischen in engem Zusammenhange standen. In Warschau nahm er mit jüdischen Vertretern einzelner Gemeinden Fühlung und arbeitete 1791 ein Projekt aus, das er dem Könige vorlegte, und dieser in einzelnen Punkten änderte. In mehreren Versammlungen der jüdischen Deputierten suchte er sie zu einmütiger Annahme des kgl. Projekts zu. veranlassen. Die litauischen Delegierten hielt er für die vernünftigsten. Diese aber zögerten mit der Entscheidung unter dem Vorwände, daß die Unterschrift des Wilnaer Rabbiners fehle. Dieser Unterzeichnete nicht, weil Fürst Radziwil es ihm verbot. P. bat den Monarchen, Radziwil hierzu geneigt zu machen, weil die Sache dem wahren Wohle des jüdischen Volkes diene. Von den Juden forderte er für die Gewährung von Rechten die Bezahlung der kgl. Schulden in Höhe von 20 Millionen. In dem auf Anraten P/s ausgearbeiteten Memorial baten sie den König, Grunderwerb, Häusererwerb, eigene Gerichtsbarkeit und eigenen Stand in den Städten zu gestatten. Das Projekt P/s unterstützte diese Forderungen auch bei den Mitgliedern der Reichstags-Kommission für jüdische Angelegenheiten. Aber die Arbeiten der Kommission kamen nicht vorwärts. Die Aristokratie widersprach. Der Krakauer Bischof zürnte dem Könige, weil er in allem auf den Italiener höre. Besondere Schwierigkeiten boten der Kommission die Ordnung der Zivilstreitigkeiten unter den Juden, die Fleischabgaben und die Entschädigung für Ländereien. Um nicht die Rechte der Städter und Landbewohner zu schmälern, machte P. Konzessionen und meinte, daß die Bezahlung der Schulden des Königs seitens der Juden die Verwirklichung der politischen Seite seines Projekts ausmachen werde. Den Juden werde bei der Durchführung des Planes wenn auch nicht völlige Freiheit, so doch Schutz vor Willkür geboten werden. P. bat den König, ihm einige anerkennende Worte schriftlich zu geben, um die Vornehmsten des Reichstags zu gewinnen. Zu den Gegnern gehörten auch die Städte. P. arbeitete eifrig daran, das Projekt vor das Plenum des Sejms zu bringen, da König und Volk besonders daran interessiert seien. Er meinte, der König sollte die Vertreter der Städte zur Zu- Stimmung veranlassen. P. erlebte eine Enttäuschung. Die Städter forderten rücksichtsloses Schankverbot für die Juden in den Städten. Auch in der Kommission stieß P. auf persönliche Interessen. In einem engeren Komitee wollte man wiederum zuerst die öffentliche Meinung hören. P. verlor nicht den Mut. Die russische Heeresmacht erschien an der Grenze. Er wollte noch schnell sein Projekt durchbringen und so eine Million brauchbarer Leute an den Staat knüpfen. Das Projekt wurde gedruckt und an die Abgeordneten verteilt. Ein Exemplar liegt im Museum.Czartoryski. Der König war dafür, viele Abgeordnete dagegen, weil im Augenblick Krieg sei. Am 29. Mai 1792 unterbrach der Sejm seine Arbeiten und rief das Volk zu den Waffen. Das Projekt war niemals mehr Gegenstand der Beratung.

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