Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neueste Mischnaliteratur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 415 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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415 gemeint sein, wie Verf. selbst in Mi. 1 erklärt? Wozu sollte denn nach dieser Mischna schon am 14. bei Tag oder gar am Abend des 13. כד״קת חמץ stattfinden, worauf doch deutlich die Worte בודקין אור ארבעה עשר ובארבעה עשר hinweisen? Hier haben wir also eine alte Mischna und doch bedeutet in ihr א* ר ארבעה עשר der Abend des 13. Nissan! Es wäre schade, den Raum einer wissenschaftlichen Zeitschrift. mit weiteren Beispielen dieser Art zu belasten. Die Erklärungen des Verfassers sind alle dadurch gekennzeichnet, daß sie jeder wissenschaftlichen Grundlage entbehren, und sie unterscheiden sich von dem alten ״Pilpul“ darin, daß sie nicht die Diskussion der Gemara weiterführen, sondern ihr widersprechen, ,,die Tora“ nicht ,,vermehren“, sondern untergraben wollen. Da wird immer wieder mit Begriffen wie ,,alte Mischna, R. Akibas und R. Meirs Mischna“ usw. operiert, ohne daß der Text irgend eine Handhabe zu solchen Annahmen bieten sollte. Wenn aber Verf. in seinem Vorwort erklärt, daß dort, wo die einfache Erklärung mit der geltenden Norm im Widerspruch stehe, der ersteren der Vorzug einzuräumen und die geltende Halaka als auf einen Irrtum begründet abzuändern sei, er aber in seinem Kommentar nicht die Absicht habe, praktische Folgerungen aus seinen Erklärungen zu ziehen, so ist dies erfreulich, nur glaubt Ref. nicht, daß jemand durch derartige ,,einfache“ Erklärungen in einen Gewissenskonflikt geraten könnte. Die Tradition hat noch immer mehr Berechtigung als eine grundlose Ueberkritik! Obiger Strich soll zwischen dem eigentlichen Referate und den! Teile, der meiner eigenen Sache — insofern bei wissenschaftlichen Ergebnissen von einer eigenen Sache gesprochen werden kann — gewidmet ist, unterscheiden. Herr Karl widmet nämlich in einem Anhänge meinen ״Untersuchungen über die Redaktion der Mischna“ nicht weniger als elf Seiten (S. 93—103). Nach der vorher gezeigten Denkart Karls ist vielleicht eine Erwiderung meinerseits überflüssig, und ich dachte ursprünglich auch, darauf zu verzichten, zumal K. selbst eingesteht, daß er ,,gezwungen war“, gegen mich Stellung zu nehmen, da nach meinen Ergebnissen viele der in seinem Komment, gegebenen Erklärungen hinfällig sind, demnach also sich selbst als befangen erklärt. Ein solches Vorgehen von seiten eines Rezensenten könnte aber leicht mißdeutet werden, und so entschloß ich mich widerwillig, hier eine Erwiderung in allgemeinen Umrissen meiner Rezension folgen zu lassen. K. hat sich nicht die Mühe genommen, die Ergebnisse meiner Forschung, die mich veranlaßten, sowohl die Ansichten Hoffmanns als auch Halevys einer Prüfung zu unterziehen, zu widerlegen, sondern er begnügt sich damit, Hoff mann und Halevy gegen meine Kritik in Schutz zu nehmen. ,,Hoffmann und Halevy“? Jawohl, K. verteidigt beide. Obwohl die Ansicht Hoffmanns, daß die erste Mischna zur Zeit des Agrippal redigiert wurde, der Halevys, daß sie von denMännern der großen Synagoge herrührt, entgegengesetzt ist, obwohl Hai. Hoffmanns Beweisführung verspottet, so gilt es doch beide in einem