Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 7)
- Language
- German
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81 In der Kronika miasta Poznania (Chronik der Stadt Posen) I, Posen 1923, S. 15 f. wird ein Verzeichnis der in der Stadt Posen von 1577 bis 1784 zum Katholizismus übergetretenen Juden gegeben. Es sind ihrer siebzehn, von denen bei sechs die Herkunft bezw. der Geburtsort angegeben wird, und zwar aus Posen zwei, Krakau zwei, Radzin in Podlasien einer, Lutomyäl einer. Möglicherweise entstammte einer der Gemeinde Wronke und einer Dölzig (Deutsche wissensch. Zeitschr. f. Polen VI, Posen 1925, S. 195). Einer war Töpfer, zwei Schneider, einer Leinenweber, einer Buchbinder, einer Riemenmacher, einer Fleischer, einer Kaufmann. Die Berufe der übrigen werden nicht angegeben. Es ist ein rühmliches Zeugnis der Treue, daß in dieser überaus volkreichen Hauptgemeinde Polens trotz aller Verlockungen, Bürgerrechte und Vorteile, die dem Neophyten winkten, und trotz furchtbarer Verfolgungen und Stürme, die über die Gemeinde in diesen zwei Jahrhunderten hinweggebraust sind, nur so wenige zum Taufbecken schritten. Gelber, Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert (Monatsschrift 1924 S. 225 ff.) sind diese Mitteilungen unbekannt geblieben. Sie sind noch durch folgendes zu ergänzen. ,,Am 28. März 1537 empfingen in Posen vierzehn jüdische Personen auf Veranlassung eines gewissen Paulus (Helicz) die Taufe, der damals Christ, früher Drucker in hebräischen Typen in Krakau war. ... Er hatte kaum das dreißigste Jahr überschritten, als er es unternahm, Mutter, Schwestern und Brüder, und soviel er konnte, dem Christentum zu gewinnen. Die Feier wurde vom Posener Bischof Johannes, Herzog von Litauen, öffentlich angekündigt. Zugegen waren die Grafen von Gorka, der Woyewode Lukas, der Kastellan von Posen, der Generalstarost von Großpolen usw., sowie Consuln der Stadt und Gemahlinnen. Jeder getauften Jungfrau wurden von seiner Ehrwürden zehn Mark versprochen. Auch von Privatpersonen wurden sie reichlich bedacht“ (Chronik der Stadtschreiber von Posen, Zeitschrift der historischen Gesellsch. für die Provinz Posen II 208 f. Vgl. Steinschneider, Hebräische Bibliographie 1864 S. 42 Anm. 1). 1574 kam Heinrich von Valois, der neue König, nach Posen und hielt anläßlich der Feierlichkeiten zu seiner Ankunft auch einen Juden über die Taufe (Lukaszewicz, Hist.-statist. Bild der Stadt Posen, Posen 1878, I 24). Ueber einen Posener Täufling vom Jahre 1754 siehe Kakedem 1907 S. 200. In der Beilage zu Nr. 7 der genannten Kronika miasta Poznania heißt es, ,,der Jude Jaffe hat Recht“. Gemeint ist das Buch von M. Jaffe, die Stadt Posen unter preußischer Herrschaft, Leipzig 1909. Obwohl ,,ein polnischer Leser in dem Werke die politische und wirtschaftliche Entwicklung seines Volksstammes im Lande nicht mit derselben Liebe verfolgt finden wird, wie die des deutsch-christliehen und deutsch-jüdischen Bevölkerungsteiles“, ist diese Kenn- Zeichnung der Konfession des Verfassers in einer ,,Stadtchronik“ seltsam. * * ❖ מכתבים מפולין לאמפריקא. השקפות סקירות וגם סתירות מאת יהודה צוקערמאן תרע״ד — תר״פ (Bendzm 1924). 34 s. Zwölf Monatsschrift, 70. Jahrgang. 6