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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1926-01-01 · Heft 2 · p. Seite 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
70 (1926)
Issue
Heft 2
Article
Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
Date
1926-01-01
Page
Seite 85 (sequence 11)
Language
German
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־85 19ten Jahrhunderts setzte die Auswanderung der litauischen Karäer nach der Krim ein; die Luzker ■riefen dort eine neue literarische Bewegung hervor. Simcha Isak Luzki siedelte sich in Tschufut Kaie an und schrieb viele Hymnen und Abhandlungen. Gedruckt wurde in Eupatoria sein אור החיים zum עץ חיים und in Wien 1830 sein אורח צדיקים, eine kurze Geschichte des Karaismus und Bibliographie seiner Schriften; fehlerhaft, aber die erste. Josef Salomon aus Luzk, Chacham in Eupatoria in den zwanziger bis vierziger Jahren, schrieb תשועת ישראל über die Reise einer karäischen Deputation nach Petersburg zwecks Befreiung vom Militärdienste sowie Hymnen und Gebete. Die in der Krim lebenden Luzker und Trokier stifteten einen Fond für die Herausgabe früherer karäischer Werke. Bei der Edition solcher Handschriften war Korrektor und Herausgeber David ben Mordechai aus Kukizow, Verfasser des צםח דוד. Zu den Luzker Emigranten gehörte Mordechai b. Josef Sultanski, Verfasser des 1772 ,זכר צדיקים in L. geboren, wo sein Vater Chacham war. Seine Vorfahren wohnten in Halicz. Im 14ten Jahre begab er sich nach Kaie in der Krim, wo er Lehrer, sodann ältester Chasan der Gemeinde war, zuletzt in Gosfaw und Cherson, wo er 1862 starb; Verf. von פתח תקלח (Grammat.), Gosiaw 1857, תטיב דעת (Gott, Seele, Philosophie, Religion und ihre Wechselbeziehungen), daselbst 1859; hinterließ eine Chronik, die 1920 veröffentlieht wurde. Aus Luzk stammte auch der bekannte Abraham Firkowitsch. Troki ist das Haupt und vielleicht die älteste (? siehe oben Lemberg!) Karäergemeinde auf polnischer Erde. 1388 werden Juden daselbst erwähnt. Die karäische Gemeinde besaß das Magdeburger Stadtrecht (damals Unicum!) auf Grund dreier Privilegien der Könige seit 1441. Sie hatten die Verwaltung der halben Stadt inne, während in der christlichen die Rabbaniten wohnten. Bereits 1646 und noch 1810 gab es zwischen ihnen Prozesse. Sie forderten mehrfach die Entfernung der rabbanitischen Minderheit. Gemäß den genannten Privilegien entschied bei Streitigkeiten unter ihnen der königliche Woyt (Vogt), der dem Großfürsten verantwörtlich war. Ihm zur Seite stand ein Karäer. Der Woyewode richtete bei der Klage eines Litauers gegen einen Karäer und bei solchen von Juden untereinander. Wurde ein Leibeigner oder Adliger im Territorium der Judenstadt auf frischer Tat ertappt, so unterlag er dem jüdischen Gericht nur mit Genehmigung des ,Woyewoden. Karaiten zahlten einmal im Jahre Zins; von allen anderen Abgaben waren sie frei. Für die Bedürfnisse des Staates zahlten sie gleich den mit Magdeburger Recht begabten Städten. Sie erhielten die halbe Einnahme aus der Stadtwage und der Wachspresse. 1492 wurden ihre Rechte durch den Großfürsten Alexander noch erweitert. Sie wurden von Mauten, Brückenzöllen, Wegezöllen, Feuerwachen und Arbeitsleistungen auf kgl. Feldern befreit und durften Waren frei durch ganz Litauen führen. 1507 wurde ihnen die Hälfte der Einkünfte des Tuchhandelshauses und des Instituts der Träger zugesprochen. Ihren Vogt ernannte unter Zustimmung des Großfürsten der Trokier Woyewode, der auch ihre obere Instanz bildete. Sie waren nicht in einem Kahal organisiert, sondern in einem städti-

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