Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 70 (1926)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus ostjüdischer Geschichte [Rezension]
- Date
- 1926-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 6)
- Language
- German
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80 eingehende Behandlung der Geschichte der Juden in Polen, die in solchem Umfange noch nicht in den Unterricht eingeführt worden ist. Die neuesten Forschungsergebnisse sind berücksichtigt. Alles nur mögliche wird in den Bereich der Darstellung gezogen, Geschichte der einzelnen Landesteile, Handel, Gewerbe, Handwerk, Vierländer־ synode, Landessynoden, antijüdische Literatur, Ghetti, Synagogen, Familienleben, Kleidung, Kleiderordnung, Hazardspiele, Ehepakten, Testamente, Schulen, Druckereien, Jeschibas, geistige Größen, Mystik, jüdische und deutsche Sprache und Literatur, Apologeten und vieles andere. Ob diese Mannigfaltigkeit als Grundlage für den Unterricht dienen kann, ist hier nicht zu entscheiden. Die Legenden der Brakteaten mit hebräischen Inschriften sind keineswegs alle so sicher, wie Verfasser annehmen will (Tom. II 329), vgl. Germania jndaica S. 85, 116, 151, Zeitschrift der historischen Gesellsch. f. d. Provinz Posen IV 325 Anm. 2, Köhne, Zeitschrift für Münz-, Siegel- und Wappenkünde II, Berlin, Posen und Bromberg 1842, S. 340 Tafel 11 Nr. 2. Daselbst S. 334 sind Juden in Bunzlau im Jahre 1190 keineswegs sicher nachweisbar (Biann, Gesch. d. J. in Schlesien S. 5 Anm. 1). Bei der frühen Ansiedlung in Kopaszew in Großpolen (II 354) fehlt sowohl hier als auch bei Balaban, Dzieje zydöw w Krakowie (Gesch. d. Juden in Krakau) I, Krakau 1913, S. 263 die Angabe, daß es ein Dorf im Kreise Kosten ist (Lekszycki, Die ältesten großpoln. Grodbücher I 287). Die Jahreszahlen bezüglich Pomerellens und Masoviens hier (II 354) stimmen nicht mit den bei Balaban, Dzieje I 264, mitgeteilten. Daß R. Mose Isserles vom Könige 1547 zum Rabbiner ernannt worden sei (III 152), ist darum schwierig, weil er damals etwa siebzehn Jahre alt war, und weil er nach Wetstein, לתולדות ישראל וחבמיו בפולין, Krakau 1909, S. 22 f., von anderer Seite autorisiert worden ist. Ganz unklar ist die Behauptung (III 169): ,,Stefan Batory baute auch die Autonomie der großen Gemeinden in der Krone (Posen und Kalisch) auf“. Bin Lissaer Judenprivilegium vom Jahre 1621 (III 182) gibt es nicht, das erste ist 1626 datiert (Lewin, Geschichte der Juden in Lissa-S. 9, Mitteilungen des Gesamtarcliivs der deutschen Juden IV 88 Anm. 8). Die Behauptung, daß zur großpolnischen Organisation von 1519 in Wlozlawek Kalisch nicht gehört habe (III 216), wird durch die betreffende Urkunde bei Berschadski, Russischhebräisches Archiv III, Petersburg 1903, S. 139 f. widerlegt, die nur Posen ausschließt und den Usiel aus Kalisch unter den Delegierten nennt. ❖ $ * Kellen scher, Max, Jüdisches aus der deutschp o ln ischen Uebergangszeit Posen 1918—1920, Berlin 1925. Mit dem Bildnis der neuen Posener Synagoge. Die Widmung ,,Dem Andenken meines Vaters und unseren Gräbern in Posen“ kennzeichnet das Buch. Eine Schrift schmerzlichen Abschieds. Die Blütenträume, die auf die Gründung eines jüdisch-nationalen Volksrats in Posen sich gründeten, waren von nicht langer Dauer. Die Massenabwanderung der Posener Juden in Stadt und Land machte jede gemeinsame Aktion zu nichte. Der erste Teil des Buches bietet eine äußerst interessante Darstellung der Vorgänge nach dem Zusammenbruche und während und nach der polnischen Okkupation, der zweite Teil reiches Material aus Dokumenten, Aufrufen, zeitgenössischen Berichten, Denkschriften, einen kurzen Abriß zur Geschichte der Juden in Posen, der manches unrichtige enthält (Verfasserin Betty Kollenscher), und einen solchen über die Behandlung der Volksfremden bei den Juden. Das Buch ist ein wdchtiger Beitrag zur neuesten jüdischen Geschichte des Posener Landes.