Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829935-2829938-2833128--46746-2833175- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
82 Briefe an einen Freund in Amerika über den Stand der Erziehung, des Unterrichts und der Kultur bei den polnischen Juden. Der Verfasser ist ein eifriger Freund und Propagator der hebräischen Sprache, ein stolzer jüdischer Lehrer und Verteidiger jüdischer Frömmigkeit. Er zieht gegen die polnischen jüdischen Lehrer zu Felde, die keine grammatischen Kenntnisse besitzen, nicht den ״Pschat“, sondern das ,,Pschättel“ ihren Schülern beibringen, und lobt die litauischen Kollegen, die weit bessere Schüler heranbilden als die polnischen. Er ist ein Gegner der Methode עברית בעברית, die seiner Meinung nach nicht zur Kenntnis von Bibel und Talmud führe. Nowe Zycie (Neues Leben). Monatsschrift für Wissenschaft* Literatur und Kunst. Redakteur Dr. MajerBalaban. Warschau 1924. (Polnisch. Nur ein Jahrgang ist erschienen.) Balaban handelt über Karäer in Polen. 1765 wurden in Luzk 126 und in Halicz 99 Seelen gezählt; 1775 in Halicz 19 Familien, Kukizow bei Lernberg 12; 1910 in Halicz 160 Seelen; 1897 in ganz Rußland 12 894, davon im Gouvernement Taurien 6166, Gouv. Cherson 2008, Odessa 1049, Troki 377, Wilna 155, der Rest in Poniewie£, Luzk und im Gouv. Moskau. Einer zusammenfassenden Bearbeitung ihrer Geschichte stand ihre eigene Unwissenheit und Ueberhebung im Wege. Sie hatten den Ehrgeiz, zu beweisen, daß sie das Mark der Judenheit bilden, daß auf sie die Privilegien der polnischen Könige sich beziehen, und daß die Rabbaniten ihnen gegenüber minderwertig seien. Daher kommen auch ihre Geschichtsfälschungen, deren die einen in gutem Glauben, die anderen zielbewußt und mit Selbstbewußtsein sich schuldig machten. Rehabeam ist nach den karäischen Historikern der Vater des Karaismus, Jerobeam der Vater des Rabbanitentums. Nachher entstand die Theorie, daß in den Zeiten Salome Alexandras Simon ben Schetach den Rabbinismus gegründet habe, während Juda ben Tabbai den Karaismus inaugurierte. Es bildete sich die Legende, daß die polnisch-lithauischen Karäer aus der Krim kamen und von dort durch den litauischen Fürsten Witold zur Zeit seines Feldzuges gegen die Tartaren mitgeführt wurden. Wahrscheinlich ist nur die Herkunft der polnischen Karäer aus der Krim. Beweis: sie sprechen bis heute untereinander tartarisch und unterrichten in dieser Sprache beim Bibelübersetzen. Ihre Abstammung von den Chasaren hält keine Kritik aus. Die älteste Karäergemeinde ist die Lern berge r, die bereits im 15. Jahrhundert bestand. Sie wurde in der Krakauer Vorstadt, in der heutigen Karaitenstraße am hohen Schloß, angesiedelt. Sie hatte mit der jüdischen Gemeinde in der Unterstadt gemeinsame Rechte und Pflichten, Steuern und Arbeiten für das Schloß. 1475 regelten sie ihr wechselseitiges Verhältnis und das zu den staatlichen Behörden, d. h. zum Lemberger Starosten und zum Schlosse. Die Karäer übernahmen die Stadt wachen, Arbeiten fürs Schloß, Bewachung desselben, Vorspanndienste und Lieferung gewisser Küchenartikel, wenn der Monarch nach Lemberg komme, die unterstädtischen Rabbaniten die Bezahlung aller Steuern in bar für König und Starost, die Unterhaltung des Quergrabens (Burggrabens?) ge-