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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 7 · p. Seite 422

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 7
Article
Der Maftir Kenessioth
Date
1925-01-01
Page
Seite 422 (sequence 1)
Language
German
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422 Der ״Maftir Kenessioth“. Von Prof. Dr. Mordechai Vogelmann in Florenz. Ein einziges Mal, Chnllin 51a, geschieht in beiden Talnraden und Midraschim des מפטיר כנסיות, und dies nur gelegen!- lieh, Erwähnung. Dies wird wohl der Grund sein, daß bisher von keiner Seite der Versuch unternommen, Titel, Amt und Funktionen des ״Maftir Kenessioth“ einer Untersuchung zu unterziehen. Es dürfte dies aber von nicht geringer Wichtigkeit für die Kenntnis der Organisation der jüdischen Gemeindeämter in Palästina, insbesondere aber der palästinischen Lehrhäuser in der tannaitisch-amoräischen Epoche sein. Wenn der מפטיר כנסיות wenigstens einmal genannt wird, so stehen uns wenige oder fast gar keine Quellen zur Verfügung, die uns über Amt und Funktionen des ,,Maftir Kenessioth“ genauen Aufschluß geben könnten. Wir wollen hier dennoch, von der Benennung מפטיר כנסיות sowie den Umständen, unter denen dieser erwähnt wird, ausgehend, Stellung, Amt und Funktionen des ,,Maftir Kenessioth“ darzustellen versuchen. Der Amora R. Awira1 kam eines Tages aus Palästina nach Babylonien und stellte sich seinen babylonischen Kollegen, gelegentlich einer wichtigen halachischen Dezision, u. z. des מחט כבית flW«n-Problems, als מפטיר כנטיות im Lehrhause des Rabbi Rabba2 * vor. Dies ist alles, was wir über Amt und Stellung, Titel und Funktionen des ,,Maftir Kenessioth“ wissen. Wir dürfen jedoch dieser gelegentlichen und dürftigen Notiz folgendes entnehmen: I. Der Titel ״Maftir Kenessioth“ war keine Gelegenheitsbenennung, sondern der Name eines wirklichen ständigen Funktionärs in den palästinischen Lehrhäusern des tannaitisch - amoräischen Zeitalters. Dieses Amt scheint in Palästina eines der angesehensten Aemter und in den Gelehrtenkreisen recht bekannt gewesen zu sein, weil von ihm wie von einem jedermann bekannten Amte die Rede ist. II. Diejenigen, die das Amt des ״Maftir Kenessioth“ bekleideten, waren Männer von Gelehrsamkeit, so daß sie imstande waren, den Gelehrtendiskussionen in den palästinischen Aka- 1 Ueber die Herkunft R. Awiras, ob Palästinenser oder Babylonier, sind wir im unklaren. Juchasin (Ed. Filipowsky) S. 173, sowie Seder Haddoroth (Ed. Maskil L’esson) s. v. sprechen sich über die Provenienz des R. Awira nicht aus. W. Bacher in ,,Agada der paläst. Amor.“ II, S. 165, nennt ihn, wohl weil er nur im babylonischen Talmud vorkommt, den ,,babylonischen Amoräer“, hingegen A. Hyman im ,,Toldoth Tannaim V’eamorairn“, S. 970, spricht von R. Awira als einem בר א״י, wohl weil er oft die Lehrsätze R. Ammis und R. Assis, der כהני חשיבי דארעא ישראל (Megilla 22a; Gittin 59b), tradierte. 2 Chullin 51a: א-ל רב מברא לאביי חזי מר האי צורבא מרבכן דאתא ממערבא ואמר ר׳ עוירא שמני ♦ .♦ איל מפטיר כנסיות אנא לעילא מרבי רבה ♦ ♦ ♦. Unter רבי רבה wird hier wohl der Patriarch R. Jehuda III verstanden werden müssen. Vgl. Z. Frankel, Mafteach zum Darche Hamischna (Leipzig 1867) S. 14 und H. Grätz, Gesch. d. Juden IV4, S. 448. Zum Ausdruck לעילא vgl. Raschi zu Schabbat 30a s.v.לעילא und 88as. v. עליה לרב חסדא; Zunz, Gottesd. Vortr. (erste Ausg.) S. 337, Anm. m. Zur Lesung des Namens עוירא vgl. Rabinowitz’ Dikduke Soferim in den Randbemerkungen z. St. J. D. Eisenstein in der Jewish Encyclopedia s.v. ,,Maftir“ nennt ihn ,,Awira Schammai“,:: wohl weil er das Wort שמני als korrumpiertes שמאי betrachtet. Woher diese Variante stammt, weiß ich nicht.

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