Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 16)
- Language
- German
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90 fehlen. Erst im 14ten Jahrhundert haben sich Juden in Masovien angesiedelt, mit Ausnahme von Plozk, das bereits im Anfang des 13. Jahrhunderts sie aufweist. 1414 werden sie zum ersten Male in historischen Quellen erwähnt. Bereits 1425 ist ein autonomes jüdisches Leben festzustellen. In demselben Jahre finden sich Juden in Wyszegrod. 1430 wird in Warschau zuerst eine platea Judaeorum in der Nähe vom Altstadt-Ring gegenüber oder in der Nähe der städtischen Mauer erwähnt. 1522 wird das Synagogen-Territorium fürstlicherseits verschenkt. Der Friedhof lag neben dem christlichen unweit der Stadt am Ende der Johannesstraße gegenüber dem Schlosse. 1483 kam er in das Eigentum der Johanneskirche. Die Judenstraße wurde nicht ausschließlich von Juden bewohnt, auch wohnten Juden außerhalb ihrer. 1527 wurde ihnen verboten, in Alt- und Neu-Warschau sich anzusiedeln, außer in den Vorstädten. 1564 wurden sie vertrieben; nur der Zöllner Moses und seine Familie durften bleiben. Von 1414 bis 1434 wird der Jude Lazarus genannt, der עזרא zeichnet; er stand als Gläubiger mit Adligen in geschäftliehern und gesellschaftlichem Verkehr. 1423 zahlte er sechs Gulden Steuer zu Händen des Fürsten. Die finanziellen Operationen führte er in Gemeinschaft mit anderen Juden durch. Seine Schuldner waren hochstehende Personen. Pfänder waren auch die Güter der Adligen, unter denen einmal ein Erbgut durch Verpfändung sein Eigentum wurde. Er und die anderen Warschauer Juden befaßten sich auch mit Vieh- und Holzhandel. Auch christliche Geldgeber hatte er. Beim Warschauer Landgericht saßen 1428 in einem Prozeß zwischen Lazarus und einem Edelmanne zwei jüdische Assessoren. Isaak, der 1429 bis 1463 genannt wird, brachte seine Gelder hauptsächlich bei Adligen unter. Sie erreichten die beachtenswerte Summe von 220 Mark. Er war damals der reichste Warschauer Jude. Oßfa (korrumpiert aus Jesaja?)1, 1447 bis 1471 in Warschau Gläubiger von Adligen, trieb hauptsächlich Handel, besonders nach Danzig. Er stand in Geschäftsverbindung‘mit dem Judendoktor David, einem Danziger Kaufmann. Nach 1464 wird eine Synagoge erwähnt. Ein Judengericht (s^d zydowski), zusammengesetzt aus jüdischen Assessoren, dem Schreiber und dem Vize-Prokurator, urteilte über einen Streit zwischen zwei Juden. Ein anderer Geld Verleiher Lazarus oder Joachim borgte 1441 bis 1470 auf Pfänder. Ein anderer war 1457 bis 1460 ein vielgereister Kaufmann. 1454 fand aus Anlaß des Auftretens Capistranos in Krakau auch in Warschau eine Juden- Verfolgung statt. Die masovische Fürstin Anna hatte die Predigten des Mönchs in Krakau gehört, gründete in Warschau einen Konvent der Bernhardiner, deren Orden Capistrano angehörte, und brachte einen Schüler des letzteren mit. Die Bernhardiner hetzten gegen Häretiker und Ungläubige. Mord, Plünderung und Zerstörung des Friedhofs waren die Folgen. Die Fürstin verhielt sich passiv. Hierzu sei bemerkt, daß Masovien in jüdischen Quellen seit dem 16. Jahrhundert 0אף heißt (Graetz-Rabbinowitz, לבדי ימי ישראל VII, •Warschau 1899, Anhang S. 11 f.); hierdurch wird der 1 Vgl. יוספא und אפם in Grunwald, Mitteil. z. jüd. Volkskunde, Wien 4911, S. 15.