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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 7 · p. Seite 441

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 7
Article
Der hundertjährige Kampf um die Judenemanzipation in Rumänien (1825-1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 441 (sequence 16)
Language
German
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441 für diesen Prozeß solche traurige Vorfälle sich nicht mehr ereignen werden?“ Auf diese Interpellationen gab die Regierung keine Antwort, Sie setzte hingegen für Ende Mai die neuerliche Verhandlung gegen den Mörder des Jassier Polizeipräfekten, Codreanu in Turn-Severin fest. Eine ganze Schar von Advokaten pilgerte nach dieser Stadt, um den Nationalheros Codreanu zu verteidigen. Die Witwe des ermordeten Präfekten hat nur einen einzigen Verteidiger in der Person des Schriftstellers Costaforu gefunden. Die ganze Stadt stand unter dem Terror der antisemitischen Studenten. Nach mehrtägigen Verhandlungen sprach der Gerichtshof den Mörder frei. Dieser zog nun gleich einem Triumphator in seine Heimatsgemeinde. Auf dem Wege, speziell aber in den Eisenbahnzügen, wurden jüdische Reisende insultiert und tätlich angegriffen. Die Stimmung im Lande ist klar ersichtlich aus der von den jüdischen Abgeordneten Dr. Stern, Zirlsohn und Lerner in der Kammersitzung vom 4. Juni an den Ministerpräsidenten und den Innenminister gerichteten Anfrage. Dieselbe hat folgenden Inhalt: Wir richten folgende Anfragen an den Herrn Ministerpräsideuten und den Innenminister: Im Bahnhofe V3sile Lupu sind eine Gruppe Studenten und Mittelschüler, welche in diese Stadt gekommen waren, um an einer cuzistischen Manifestation teilzunehmen, in den Zug Kischinew- Jassy eingedrungen und haben dort jüdische Reisende zu mißhandeln begonnen. Zwei junge Mädchen, Mania Wenger unnd Rimer Malca mit Namen, wurden vom Zug abgeworfen und später auf der Strecke aufgefunden, wobei, wie der Abgeordnete Moldovanu, der sich im selben Zug befunden hat, aus Balti schreibt, einem Mädchen der Schädel־ knochen zertrümmert, dem zweiten eine Hand verletzt worden war. In Jassy wurde diese Freveltat noch besonders gefeiert, indem die Antisemiten in einem Auto durch die Stadt fuhren und ,,Es lebe Codreanu“, ,,Nieder mit den Juden“ schrieen. Dieser feige und barbarische Angriff ist aber nichts anderes als die Wiederholung und fatale Folge verschiedener zahlloser ähnlicher Angriffe, welche sich seit mehr als zwei Jahren im ganzen Reiche ereignen, im Vereine mit einer ganzen Reihe von Attentaten, Verwüstungen, Malträtierungen der jüdischen Hochschüler und deren Vertreiben von den Universitäten, ohne daß bis heute auch nur ein einziger der Schuldigen bestraft worden wäre. Ermutigt durch solchen Einfluß, glauben die Ritter des Hakenkreuzes, insbesondere infolge der Ereignisse in Jassy, Focsani und Turn-Severin und mit Rücksicht auf den Richtspruch im Prozeß Manciu, Herren des Landes zu sein und verbreiten in den Reihen der jüdischen Bevölkerung des Landes einen Terror, wodurch die Sicherheit der Person und des Lebens der Juden in Frage gestellt wird, die sich dadurch als des gesetzlichen Schutzes enthoben dünken. Angesichts dieser Lage, fragen wir den Ministerpräsidenten und den Innenminister: 1. Ist er gesonnen, eine rigorose und unparteiliche Untersuchung der begangenen Freveltaten anzuordnen und die tatsächlichen und

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