Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Der Maftir Kenessioth
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 423 (sequence 2)
- Language
- German
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423 demien zu folgen. III. Das Amt des ,,Maftir Kenessioth“•war hauptsächlich ein Schulamt (auch Synagogenamt. insofern die Schulen, niedere und höhere, jener Jahrhunderte einen Bestandteil der Synagoge bildeten). Dies alles scheint aus der kurzen Notiz klar hervorzugehen. Nun ist noch eines, u. z. das Wichtigste, zu beantworten. Wem wurde das Amt des מפטיר כנסיות in der Regel anvertraut und worin bestanden dessen Funktionen? Daß wir beim ,,Maftir Kenessioth“ an einen stabilen Synagogenbeamten, etwa einen ,,Maftir“1, der die Prophetenabschnitte an Sabbaten, Fest- und Fasttagen, die ,,Plaftara“, in den Synagogen öffentlich zu verlesen gehabt hätte, nicht denken dürfen, bedarf wohl keiner besonderen Beweise. Unser מפטיר כנסיות kann wohl, abgesehen vom Sprachlichen, mit der הפטרה-Einrichtung gar kein Gemeinsames haben. Die zu verlesenden Prophetenabschnitte in den Syna- •gogen an Sabbaten und Festtagen wurden in der Regel einem für diesen Zweck bestimmten Synagogenbeamten zur Verlesung niemals übertragen. Denn es durfte, wie bekannt, ein jeder Synagogenbesucher, auch Knaben, mit Erlaubnis des Synagogen- Vorstehers (Archisynagogus), analog dem Thoraabschnitt, den betreffenden Prophetenabschnitt öffentlich verlesen2. Wir versuchen daher, behufs Feststellung der Funktionen des ,,Maftir Kenessioth“, zunächst von den Kommentaren z. St. auszugehen. Nach den fast gleichlautenden Erklärungen R. Gerschom Meor Haggolas sowie Raschis z. St.3 wäre der מפט״ר כנסיות ein Schulbeamter, der die ,,Schüler einsammelte und sie in und aus der Schule führte“ und so gewissermaßen die Aufsicht über die Schulordnung hätte. Nun erinnert das hier vorkommende Hiphilpartizip מפטיר an das Verbum הפטר, dem wir bei einer ähnlichen Gelegenheit, einer Gelehrtenversammlung nämlich, begegnen. In der berühmten Tannaitenversammlung im Lehrhause zu Jabne, in der R. Gamliel II gezwungen ward, das Patriarchat für kurze Zeit niederzulegen, verlangte die ob des allzuscharfen Vorgehens R. Gamliels gegen R. Josua erregte Versammlung von R. Chuzpit dem Meturgeman, daß er zum Zeichen des Protestes gegen den Patriarchen ,,das Volk entlasse“4. Der hier vorkommende Ausdruck הפטר את העם hat 1 S. L. Rapoport im Erech Millin s. v. אפטרתא, Abt. 3, scheint an Aehnliches gedacht zu haben. Allerdings erwähnt er dort nicht den ,,Maftir Kenessioth44. Vgl. darüber weiter unten. 2 Evang. Luca IV16. Vgl. I. Elbogen, Studien z. Gesch. d. jüd. Gottesd. (Berlin 1907) S. 11 f. 3 Raschi zu Chullin 51 as. v. מפטיר sagt über die Funktionen des ,.Maftir Kenessioth:מכבים ומוציא תלמידים ומאספם ומעמידם ליילךמבית המדרש. r. Gerschom M. H. z. St. (Wiinaer Ausgabe) erklärt ähn i.i eher weis e: משמש תלמידים שהיו נכנסין לפני ר' ללמוד. Der hier vorkommende שמוש תלמידים ist, gleich dem שמוש חכמים, nicht ganz wörtlich zu nehmen. Somit ist unter dem משמש תלמידים nicht der ,,Schuldiener44, sondern etwa der ,,Schulinspektor44 zu verstehen. Die Erklärung R. Gerschoms würde sich demnach mit der Raschis fast decken. Vgl. J. E. Löwv, בקורת התלמוד (Wien 1863) s. v. ■אפטרתא, s. 315. 4 Jer. Berachoth IV, 1 und Taanith IV, 1:,עד שריננו כל העם .ברבי חוצפית המתודגמן* הפטר את העם. im b. Berachoth 27 b steht anstatt der Worte הפטר את העם des paläst. Talmuds bloß das Wort עמוד, das von Raschi z. St. mit שתוק erklärt wird. Zur Bedeutung der פטר^ן vgl. Z. Frankel, Vor- Studien z. Septuaginta, S. 51.