Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neueste Mischnaliteratur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 418 (sequence 18)
- Language
- German
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418 Er meint, die Mi. hätte sagen sollen: אפילו מלך ישראל, wie es z. B. in der Baraita Ketubhot 17 a heißt. Da aber die Mi. zugleich mit der Halaka dem Agr. ein Sittenzeugnis ausstellen will, so konnte sie nicht von einem König schlechthin sprechen. In Ketubbot dagegen hat Agr. gegen die Halaka gehandelt (vgl. auch Mi. Sota VII, 8), daher mußte zuerst die Vorschrift vom König gelehrt und dann hinzugefügt werden, daß Agr. auf sein Recht als König verzichtete. Daß aber in diesem Kap. in Bikkurim wie in den anderen Berichten über die Zeit vor der Tempelzerstörung einige biblische Ausdrücke und Wendungen anzutreffen sind, so beweist dies nur, daß diese Erim Namen des R. El. b. J. gelehrt wird. Wenn aber trotzdem erklärt wird, daß Middot nach R. El. b. Jak. gelehrt ist, so kann dies nach Babli nur aus der Tatsache gefolgert werden, daß andere Mischnajot in Mid. sich als nach R. El. b. Jak. formuliert erweisen lassen, so daß anzunehmen ist, daß auch sonst, insofern sich nicht das Gegenteil nachweisen läßt, die Mischnajot in diesem Traktate nach der Version des R. El. b. Jak. sind und infolgedessen auch die in Rede stehende Mischna in I, 6. Hier kann also nicht angenommen werden, daß nur die einzelne Mi. nach R. El. b. Jak. ist, gegen welche fingierte Annahme E. S. 16 polemisiert. Ebenso ist: nirgends erwähnt, daß R. Sim. der Mi. Tamid III, 6f beipflichtet; dies wird nur, wie Raschi erklärt und durch Tosefta Joma I, 13 erhärtet wird, daraus gefolgert, daß eine andere Mischna in Tamid (III, 1) nach der Version des R. Simon ist, so daß angenommen wird, daß auch andere Mischnajot in diesem Traktate, darunter auch III, 6, nach R. Sim. formuliert sind. Wenn aber die Gemara an einer anderen Mischna nachweist, daß sie gegen die Ansicht des R. Simon ist, so scheint ihr der Beweis, daß Tamid nach R. Simon formuliert ist, widerlegt zu sein, da die eine Mi. die nach R. Sim. ist von der anderen, die gegen ihn ist, aufgehoben wird, sodaß kein Beweis mehr vorhanden ist, daß die anonymen Mischnajot in Tamid, darunter auch III, 6, nach R. Sim sind. Mit anderen Worten, die Aussprüche ♦ ♦♦ תמיד ד״ש und מדות דא״בי sind nach dem Babli nicht feststehende Tatsachen, sondern sie müssen erst beweisen und können auch widerlegt werden. Für Middot läßt sich der Beweis führen, für Tamid dagegen gibt es eine Mischna pro und eine andere contra R. Simon, so daß wir nicht berechtigt sind, die anonymen Mischnajot in diesem Traktate ausgerechnet auf die Version dieses Tanna zurückzuführen. Nach Jeruschalmi dagegen bedürfen diese Aussprüche keiner Beweise und sind überliefert wie z. B. סתם משנה ר׳ מאיר. Wenn E. daher fragt, nach meiner Erklärung, daß unter ♦ ♦תמיד ר״ש nur viele anonyme Mischnajot zu verstehen sind, was fragt die Gemara aus einer Mi. die nicht nach R. Simon ist, so projiziert er meine Erklärung in die Diskussion der Gemara. Für mich ,׳ist dieser Ausspruch feststehend, der dem Sinne nach zu erklären ist. Für die Gemara dagegen steht er in Frage und muß erst bewiesen werden. Wenn aber kein Beweis sich erbringen läßt, weil, wie wir gesehen haben, die Mi. pro von der Mi. contra aufgehoben wird, so ist dieser Ausspruch eben fallen zu lassen. Aber selbst nach der Auffassung E.s bildet es für die Gemara eine Schwierigkeit, wenn angenommen wird, daß gewöhnlich die Halakot in einem Traktate nach der Version eines bestimmten Tanna sind und es sich herausstellt, daß eine Mi. gegen die Ansicht dieses Tanna ist. Wenn mich nun E. fragt, finden wir denn dies bei סתם משנה ר״מ, so erwidere ich: Jawohl, die Gemara erklärt ausdrücklich in Gittin 4a, daß sie sich zwingt,■ die Mi. nach R. Meir zu erklären, weil סתם משנה ר״מ t מהדרינן אד׳ מאיר דסתם מתניתן ר״מ. Natürlich konnte sie deshalb, weil dies nicht überall geht, den Grundsatz סתם משנה ר״מ nicht Umstürzen, in bezug auf תמיד ר״ש glaubt sie aber das tun zu dürfen. Ich hätte noch so manches zu den Ausführungen E.s zu bemerken. Da aber seine Darstellung im großen und ganzen mit meinen Ergebnissen übereinstimmt — was wohl mit dem Hinweis S. 16 Note 2 angedeutet werden .sollte — so nehme ich davon Abstand und werde noch gelegentlich auf einzelnes zurückkommen.