Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 91 (sequence 17)
- Language
- German
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91 Zweifel Freudenthals (Aus der Heimat Mendelssohns, Berlin 1900, S. 299) gelöst. Juden in Masovien werden 1512 erwähnt (Berschadski, Russisch־■]üd. Archiv III 105), 1519 werden solche aus Plozk, Sochaczew und Plonsk namhaft gemacht (das. S. 140). Die Judenschaft des Herzogtums bildete im 16. Jahrhundert einen integrierenden Bestandteil der großpolnischen (meine Abhandlung ,,Die Landessynode der großpolnischen Judenschaft“, Ende des zweiten Kapitels)1. Ob der Familienname Isaac Masia's, 1594 Drucker in Tannhausen (Jewish Encyclopedia XII 312), von Masovien oder ,,vom See“ (Bodensee), wie David Kaufmann will, abgeleitet werden muß, wage ich nicht zu entscheiden. Balaban (historja i literatura zydowska III 156) erwähnt ein fürstliches Aus- Weisungsdekret für die Juden in Warschau bereits für 1483. Im 14ten oder löten Jahrhundert gab es jüdische Geldverleiher im Czersker Land, die aus Warschau und Blonia stammten (Schipper, Studya nad stosunkany gospodarczymi zydow w Polsce, Lemberg 1911, S. 133). Ueber Judaisieren in der Wloclaweker Diözese im 14. Jahrh. und 1471 s. Monatsschr. f. Gesch. u. Wiss. des Judent. 1905 S. 744. Der Landtag von Sochaczew schuf 1426 und 1455 rechtliche Grundlagen für Geldgeschäfte der Juden mit den ,,Inländern“. Die Rechts- Verhältnisse der Juden regelte das Statut des Herzogs Boleslaw von Warschau und Czersk vom J. 1446, welches mit dem Boleslausschen Privileg von 1264 ziemlich übereinstimmte (Meisl, Gesch. d. Jud. in Polen u. Rußl. I 99). 1576 wird der Jude Felix in Ciechanow erwähnt (Mathias Bersohn, Dyplomatarvusz, S. 100), 1557 der jüdische Friedhof in Dobrzyn (an der Weichsel?) (das. S. 64), seit dem 15. Jahrhundert Juden in Gostynin (Schipper S. 153, Bersohn S. 229, Meisl, Gesch. d. J. in Polen u. Rußl. I 193), 1494 in Lomza (Balaban, Juden in Krakau S. 264), 1505 in Opoczno (Berschadski III 62), 1555 in Pietrkow (Jahrbuch d. hist. Gesellsch. f. d. Netzedistrikt, Bromberg 1894, S. 35), 1501 in Rawa (Bersohn S. 223) und 1426—55 im Sochaczewer Lande (Schipper S. 263 f.). Eine Ueberlieferung berichtet 1916 vom vierhundertjährigen Bestehen der Synagoge in Wyszegrod (Süddeutsche Monatshefte XIII, München und Leipzig 1916, Heft 5 S. 815). In Warschau wurden 1570 und 1580 die Verbote jüdischer Niederlassungen erneuert (Meisl S. 186), ein Zeichen dafür, daß sie umgangen wurden. 1596 fielen dort Märtyrer (Zunz, Literaturgeschichte S. 421, 427). 1919 erschien J. K. Kochanowski, Codex diplomaticus et commemorationum Masoviae generalis (Bd. 1, bis zum Tode Conrads I.). Daselbst II 321 ff.: Gelber, Fürst Piattoli und die Judenfrage auf dem großen Reichstag (1788—92). Eine überaus interessante Abhandlung. P. stammte aus Florenz, kam als Erzieher der Kinder des Starosten Potocki nach Polen und nach kurzer Zeit in gleicher Eigenschaft im Hause des Fürsten Lubomirski nach Frankreich, wo er Zeuge der ersten Tage der Revolution war. 1790 ging er nach Warschau und nahm als königlicher Sekretär lebhaften Anteil an den Reformen des vierjährigen Reichstages und den Arbeiten für 1 Erscheint 1926 als Beiheft zur MGWJ.