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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 7 · p. Seite 424

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 7
Article
Der Maftir Kenessioth
Date
1925-01-01
Page
Seite 424 (sequence 3)
Language
German
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424 die Bedeutung: ,,die Versammlung schließen, entlassen“. Nun ist nach dem bisher Gesagten klar, daß unser מפטיר כנסיות mit dem eben erwähnten Ausdruck הפטר את העם Gemeinsames nicht bloß sprachlicher, sondern auch sachlicher Natur hat. Wir glauben demnach nicht fehlzugehen, wenn wir R. Chuzpit, den Meturgeman des Lehrhauses zu Jabne, gleichzeitig das Amt des מפטיר כנסיות bekleiden lassen1, der nach den oben angeführten Erklärungen R. Gerschoms und Raschis gewissermaßen das Amt eines Schulinspektors inne hatte und dem das ,,Ein- und Ausführen“ der Schüler des Lehrhauses oblag. Wir dürfen nun, gestützt auf die beiden sich gegenseitig ergänzenden Quellen, folgendes Bild, wenn auch nur in allgemeinen Umrissen, des Amtes und der Funktionen des מפטיר כנסיות der palästinensischen Lehrhäuser zu zeichnen versuchen: Der Meturgeman, d. i. der Funktionär2, der in den Synägogen an Sabbaten und Festtagen dem versammelten Volke die verlesenen Thora- und Prophetenabschnitte in die Landessprache übersetzte sowie in den Lehrhäusern die von den Referenten behandelten Probleme halachischer und agadischer Natur der Ver- Sammlung erklärte (in dieser seiner Eigenschaft hieß der Meturgeman auch ״Amora“), eben dieser Funktionär bekleidete oft, wie es scheint, gleichzeitig3 4 das Amt des מפטיר כסיות. Die Funktionen des 4מפטיר כנסיות würden bestanden haben: I. im ,,Entlassen des Volkes“, 1 S. L. Rapoport im Erech Millin s. v. אפטרתא, Abt. 3, erklärt den Ausdruck הפטר את ד,עם wie folgt: .♦ ♦ וכפי הנראה היה אומר המתורגמן התרגומים של המקראות בנביאים שקרא אותם החזן בלה״ק ♦ ♦ ♦. Wir können■ dieser Vermutung־ Rapoports nicht folgen. Erstens wurde die Vorlesung der Prophetenabschnitte in den Synagogen, wie bereits oben bemerkt, n i e einem für diesen Zweck eingesetzten Funktionär übertragen, und zweitens, wäre dies ja einmal der Fall gewesen, so ist es sehr zweifelhaft, ob die öffentliche ProphetenVorlesung dem חזן, der ja bis zum geoneischen Zeitalter mit dem הזן der späteren Jahrhunderte nicht identifiziert werden kann, übertragen worden wäre. 2 Wir dürfen, gegen Schürer, Gesch. d. jüd. Volkes II2, S. 380/81, der das Bestehen eines ständigen Meturgeman bezweifelt, mit großer Wahrschein־ lichkeit annehmen, daß der Meturgeman in der Regel — der Chasan hatte nur in Ausnahmefällen den Targum gelesen — ein ständiger Beamter war. Dies bezeugt zur Genüge schon der Terminus מתורגמן oder הורנמן (in ,,The Mishna of the Palestinian Talmud“ Ed. Lowe begegnen wir dem תרגמן, welches die richtigere Benennung zu sein scheint), der, gleich ספרן, דרשן u. a. m., der פעלן Form angehörend, die Substantivform eines Berufes ist. Vgl. W. Bacher, Die ält. Terminol. der jüd. Schriftausl., S. 206, Anm. 2. Wäre unter dem מתורגמן kein ständiger Beamter, sondern ein Gelegenheitsfunktionär zu verstehen, so müßte dieser, analog dem קורא בחורה (vgl. M. Megilla IV, 4) mit dem vielmehr die Gelegenheit als den ständigen Beruf bezeichnenden Partizip מתרגם benannt werden. Das in der M. Megilla IV, 6 vorkommende Partizip מתרגם bestätigt nur diese unsere Annahme. Es wurden ja sicherlich weder der קטן noch der פוחח noch der סומא als ständige Uebersetzer, angestellt, sondern es durften in ganz besonderen Fällen auch sie als Meturgemanim fungieren. 3 Die verwandten Aemter des Meturgeman und des Maftir Kenessioth durften, aber mußten nicht von derselben Person bekleidet werden. 4 Das Wort כנסיות im Terminus מפטיר כנסיות würde ausschließlich die Bedeutung ,,Versammlungen, Vereinigungen“ haben und dürfen unter diesem nicht auch die Synagogen (J. D. Eisenstein a. a. O. sagt vom ,,Maftir Kenessioth“: . . . whose duty it was to watch the conclusion of the prayer- Service at the Synagogue . . .) mitverstanden werden. Beachtenswert ist

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