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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 7 · p. Seite 439

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 7
Article
Der hundertjährige Kampf um die Judenemanzipation in Rumänien (1825-1925)
Date
1925-01-01
Page
Seite 439 (sequence 14)
Language
German
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439 diese Staatsbürger Deputierte in 3 Parlamente entsandt, Militärdienste geleistet, Steuern gezahlt, und nun verlieren sie durch das gegenwärtige Gesetz ihre Staatsbürgerschaft, ohne für einen anderen Staat optieren zu können. So hat die rumänische Regierung es bewirkt, daß Tausende jüdischer Bürger den Termin für dieOptierung für Polen, Tschechoslovakei oder Deutschösterreich verspäteten, weil sie der berechtigten Ansicht waren, daß ihnen nach dem St. Germainer Friedensvertrag das Recht zusteht, für Rumänien zu optieren. Heute sind sie zu ,,Fremden'' gestempelt und können jeden Tag über die Grenze abgeschoben werden. Abgesehen vom Minoritätenschutzvertrag steht dieses Gesetz in krassem Wider- Spruch zu den allgemeinen Begriffen des internationalen Rechtes, daß ein Individuum eine Staatsbürgerschaft verliert, ohne eine andere zu erhalten. Ferner ist es widerrechtlich, daß bei Besetzung eines früher einem anderen Staate gehörigen Territoriums, die Bürger ihre früheren Rechte nicht beibehalten. Rumänien hat also den Friedens vertrag und das internationale Recht mißachtet und tausende jüdische Bürger für staatenlos erklärt. Nun kam ein neues Ereignis hinzu. Im Dezember v. J. wurde der Präfekt von Jassy wegen seiner korrekten Haltung gegenüber der ganzen Bevölkerung, ohne Unterschied der Religion und Konfession, vom Führer der nationalistisch-antisemitischen Studenten Zelea Codreanu erschossen. Der Prozeß sollte im März in der Stadt Focsani stattfinden. Die nationalistischen Studenten haben einen derartigen Terror in dieser Stadt hervorgerufen, daß der Prozeß nicht abgehalten werden konnte. Dabei vergriff man sich an jiidischem Eigentum und Leben. In der Kammersitzung vom 4. April d. J. brachte der jüdische Deputierte Nathan Ferner folgende Interpellation ein: ,,Herr Präsident, meine Deputierten! Zwei Wochen sind bereits verstrichen seit den traurigen und beschämenden Ereignissen in Focsani, wo gelegentlich des Prozesses gegen Zelea Codreanu innerhalb weniger Tage eine ganze Stadt den wüsten Instinkten einiger unverantwortlicher Leute überlassen wurde, wo Verwüstungen und Profanierungen an der Tagesordnung waren und wo das Vermögen und das Leben friedlicher Bürger dem freien Spiel der Anarchie überlassen wurden. Es ist bezeichnend, daß bis heute, nachdem Senator Sanilievici und Deputierter Rabb. Zirlsohn interpelliert hatten, die Regierung sich zu den Ereignissen in Focsani nicht geäußert hat. Wie sollen wir diese Haltung der Regierung verstehen? Die Regierung wurde gefragt, ob sie Kenntnis hat von den Ereignissen in Focsani. Eine solche Fragestellung ist ganz naiv. Die Regierung hat wohl Kenntnis von diesen Ereignissen, weil sie allein und nur sie schuldig und dafür verantwortlich ist. Schon am Anfang der antisemitischen Bewegung wurde die Regierung aufgefordert, rechtzeitige Maßnahmen zu treffen. Es wäre dies leicht gewesen, wenn man es rechtzeitig getan hätte. Aber die Regierung hat direkt oder indirekt diese Bewegung gefördert. Der Unterrichtsminister hat die unselige Aktion des Prof. Cuza unterstützt, der nach der Beurteilung seiner Kollegen an der Jassyer Universität Haß und Anarchie unter die studierende Jugend gesäet

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