Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neueste Mischnaliteratur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 417 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829927-2829934-2833017--46556-2833064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
417 hat, worauf K. prompt erwidern kann: Auch A. ist oft gegen Scherira (vgl. bei mir S. 88!). Ueber diese journalistische Oberflächlichkeit ist kein weiteres׳ Wort zu verlieren. b) Gegen den Beweis H.s aus Bikkurim III, 4: אפילו אגריפם המלך נוטל הסל על בת־1פו, daß die Mi. zur Zeit des Agr. I redigiert wurde, denn sonst hätte man einen biblischen König genannt, wende ich (S. 90) kurz ein: Demnach hätte man, wenn eine alte Ueberlieferung lautete, daß sogar . . . Agr. . . . selbst den Korb (mit den Erstlingsfrüchten) auf die Schulter nahm, statt seiner König Salomo nennen sollen. Dazu bemerkt K. (S. 95): A. hat ,,tatsächlich" H. mißverstanden. Nach A. will die Mi. uns eine geschichtliche Tatsache mitteilen. H. dagegen nimmt an, daß die Mi. uns lehren will, daß auch ein König• selbst den Korb tragen muß und nur als Beispiel führt sie Agr. an. Ob ich H. mißverstanden habe, bleibt dahingestellt. Daß mich aber K. mißverstanden hat, weiß ich ganz bestimmt, und ich hätte es mir auch nicht träumen lassen, von einem Menschen, der auch nur jemals eine Mischna angesehen hat, so gründlich mißverstanden zu werden. Welcher Anfänger weiß nicht, daß die Mi. uns nicht geschichtliche Begebenheiten als Selbstzweck erzählt, sondern daß diese ihr nur dazu dienen, um eine Halaka auszudrücken? Wenn die Mi. also erzählt, daß Agrippa den Korb selbst getragen hat, so ist keinen Augenblick daran zu zweifeln, daß sie dies als geschichtliche Tatsache hinstellt und damit lehren will, daß es die Pflicht eines Königs ist, dies zu tun, wTie auch Agr. ,,diese Vorschrift befolgte". Hätte aber die Mi. Agrippa nur als Beispiel nennen wollen, ohne diesen Fall als wahr hinzustellen, so könnte ja H. nicht daraus folgern, daß darunter der erste Agr. gemeint sei, der ,,diese Vorschrift befolgte" und nicht der zweite, da nach dieser Annahme die Mi. uns. gar nicht sagte, daß Agr. tatsächlich so gehandelt hat. Kurz die Mischna will uns ebenso wie Tosefta das. II, 18 lehren, daß ein König selbst den Korb tragen muß und da von Agr. dies auch überliefert wurde, so nannte sie seinen Namen, vgl. auch Büchler, Die Priester und der Cultus, S. 15. Damit entfällt auch die Stütze, die ein anderer Verteidiger H.s1 diesem Beweis geben will. 1Epstein in 2) ידיעות המכון למדעי היהדות), S. 10, der mir den Namen מבקרו של הופמן beilegt. Diese Be Zeichnung scheint ihm so treffend zu sein, daß er sie auch dort beibehält, wo Hoffm. gar nicht in Betracht kommt (S. 14 u. 16). Weniger treffend scheinen mir dagegen seine Ausführungen das. zu sein. Ich erkläre nämlich (S. 120) mit Raschi und Jeruschalmi, daß unter תמיד ד׳ שמעון איש המצפה הוא (Joma 14b) und מדות ר׳ אליעזר בן יעקב (das. 16a) nicht gemeint ist, ,,daß die Redaktion dieser Traktate von R. Simon bezw. R. El. b. Jak. herrührt, sondern daß viele anonyme Mischnajotin diesen Traktaten nach ihrer Version sind“. Diese Ausdrucks weise nennt E. zunächst ,,vorsichtig“. Freilich, wenn man unter Vorsicht versteht, jeden Satz genau zu erwägen und nur das zu behaupten, was aus dem betreffenden Text hervorgeht, dann bin ich vorsichtig, sehr vorsichtig. Dies ist auch hier der Fall, weil die Sache sich folgendermaßen verhält. Wenn die Gemara sonst erklärt, daß eine Mischna nach einem bestimmten Tanna formuliert ist, oder wenn es heißt: עירובין ר' יופי (Erubin 79a), כריתות ר׳ עקיבא (Keritot 3 b) und מדות ר׳ יהודה (Joma 16b), so läßt sich nachweisen, daß die in Rede stehenden Mischnajot die Ansichten der betreffenden Tannaiten darstellen. Dies ist aber hier weder bei Middot noch bei Tamid der Fall, was schon von Raschi 15b v. תכן התם erkannt wurde. Wir können nicht nachweisen, daß die fragliche Mi. Mid. 1,6 anderwärts NVonatsschrift, 69. Jahrgang. 27