Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829935-2829938-2833128--46748-2833177- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
84 wie Krochmal, Reggio, Luzzatto, Bloch u. a., lieferte auch Abraham Geiger eine Handschrift für dessen ״Melo Chofnajin“. Sein Sohn Josef Leonowicz erwirkte beim Kaiser Franz Josef, daß die jungen Karäer während ihrer Soldatenzeit nur Sanitätsdienste zu leisten hatten. Er korrespondierte mit den Größen seiner Zeit. Die den Haliczern von Abraham Firkowicz gegebenen תקנות hat Jellinek herausgegeben. Die Synagoge ist in ,,Ost und West“ abgebildet. Ob sie ein Opfer des Weltkrieges wurde, ist unbekannt. Die karäische Gemeinde in Luzk (Litauen) ist ebenso alt wie die anderen in Polen. 1790 behauptete sie, daß sie bereits 1388 von Witold ein Privileg erhalten hätte, aber aktenmäßige Erwähnung geschieht ihrer erst 1506. Seit damals ging sie mit den Rabbaniten behufs Wahrung ihrer Privilegien und Begegnung gemeinsamer Gefahr vor. 1545 existierte ein gemeinsamer Friedhof. 1569 schworen die fünf Karäerältesten dem Staate den Treuschwur, ebenso die fünf Rabbanitenältesten. 1570 wurden beide Gemeinden vom Könige als einzige Gemeinschaft behandelt. Im 16ten Jahrhundert war die Zahl der Karäer fast gleich derjenigen der Rabbaniten, sodann verminderte sich die erstere. Durch Auswanderung entstand die Filialgemeinde in Derezin bei Horyn. In Luzk war zu Anfang des 17ten Jahrhunderts die rabbanitische Gemeinde viermal so stark wie die karäische. 1552 waren 33 rabbanitische und 27 karäische Wirte, 1648: 84 rabbanitische Familien und 20 karäische. Es ging nun abwärts. 1648 kamen die Karäer bis auf einen Rest um. 1650 existierten 28 rabbanitische und 3 karäische Häuser. Sie traten als Besonderheit nicht mehr in die Erscheinung. 1677 bis 1679 waren 193 Rabbaniten und 16 Karäer. 1765 waren 1112 Rabbaniten in 178 Häusern, mit den Dörfern 1719 Seelen, Karäer in der Stadt 104 in 19 Häusern und 126 in den umliegenden Dörfern. 1784 waren 105 Karäer, 1787: 131 Seelen in 33 Häusern in der Stadt, 141 auf den Dörfern, Rabbaniten 1331. Der Haß und die Klagen der Christen richteten sich nur gegen die Rabbaniten. 1789 gab es in der Karäerstraße 6 Häuser und eine Synagoge, in der Judenstraße 68 Häuser und 3 Synagogen, in der Stadt 25 karäische Häuser. In einem Memorial aus der Zeit von 1788—92 sagten die Luzker Karäer, daß sie dem polnisehen Staate als Pferdelieferanten, Uebersetzer aus der türkischen Sprache und Kriegskundschafter Dienste geleistet hätten, und drohten mit Rückwanderung nach der Türkei, falls man sie zur jüdischen Gemeinde schlagen würde. Sie hätten sich bereits nach der Zer- Störung Jerusalems von den Rabbaniten getrennt, ohne sie ihre öffentlichen Steuern bezahlt und besondere Quittungen erhalten1. Sie hätten nie gleich den Kahals Schulden gehabt. Ihre Hauptbeschäftigung sei der Pferdehandel. Sie wären in Troki, Poniewie& und Nowemiasto in Litauen angesiedelt worden. Zur Zeit des Türkenkrieges seien sie bereitwilligst dem polnischen Heere für Remonten und Kundschafterdienste zu Willen gewesen. Sie wurden der rabbanitischen Gemeinde nicht einverleibt. In den 20 er Jahren des 1 Mit Recht bemerkt Balaban, daß sie vor 1764 durch Vermittlung der Landessynoden Kopf־ und Tranksteuer entrichteten, ihre Angaben demnach unrichtig seien.